Redaktion der pilger

Donnerstag, 17. November 2016

Jüdisches Erbe in Speyer, Worms und Mainz

Großartiges Zeugnis: das jüdische Ritualbad aus dem 12. Jahrhundert in Speyer. Foto: pilger/Decker

SchUM-Städte-Verein will jüdisches Erbe bekannter machen

Das mittelalterliche jüdische Erbe am Rhein hat nach Einschätzung der Geschäftsführerin des Vereins „SchUM-Städte Speyer, Worms, Mainz“, Susanne Urban, gute Chancen auf den Unesco-Welterbetitel. „Wir müssten es durchkriegen“, sagte Urban in einem epd-Gespräch. Die jüdischen Gemeinden hätten im 12. und 13. Jahrhundert als Zentrum der Gelehrsamkeit eine einzigartige Rolle bei der Entwicklung einer eigenständigen, mitteleuropäisch-jüdischen Kultur gespielt.

Bis heute habe der Name „SchUM“, der sich aus den Anfangsbuchstaben der hebräischen Namen Schpira (Speyer), Warmaisa (Worms) und Magenza (Mainz) herleitet, in der jüdischen Welt einen guten Klang, sagte die 48-jährige gebürtige Frankfurter Historikerin. Urban leitet seit einem Jahr die Geschäfte des Vereins mit Sitz in Worms. Sie soll die für 2020 geplante Bewerbung der drei Städte für das Welterbeprogramm der UN-Bildungsorganisation vorantreiben. Dem Verein gehören das Land Rheinland-Pfalz, die Städte Speyer, Worms und Mainz, die Jüdischen Gemeinden Mainz-Worms und Rheinpfalz sowie der Landesverband der Jüdischen Gemeinden an.

Die Chancen auf eine Anerkennung verbessere auch der Umstand, dass es „bisher kein originäres jüdisches Welterbe“ gebe, sagte Urban, die langjährige freie Mitarbeiterin des Jüdischen Museums in Frankfurt am Main war. Mit einer Entscheidung der Unesco in Paris sei 2021 zu rechnen. Für den im Juli 2014 gegründeten Verein Schum-Städte erarbeitet Urban derzeit einen Managementplan. Ziel ist es, die Zeugnisse jüdischen Lebens in der Region zu erhalten und touristisch besser zu erschließen, um „die Marke SchUM“ in die Welt zu tragen, wie Urban sagt.

Die Bewerbung als Welterbe unter dem Motto „SchUM-Städte am Rhein – Jüdisches Erbe für die Welt“ wolle auch deutlich machen, dass es sich dabei um „ein jüdisches Erbe, nicht um ein deutsches Erbe mit jüdischem Charakter“ handle. Deutschland müsse sich seinem jüdischen Kulturerbe verpflichtet fühlen und nicht nur die Erinnerung an den Holocaust pflegen, sagte Urban. Dabei gelte es, „jüdische Stimmen“ besser einzubeziehen. Der Verein lege einen Schwerpunkt auf die Jugendbildungsarbeit. Mehr Wissen über jüdisches Leben und jüdische Kultur sei das beste Mittel gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit.

Von den einst reichhaltigen, bis zu 1000 Jahre alten Spuren jüdischer Geschichte am Rhein sind heute nur noch einige Reste erhalten. Dazu zählen insbesondere der mittelalterliche Friedhof „Heiliger Sand“ sowie die nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaute mittelalterliche Synagoge in Worms und ein erhaltenes jüdisches Ritualbad – Mikwe – aus dem zwölften Jahrhundert in Speyer. Es ist das älteste in Mitteleuropa.

Seit 2005 bemüht sich das Land Rheinland-Pfalz um eine Anerkennung der SchUM-Städte als Unesco-Welterbe. Auf der deutschen Vorschlagsliste rangiert das Projekt seit 2014 auf Platz fünf. 140000 Euro stehen dem Verein SchUM-Städte jährlich zur Verfügung, dessen Vorsitzender der Wormser Oberbürgermeister Michael Kissel ist. (Alexander Lang, epd)

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