Redaktion der pilger

Donnerstag, 08. März 2018

Papst Franziskus von A bis Z

Papst Franziskus sorgt für ordentlich Wirbel im Vatikan. Am 13. März 2013 wurde Jorge Mario Bergoglio aus Buenos Aires zum Papst gewählt. Foto: actionpress

Er entscheidet selbst, mit wem er telefoniert, und betet auf dem Weg zum Zahnarzt

Seit genau fünf Jahren führt im Vatikan ein origineller Papst die Amtsgeschäfte. Zum Jubiläum von Franziskus schaut die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA), was dieser Mann so alles treibt.

Aktentasche: hat Franziskus immer am Mann. Ob er am Ende der Welt aus dem Flieger steigt oder in Rom aus dem Kleinwagen: Der Papst von heute trägt Tasche – und zwar selbst.

Barmherzigkeit: ist ein Motto des Franziskus-Pontifikats. Sträflinge, Entstellte, Obdachlose, Piusbrüder oder Schwesterkirchen – der Papst umarmt und wäscht Füße ohne Vorbehalt.

Castel Gandolfo: Urlaub kann er später im Himmel machen – das hat Franziskus mit Johannes Paul II. gemeinsam. Und so hat er die päpstliche Sommerresidenz kurzerhand ins Museum gebracht.

Diät: macht Franziskus nicht so gerne. Seit seinem Amtsantritt hat er etwas an Leibesfülle zugenommen. Aber bitte – gönnen wir ihm doch wenigstens seinen Teller Pasta...

Ehrentitel: gehören für Franziskus abgeschafft. Wer 2013 auf seinen baldigen „Monsignore“ gehofft hatte, muss nun wohl auf einen anderen Papst warten. Auch Kardinal wird man derzeit nicht mehr qua Gewohnheitsrecht.

Flüchtlinge: sind das zweite große Ausrufezeichen dieses Pontifikats. Eine seiner ersten Reisen ging nach Lampedusa, eine weitere nach Lesbos. Immer wieder hält Franziskus Politik und Gesellschaft im reichen Westen den Spiegel vor.

Fuhrpark: ist unter Franziskus ebenso kleiner geworden wie der Radstand. Priester oder Nonnen mit einem neuen Auto? Geht gar nicht – „das tut mir weh“, sagt der Papst.

Gesundheit: scheint immer noch leidlich in Ordnung. Und viele hoffen, das möge auch lange so bleiben. Ob es ärztliche Ratschläge zum Kürzertreten gibt, die der Papst womöglich ignoriert?

Hochzeit: findet Franziskus gut. Zur Not zelebriert er sie auch gleich selbst, wie neulich in Chile bei zwei Flugbegleitern.

Interviews: sind unter dem argentinischen Papst Gewohnheit geworden – zum Unmut von Nachrichtenjournalisten, aber zur Freude jener, die wissen wollen, was ein Papst über Tag so alles denkt.

Jesuiten: Auch wenn er seit seiner Bischofsweihe quasi passives Mitglied ist, hat Franziskus das Denken seines Ordens doch stark verinnerlicht. Lieber schaut er auf den Einzelfall, statt stur einer Regel zu folgen.

Karnickel: sollen nach seinen Worten kein Vorbild für Katholiken sein – zumindest, was die Kinderzahl angeht. Darf ein Papst so reden? Für Franziskus ist das nicht die entscheidende Frage.

Linksruck: hat stattgefunden. Oder doch nicht? Franziskus schillert. In vielem scheint er sogar konservativer als all seine Vorgänger. Welcher Papst hat etwa zuletzt schon so eindringlich von Hölle und Teufel gesprochen?

Maria: ist keine Postbotin für irgendwelche Privatbotschaften, sagt Franziskus. Und doch kommt sie für ihn ziemlich weit vorn. Seine Amtszeit stellte er unter den Schutz der Madonna von Fatima; und vor jeder Reise besucht er die römische Basilika Santa Maria Maggiore.

Nobelpreis: hat er noch nicht. Früher nahmen Päpste gar keine Auszeichnungen an. Der Karlspreis 2016 für den Europa-Mahner Franziskus war eine Überraschung. Der Friedensnobelpreis wäre eine ganz neue Qualität.

Obdachlose: Einen Friseurladen und eine Dusche braucht jeder – auch Wohnungslose. Franziskus ließ beides in die Bernini-Kolonnaden einbauen. Das Amt des Almosenmeisters ist eines der wichtigsten im Vatikan geworden.

Privatsekretär: braucht Franziskus nicht gar so sehr wie seine Vorgänger. „Ich entscheide selbst, mit wem ich telefoniere“, sagt er – und tut das dann auch.

Quo vadis, Vatikan? Das fragen sich viele, vermeintliche „Revolutionäre“ wie „Konterrevolutionäre“. Die Antwort hält wohl Franziskus selbst in der Hand: mit der Auswahl jener Kardinäle, die einst seinen Nachfolger wählen werden.

Ränder: das dritte Franziskus-Ausrufezeichen. Dorthin geht er viel – reist in wenig beachtete Länder, besucht Randgruppen wie Sträflinge, macht Bischöfe aus Tonga und den Kapverden zu seinen Senatoren.

Selbstkritik: und noch ein Ausrufezeichen! Franziskus legt die Finger in alle Wunden der Kirche: sich selbst genügend sei sie, pharisäisch, beamtenhaft. Er will sie im Dienst verbeult und mit dem Staub der Straße sehen. Eine Rosskur.

Teller: dürfen tagsüber fliegen – wenn man sich abends wieder versöhnt. Familienleben – ein Anliegen und ein nie versiegender Born für Franziskus' Bildersprache. Ob „vertrocknete Großmutter“, Homosexuelle oder wiederverheiratete Geschiedene: Sie sind stets im Blick.

Überraschungsanrufe: macht er gerne. Wenn ihm jemand auf einer Postkarte eine Nummer hinterlässt und ihm das Anliegen wichtig ist, meldet sich auch schon mal der alleroberste Telefonseelsorger: „Hallo, hier spricht Franziskus.“

Völkermord: nennt er beim Namen. Angst vor dem türkischen Präsidenten Erdogan kennt er nicht, wenn es darum geht, den Genozid an den Armeniern nicht länger zu beschönigen.

Wegwerfkultur: ein wichtiger Begriff in seinem Koordinatensystem. Mitmenschlichkeit und Ökologie, Umweltthemen und der tägliche Umgang miteinander sind zwei Seiten der einen Medaille. Dazu passen auch B wie „Blutsauger“ und K wie „Kapitalismuskritik“.

Xenophobie: darf nicht sein. Im anderen immer den Mitmenschen zu sehen – darum geht es dem Papst „vom anderen Ende der Welt“, und zwar mit jeder seiner Aussagen und Gesten.

Yad Vashem: Auch dort war er. Und nahm dabei einen alten Freund aus Argentinien mit – einen Rabbiner. Typisch für den Freund des direkten Gesprächs.

Zahnarzt: Selbst ein Papst muss dorthin – allerdings nicht ohne auf dem Weg zu beten, wie Franziskus in einem Kinderbuch gestand. (red/KNA)

 

ZDF-Doku fünf Jahre Franziskus

Was konnte der Papst in den ersten fünf Jahren seines Pontifikats bewegen? Für die „ZDFzeit“-Dokumentation „Mensch Franziskus!“ blickt Michael Strompen am Jubiläumstag, 13. März, um 20.15 Uhr, auf die bisherige Arbeit des „unberechenbaren Papstes“ zurück und lässt Kirchenexperten, Familienmitglieder, Vertraute und Gegner zu Wort kommen.

Der Jesuit Jorge Mario Bergoglio galt in Argentinien als strammer Karrierist, autoritär und arrogant. Er wurde mit 37 Jahren zum Provinzial gewählt und leitete dort sechs Jahre den einflussreichsten Männerorden des Landes, erzählt der Autor. Auch seine Rolle in der Militärdiktatur der 1970er Jahre sei noch immer nicht restlos geklärt.

Doch mit Anfang 50 habe Bergoglio innegehalten, erzählt Strompen weiter. Er zog sich nach Boppard am Rhein zurück, um seinen Weg zu überdenken. Zurück in Argentinien wurde er zum Weihbischof, später zum Erzbischof von Buenos Aires ernannt. Als Papst begeistere Franziskus die Gläubigen, so Strompen. Zu seinen Messen kämen die Menschen zu Tausenden. Doch nach fünf Jahren Pontifikat beginne der Zauber des Anfangs zu schwinden. Die Stimmen der Kritiker würden lauter.

Ob beim Kampf gegen den sexuellen Missbrauch, beim Thema Homosexualität oder beim Thema Kommunionempfang für wiederverheiratete Geschiedene – immer öfter verweigerten Bischöfe die Gefolgschaft. Doch Franziskus lasse sich nicht beirren. Unbeirrbar trete er für die Ärmsten der Armen ein, besuche Ghettos Gefängnisse, Flüchtlingslager und geißele die Wirtschaft für ihre Profitgier.

Kardinal Reinhard Marx vermerkt anerkennend, dass der Papst auf jeglichen Pomp verzichtet habe.

Papst Franziskus habe einen fulminanten Start hingelegt, so Strompen. Er habe die eigene Kurie scharf kritisiert und sei hart gegen Geldwäsche und Korruptionsfälle in der Vatikanbank vorgegangen. Er habe außerdem Führungspersonal auf mehreren Ebenen ausgetauscht und sich damit nicht nur Freunde geschaffen. Doch nun zeige sich das ganze Beharrungsvermögen einer jahrhundertealten Institution.

Die Dokumentation von Michael Strompen zeichnet eine vielfältiges und differenziertes Bild des aus Argentinien stammenden Papstes. Sie zeigt auf der einen Seite seinen Charme und seinen versierten Umgang mit Menschen der unterschiedlichsten Art. Sie verweist aber auch auf die Grenzen von Mensch und Amt. (Heide-Marie Göbbel, KNA)

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