Redaktion der pilger

Donnerstag, 08. Dezember 2016

Die entscheidende Frage

Wir beantworten sie durch unser Leben – Gedanken zum Matthäus-Evangelium 11, 2–11 von Studiendirektor i.R. Theo Wingerter

Viele Christen bemühen sich unauffällig und im Rahmen ihrer Möglichkeiten, den Willen Gottes in ihrem Leben zu erfüllen. Andere setzen sich mit aller Kraft für Recht und Gerechtigkeit ein. Sie weisen auf drohende Gefahren hin, warnen vor Katastrophen. Doch schließlich stehen sie vor dem Scheitern all ihrer Mühe. Sie haben sich verausgabt und sind mit ihrer Hoffnung am Ende. Noch härter trifft es sie, wenn Personen, für die sie gekämpft haben, sich nicht mehr für sie zu interessieren scheinen. War alles umsonst?, so fragen sie sich. Wurde ihre Hoffnung grausam enttäuscht?

Johannes dem Täufer ergeht es wohl ähnlich: Er fordert mit Leidenschaft seine Zuhörer auf, umzukehren und Werke der Buße zu verrichten. Er prangert das Unrecht am Hofe des Herodes und am Tempel an. Das unerbittliche Urteil Gottes würde jeden treffen, der sein Leben nicht radikal ändert. Er droht das Gericht Gottes an und warnt vor der hereinbrechenden Katastrophe. Zum Zeichen seiner eigenen Bereitschaft, Buße zu tun, führt er selbst ein entbehrungsreiches Leben in der Wüste. Durch den geänderten Wandel ihres Lebens sollen die Menschen den Boden für den erwarteten Messias bereiten, der das Reich Gottes herbeiführen würde. Doch sein mutiges Auftreten vor den Mächtigen bringt ihn ins Gefängnis. Hat er sich umsonst für Gott eingesetzt und vergeblich gepredigt? Wo bleibt nun dieser Jesus, in dem er den verheißenen Messias gesehen hat? Darf er darauf hoffen, dass der seine Bußpredigt fortsetzt und mit einem strafenden Gott droht? Vielleicht würde er ihn sogar aus dem Gefängnis befreien? Zweifel quälen ihn, denn Jesus tritt anders auf, als er es erwartet hat. War sein Leben gescheitert?

„Bist du der, der kommen soll?“ Den verunsicherten Johannes treibt diese Frage um. Von der Antwort Jesu hängt es ab, wie der Prophet seinen Ruf zur Umkehr und sein Leben im Büßergewand selbst sehen soll. Jesus nimmt seine Zweifel ernst und baut ihm eine Brücke, sein Bild vom Messias und von Gott neu zu sehen.

In dem, was Jesus spricht und tut, erfüllt sich, was die Propheten über den Messias verkündet haben: Menschen, die nur noch das Dunkel in ihrem Leben und in der Welt sehen, öffnet er den Blick für ihren Weg in eine sinnvolle Zukunft. Menschen, die es nie gelernt haben, mit eigenen Füßen zu gehen, denen durch Mitmenschen jede Selbstachtung genommen ist und die unbeweglich an sich selbst gebunden sind, macht er Mut, vorwärts zu gehen. Wenn Menschen sich aufgrund ihres Aussehens oder ihres unmoralischen Verhaltens einem vernichtenden Urteil ausgesetzt sehen oder durch Herkunft und Erziehung sich als wertlos abgestempelt fühlen, gibt er ihnen ihre Würde als Mensch zurück. Wenn Menschen taub sind für die Not in der Welt, öffnet er ihre Ohren für die Hilferufe ihres Nächsten. Wo Menschen für andere tot sind oder sich dem Leben nicht mehr gewachsen fühlen, schenkt er ihnen Selbstvertrauen und Freude am Leben. Wo Menschen an ihrer Armseligkeit und Hilflosigkeit zerbrechen, richtet er sie durch seine Botschaft von einem barmherzigen Gott auf. Durch alle diese Zeichen seiner Hinwendung zum Menschen befreit er sie zu einer angstfreien Sicht Gottes. Sie erleichtert es ihnen, nach Gottes Willen zu leben.

Die Jünger des Johannes berichten ihrem Meister, was sie mit eigenen Augen gesehen haben. Die Zeichen Jesu verhelfen Johannes zur Freiheit, die Antwort auf seine entscheidende Frage selbst zu geben: „Bist du der, der kommen soll?“

Wer gibt heute Menschen, die zweifelnd nach Gott fragen, eine Antwort, die auf Gott verweist und Freiraum zur eigenen Entscheidung lässt? Es liegt an uns, solche Zeichen zu setzen. Wer aber den Menschen Angst macht vor Gott, widerspricht dem Gottesbild Jesu und erschwert eine Entscheidung für Gott. Die Zeit liegt noch nicht sehr lange zurück, in der die Kirche oft in Gebeten und Liedern, in Predigten und kirchenrechtlichen Bestimmungen mit einem strafenden Gott gedroht und die Höllenangst geschürt hat. Wer wie Jesus sich um die Blinden und Tauben, die Behinderten und an den Rand Gedrängten sorgt, verweist indirekt auf Gott. Wenn jemand sich um die von ihren Mitmenschen Abgeschriebenen und die materiell und seelisch Armen kümmert, lädt er seine Mitmenschen ein, sich mit dem barmherzigen Gott auseinanderzusetzen. Die entscheidende Antwort aber kann ihnen niemand abnehmen.

Auch wir sind eingeladen, uns auf den Erfahrungsweg mit Gott zu machen und dann durch unser Leben unsere Antwort zu geben.

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