Redaktion der pilger

Donnerstag, 17. November 2016

Familienzeiten verringern Höhe der Rentenbezüge

Ute Klammer sieht das Modell der Riesterrente als gescheitert an. 56 Prozent der Verträge entfallen auf Frauen. Foto: Jung

Kaiserslautern: „Allianz gegen Altersarmut“ nimmt Alterssicherung von Frauen in den Blick

Altersarmut ist in Deutschland auf dem besten Weg, Alltag zu werden. Besonders gefährdet sind Frauen. Ein Aspekt, den die „Allianz gegen Altersarmut“ am 10. November im Edith-Stein-Haus Kaiserslautern in den Fokus ihrer Veranstaltung stellte. Zu Gast war die Professorin Dr. Ute Klammer, Direktorin des Instituts Arbeit und Qualifikation an der Universität Duisburg-Essen, mit einem Vortrag zum Thema „Lebenswege in die Altersarmut  – Alte und neue Herausforderungen der Alterssicherung von Frauen“.

„Jeder Mensch hat ein Recht darauf, in Würde alt zu werden. Dazu gehört ein auskömmliches Einkommen im Alter. Doch viele sind bereits heute armutsgefährdet, Frauen deutlich häufiger als Männer“, zeigte Hans Mathieu, Sprecher der Allianz, auf. Für Frauen, die in Einpersonenhaushalten leben, sei das Risiko sogar doppelt so hoch wie für Männer in vergleichbarer Situation. Eine Möglichkeit, die Altersarmut zum umgehen, biete die Grundsicherung, die dann greift, wenn das Einkommen nicht zur Finanzierung des Lebensunterhalts ausreicht. „Allerdings verzichten viele auf diesen Anspruch, aus Unkenntnis oder Scham“, sagte Mathieu und appellierte an die Politik, Maßnahmen zur langfristigen Reduzierung von Altersarmut einzuleiten. Anliegen der Allianz sei es, dieses wichtige Thema populär zu machen und in der Öffentlichkeit wach zu halten, schloss sich  der Leiter der Evangelischen Arbeitsstelle für Bildung und Gesellschaft,  Pfarrer Gerd Kiefer an, bevor er das Wort an die Referentin weitergab.

„Die Ursachen für Altersarmut sind vielfältig und die Erkenntnisse von übergreifender Relevanz“, eröffnete Ute Klammer ihren Vortrag. „Das Risiko im Alter unter chronischer Geldknappheit zu leiden, gilt nicht nur für Frauen, sondern auch für Geringqualifizierte, Langzeitarbeitslose, Erwerbsgeminderte und Bürger mit Migrationshintergrund.“ Diese Gruppen seien besonders häufig von Lücken in der Erwerbsbiographie und Niedriglöhnen betroffen und damit auch von geringem Alterseinkommen. „Denn je weniger Jahre gearbeitet wird und je weniger Beiträge an die gesetzliche Rentenversicherung abgeführt werden, desto geringer die Rente.“ Bei Frauen schlügen lange Baby- und Erziehungspausen, sowie Pflegezeiten negativ auf dem Rentenkonto zu Buche. „Kehren sie in die Erwerbstätigkeit zurück, haben sie in ihrem Beruf nicht selten den Anschluss verpasst. Mangelt es obendrein an einer Kinderbetreuung, landen die Frauen oft in einem Teilzeit- oder Minijob mit schmalem Einkommen.“ Doch gerade die Niedriglöhne begünstigten die Altersarmut. Denn Geringverdiener seien kaum in der Lage, in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen, geschweige denn, sich privat abzusichern. „Zum anderen verdienen Frauen bei gleicher Arbeit immer noch weniger als Männer und haben schlechtere Aufstiegschancen.“

Bei der Rente zeige sich das in drastischer Weise. Danach betrug 2015 in Westdeutschland die durchschnittliche Altersrente bei Frauen 580 Euro, bei Männern dagegen 1040 Euro. Auch die Riesterrente, von der 56 Prozent der Verträge auf Frauen entfallen, reiche nicht aus, um finanzielle Lücken ausreichend zu schließen. „Zumal ein Fünftel der Verträge ruht, und die Verzinsung nicht der Rede wert ist“, sagte die Professorin. Sie hält dieses Modell für gescheitert. Der Bund sei gefragt, der Altersarmut entgegenzuwirken, durch Reformen auf dem Arbeitsmarkt und im Rentenversicherungssystem. Etwa durch die Einführung einer durchgängigen Versicherungspflicht, Stabilisierung des Rentenniveaus und Solidarausgleichs und durch eine verbesserte Anrechung von Pflegezeiten. Empfehlungen, die auch die Sachverständigenkommission, der die Professorin angehört, im Rahmen des zweiten Gleichstellungsberichts der Bundesregierung gibt.

In der Familien- und Gleichstellungspolitik müsse der Mangel eines gemeinsamen Leitbilds behoben werden. Außerdem seien die Kommunen gefordert, ihren Beitrag zu leisten, um der Altersarmut vorzubeugen. „Indem sie zum Beispiel das Angebot der Kindertagesbetreuung aufstocken und Frauen dadurch die Berufstätigkeit erleichtern, aber auch durch mehr Unterstützungsangebote für ältere Menschen“, sagte Ute Klamm und stellte sich in der anschließenden Diskussion, durch die Diakon Andreas Welte und die Diözesanleiterin der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands, Gabriele Heinz, führten, den Fragen der Gäste. (red)

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