Redaktion der pilger

Donnerstag, 17. November 2016

Bonifatiuswerk leistet wichtige Starthilfe

Ein familienähnliches Umfeld schaffen, das will die Erzieherin Ina König. Gesellschaftsspiele oder Vorlesen gehören daher zur Tagesordnung. Foto: Nowack/Bonifatiuswerk

Im Kinder- und Jungendhilfezentrum Mariaschütz in Berlin finden minderjährige Flüchtlinge ein Obdach

Am 20. November ist Diaspora-Sonntag in der katholischen Kirche. Dann sammeln die Gläubigen deutschlandweit in den Gottesdiensten für Katholiken, die in der Minderheit ihren Glauben leben. Die Diaspora-Aktion des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken steht unter dem Leitwort „Keiner soll allein glauben. Unsere Identität. Barmherzigkeit“. Das Hilfswerk unterstützt mit den Spenden Katholiken insbesondere in Ost- und Norddeutschland sowie in Nordeuropa und dem Baltikum. Dort liegt der Anteil der Katholiken an der Bevölkerung zwischen 0,2 und sieben Prozent. In Form von „Hilfe zur Selbsthilfe“ gibt das Bonifatiuswerk die Spenden weiter für Projekte der Kinder- und Jugendseelsorge, für die Anschaffung von Fahrzeugen sowie für den Bau und die Renovierung von Kirchen, Gemeindezentren, katholischen Einrichtungen. Ein gutes Beispiel für die Arbeit des Bonifatiuswerkes ist die Unterstützung für das Kinder- und Jungendhilfezentrum Mariaschütz der Caritas in Berlin.

„Ich fühle mich wohl hier“, sagt Soha Al-Daher und ihr Gesichtsausdruck verwandelt sich in ein Lächeln. Der Satz wäre der heute 16-Jährigen noch vor einiger Zeit nicht über die Lippen gegangen. Vor zwei Jahren musste die Palästinenserin ihre Heimat, den Libanon, verlassen. Alleine, noch als Kind. „Ich durfte bis zur neunten Klasse in der Schule bleiben“, erzählt das aufgeweckte Mädchen mit ruhiger Stimme. „Dann wollten meine Eltern, dass ich heirate. Aber ich wollte nicht.“ Der damals 14-Jährigen wurde bei der Flucht geholfen, sie landete in Berlin. Im Kinder- und Jugendhilfezentrum „Mariaschütz“ der Caritas fand sie ein Obdach und ist geblieben.
„Es ist hier mein Zuhause“, sagt sie heute über die katholische Einrichtung, die seit über 100 Jahren Kindern und Jugendlichen ohne Eltern oder aus zerrütteten Familien Schutz und ein neues Heim bietet. Erst vor kurzem hat Soha ihre ersten eigenen vier Wände bezogen und lebt im betreuten Einzelwohnen der Caritas-Einrichtung. Kochen, waschen und die gesamten Schulaufgaben muss sie jetzt alleine machen. „Ich muss alles etwas schneller lernen als andere“, berichtet Soha. Auch Deutsch musste sie schnell erlernen, um Anschluss zu finden. Das ist gelungen: Wenn sie die zehnte Klasse schafft, will sie das Abitur machen und Krankenschwester werden.

Besondere Fürsorgepflicht
„An Deutschland mag ich, dass ich hier in Freiheit und Sicherheit bin. Ohne Mariaschütz wäre mein Leben nicht gelungen“, sagt sie. Solche Worte freuen den Einrichtungsleiter Helmut Stumpf. Der Psychologe arbeitet seit 20 Jahren in dem Hilfszentrum und erklärt, das Heim wolle „den Kindern ein familienähnliches Umfeld schaffen.“ Viele Kinder kommen aus Berliner Familien, in denen Alkohol missbraucht wird oder die zerrüttet sind. In stationären Gruppen, Wohngemeinschaften oder betreutem Einzelwohnen bereiten sich hier die Kinder und Jugendlichen auf den Alltag außerhalb des Heimes vor.

Hilfe für Flüchtlinge
Ein freundliches und familienähnliches Umfeld benötigen insbesondere die minderjährigen, unbeaufsichtigten Flüchtlinge, die auch zu den Bewohnern der katholischen Einrichtung zählen. Denn viele der Kinder und Jugendlichen sind durch Kriegserlebnisse oder eine lange Flucht traumatisiert. „Als katholische Einrichtung haben wir daher eine besondere Fürsorgepflicht“, sagt der 58-jährige Einrichtungsleiter. Flucht und Vertreibung hat auch Jesus Christus erlebt, der schon als Kind auf der Flucht vor der Willkür des Herrschers Herodes war. „Wir erfüllen hier Dienst am Menschen. Und die jungen Menschen liegen uns besonders am Herzen“, sagt der Psychologe. Das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken unterstützt die Arbeit der Einrichtung.
Sprachkurse, Therapieangebote, ein Zusammenleben in gemischten Wohngruppen und ein buntes Freizeitangebot: Die katholische Einrichtung „Mariaschütz“ tut einiges, damit die Erziehung und Integration der Flüchtlingskinder gelingt. Wobei Integration nicht nur eine Einbahnstraße sei, wie Ina König beobachtet. Seit 20 Jahren arbeitet sie als Erzieherin in der Einrichtung und hat die Erfahrung gemacht, dass auch deutsche Kinder etwas von den Flüchtlingen in den Gruppen lernen können: Toleranz.

Kinder lernen von Kindern
„Die Kinder brauchen als Bedürftige unsere Unterstützung“, weiß die Erzieherin. Aber durch das Kennenlernen der Flüchtlingsschicksale lernen die Kinder gegenseitige Akzeptanz. „Sie schauen dann seltener auf Äußerlichkeiten, sondern auf die inneren Werte“, glaubt Ina König. Die Heimbewohnerin Laide stimmt ihr zu. Obwohl der kleine Raum der 14-Jährigen wie ein typisches Zimmer eines Teenagers aussieht: Die Poster von Popsternchen hängen an den Wänden und auf dem Schreibtisch stehen Fotos von ihr selbst.

„Ich habe hier niemanden“
Die 14-jährige Laide ist ein ein aufgewecktes Mädchen. Sie träumt davon später Musikerin zu sein: In ihrer Freizeit spielt die Siebtklässlerin Gitarre und singt. Doch an ihre Kindheit erinnert sich Laide nur ungern. „Die Gedanken sind nicht schön“, sagt sie und wird traurig. „Meine Erinnerungen sind wie gelöscht.“ Vor sechs Jahren hat sie ihre Mutter in Sicherheit vor dem Krieg im Heimatland Nigeria nach Deutschland gebracht. Seitdem ist der Kontakt abgebrochen. „Ich habe hier niemanden“, sagt das Mädchen. Daher sei „Mariaschütz“ ihr Zuhause. Trotzdem freut sie sich auf das Erwachsenwerden. Denn dann will sie Sängerin oder Model werden, wie viele Mädchen in ihrem Alter. (Markus Nowak)

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