Redaktion der pilger

Donnerstag, 08. März 2018

Der Glaube ist das Ein und Alles

An Jesus glauben heißt, ganz in Gott zu leben – Gedanken zum Johannes-Evangelium 3, 14–21 von Diplom-Theologe Klaus Haarlammert

Aus dem nächtlichen „Glaubensgespräch“ mit dem Pharisäer Nikodemus lesen und hören wir als Evangelium am heutigen Sonntag die letzte Hälfte, in der Jesus von sich als dem „Menschensohn“ und „Gottessohn“ spricht, von seiner Sendung, vom Licht, vom Glauben, von der Wahrheit. Dies klingt wie ein großes, dichtes „Präludium“: Alles wird schon „angespielt“, was später ausgeführt wird. Dabei geht es schlechthin um das, wozu Jesus gesandt ist, wozu er lebt und stirbt: unsere Rettung, unser Heil, unsere Erlösung ins ewige Leben. Dass Gott nichts anderes will als dass wir „das Leben haben und es in Fülle haben“ (Johannes-Evangelium 10,10) und alles dafür tut, ja, sogar seinen Sohn „hingibt“, ist pure Liebe, reine Gnade: Dazu sind keinerlei „Vorleistungen“ unsererseits notwendig. Dennoch gibt es das Heil nicht einfach so, ex opere operato, also ohne eine eigene Mitwirkung, ohne ein Verhalten zu Gott. Und die besteht im Glauben an Jesus.

Dies wird noch einmal mehr präzisiert: Das ewige Leben ist in Jesus Christus, und jeder, der an Jesus Christus glaubt, hat das ewige Leben. Im griechischen Wortlaut steht hier pisteúein eis, was dem „glauben“ eine tiefere Dimension gibt: „Glauben“ ist nicht nur ein Ja, eine äußere Zustimmung, sondern ein „Sich-hinein-Glauben“ und letztlich ein „Sich-hinein-Leben“ in Jesus Christus. Der biblische Begriff „glauben“ bedeutet eine feste innere Verankerung, eine tiefe Einwurzelung, die zu einer unzertrennlichen Lebensgemeinschaft führt in dem, der von sich sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben“ (Johannes-Evangelium 11,25–26).  

Nun schließt sich in Jesu Rede ein zweiter Gedankengang an, ohne den ersten zu verlassen: Wenn es da um den Glauben an den vom Vater „gegebenen“ Sohn ging, so geht es jetzt um die „Liebe zum Licht“ und um das „Tun der Wahrheit“. Beides wird Jesus später mit sich selbst identifizieren und mit „glauben“ verknüpfen: „Ich bin das Licht“ (Johannes-Evangelium 8,12) und „Ich bin die Wahrheit“ (Johannes-Evangelium 14,6). Neu ist hier allerdings der Gedanke des Gerichts, doch auch wiederum untrennbar verbunden mit „glauben“ an Jesus Christus in jenem tiefen Sinn: Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet, wer nicht an ihn glaubt, ist schon gerichtet. Das Gericht vollzieht sich also schon hier und jetzt – in der Gegenwärtigkeit von Glauben und von Unglauben.

Und „darin besteht das Gericht“, präzisiert Jesus noch einmal: Die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht – zu ergänzen: das er selbst ist und das mit ihm in die Welt kam: „In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst … Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt, … aber die Welt erkannte ihn nicht, … die Seinen nahmen ihn nicht auf“ (Johannes-Evangelium 1,4–5.9–11). In der Finsternis verbergen die Menschen ihre bösen Taten, im Licht dagegen wird offenbar, welche Taten böse und welche Taten gut sind, das heißt: was gegen Gott und was in Gott getan wurde und wird. Demnach sind „böse Taten“ keine einzelnen, sittlich verwerfliche Taten, wie auch das Lamm Gottes die Sünde (Einzahl), nicht die Sünden (Mehrzahl) der Welt hinwegnimmt (Johannes-Evangelium 1,29): Die „Sünde der Welt“ wie auch die „bösen Taten“ bestehen in der grundsätzlichen Verweigung der Verwurzelung in Gott, in der grundsätzlichen Verwerfung des Lichts – also letztlich im Un-Glauben, aus dem alle Sünden und alle bösen Taten folgen.

Entsprechend sind die Taten, die „in Gott vollbracht sind“, nicht die einzelnen „guten Werke“ als Antwort auf Gottes Gnade und Liebe, sondern alles, was zur grundsätzlichen, tiefen Verwurzelung in Gott führt – also zum Glauben. Das ist gemeint mit dem ungewöhnlichen „die Wahrheit tun“, das ein genuin hebräisches Diktum ist: Wahrheit im biblischen Sinn stellt keine menschlichem Denken entspringende Wirklichkeit dar, sondern eine Wirklichkeit, die in Gott erscheint und aus seiner Offenbarung kommt. So sagt Jesus: „Ich bin die Wahrheit“ (Johannes-Evangelium 14,6). Wer „die Wahrheit tut“, öffnet sich Gott, folgt seinem Willen, wurzelt sich in Gott ein – wie Jesus.

Damit liegt auf der Hand, was aus diesem auf den ersten Blick so schwierigen Evangelium an diesem Sonntag für uns folgt: Wir gelangen zum Heil, zum ewigen Leben nicht einfach nur durch Gottes Gnade, die uns immer zuerst und unverdient geschenkt ist, auch nicht einfach durch die Erkenntnis von Gottes Wort und Wille, sondern durch den Glauben als Einwurzelung in Gott. Dies aber ist nie „fertig“ und erst dann vollendet, wenn wir ganz im ewigen Leben angelangt sind. Und solange braucht es unaufhörlich Vertiefung und Festigung – eine tägliche „Wurzelarbeit“.

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