Redaktion der pilger

Donnerstag, 24. November 2016

„Die Türen der Versöhnung nie schließen“

Mit einem feierlichen Gottesdienst und der Schließung der Heiligen Pforte ging in Rom das Heilige Jahr der Barmherzigkeit zu Ende. Foto: KNA

Papst Franziskus beendet das Heilige Jahr der Barmherzigkeit in Rom

Nicht nur Worte, auch Taten hat Papst Franziskus im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit sprechen lassen – etwa mit den freitäglichen Barmherzigkeitsbesuchen. Auch bei der feierlichen Abschlussmesse am 20. November gab es besondere Gesten.

Langsam schreitet Papst Franziskus die wenigen Stufen vor der Heiligen Pforte im Petersdom hinauf. Er greift den goldfarbenen Griff des Türflügels zu seiner Rechten, zieht ihn zu, der linke Türflügel folgt: Die Heilige Pforte im Petersdom ist verschlossen – bis zum nächsten ordentlichen Heiligen Jahr 2025.

Der Weg zum Heil aber steht allen weiter offen, die „mit aufrichtigem Herzen“ suchen. Das betont der Papst im Gebet vor der Schließung der Pforte. Es ist auch der Tenor seiner Predigt: Die „wahre Pforte der Barmherzigkeit“ sei „das Herz Christi“. Bei der Messe zum Abschluss des Heiligen Jahres rief Franziskus die 70000 Zuhörer auf dem Petersplatz auf, gemeinsam den Weg der Barmherzigkeit weiterzugehen.

Hinaus an die Ränder zu gehen, darauf kommt es Franziskus an. Das hat er selbst im Heiligen Jahr immer wieder auf vielfältige Weise gezeigt. Etwa durch seine freitäglichen Barmherzigkeitsbesuche, die er unangekündigt ehemaligen Zwangsprostituierten oder Priestern, die ihr Amt aufgegeben und eine Familie gegründet hatten, abstattete. Er ging auch zu Wachkoma-Patienten, einer Neugeborenen-Station, ehemaligen Drogenabhängigen oder einem SOS-Kinderdorf. Stets kam er ohne offizielle Ankündigung mit wenigen Begleitern und konnte das sein, was er am liebsten ist: Seelsorger.

Doch der Papst ging nicht nur auf oftmals von anderen ausgestoßene Menschen zu, er lud sie auch zu sich ein. Etwa zur Heilig-Jahr-Wallfahrt für Obdachlose und Strafgefangene im Vatikan. Er hielt Sonderaudienzen für sie, umarmte sie, feierte Messen mit ihnen. Beim Abschlussgottesdienst rief Franziskus zu Nächstenliebe statt Egoismus auf: Jeder solle sich täglich fragen: „Was verlangt die Liebe von mir, wohin drängt sie mich? Welche Antwort gebe ich Jesus mit meinem Leben?“

Bei der Feier auf dem Petersplatz waren auch die von Franziskus am Vortag ernannten neuen Kardinäle dabei. Mit ihrer Auswahl richtete der Papst das Augenmerk auf „Randgebiete“, auf viele von Krieg und Konflikten geprägte Länder, die allzu oft vergessen würden. Dabei würdigte er auch die Vielfalt, die die neuen Kardinäle aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt – etwa aus Lesotho, der Zentralafrikanischen Republik, Bangladesch und Malaysia – neben Europa, den USA und Australien mitbrächten. Ein wenig hallte das auch bei der Messe am Sonntag auf dem Petersplatz wider: Eine Fürbitte wurde in Sango, der Nationalsprache der Zentralafrikanischen Republik vorgetragen, eine andere auf Albanisch.

Möglicherweise wurde diese Sprache zu Ehren des albanischen Priesters Ernest Simoni gewählt, der von Franziskus für sein besonderes Glaubenszeugnis in den Kardinalsstand erhoben worden war. Der 88-Jährige war von den Kommunisten zum Tode verurteilt worden, weil er den christlichen Glauben verkündete, und verbrachte 18 Jahre im Gefängnis.

Neben solchen eindrucksvollen Details gab es auch am Ende der Messe noch einen besonderen Moment: Plötzlich wurde ein Tisch vor den Altar getragen, über die Lautsprecher auf dem Platz wurde erklärt, Franziskus werde nun sein Schreiben zum Heiligen Jahr unterzeichnen, das der Vatikan am 21. November vorstellt. Unter Applaus setzte der Papst seine Unterschrift unter das Dokument „Misericordia et misera“ („Barmherzig und armselig“).

Kurz darauf überreichte der Papst persönlich ausgewählten Stellvertretern des „Gottesvolks“ vorab eine Ausgabe seines Schreibens. Unter ihnen nicht nur Erzbischöfe, sondern auch Priester aus der Republik Kongo und Brasilien sowie ein Ständiger Diakon mit seiner Familie. Weitere Exemplare bekamen Ordensschwestern aus Mexiko und Südkorea, eine Familie aus den USA, zwei junge Verlobte, zwei Katechetinnen aus Rom sowie ein Kranker. Zum Schluss ging Franziskus zu einem Menschen im Rollstuhl und überreichte ihm ein Exemplar. (red)

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