Redaktion der pilger

Mittwoch, 21. März 2018

Wer ist der Mann auf dem Tuch?

Wer ist der Mann auf dem Tuch? Die Kuratorin der Ausstellung, Bettina von Trott zu Solz, erläutert die Spuren. Foto: Landry

Malteser zeigen Ausstellung zum Grabtuch von Turin im Speyerer Dom

„Wer ist der Mann auf dem Tuch? Eine Spurensuche“, so heißt eine Ausstellung, die derzeit in der Krypta des Speyerer Domes zu sehen ist und das berühmte Grabtuch von Turin, seine Geschichte, seine Verehrung  und die Frage, die es aufwirft, zum Thema hat. Speyer ist bereits die 25. Station der Wanderausstellung, die von den Maltesern und dem Erzbistum Köln mit Unterstützung des Historikers und Autors Michael Hesemann entwickelt wurde und bisher rund 145 000 Besucher hatte. In Speyer, in der Krypta des Domes, bleibt die Ausstellung, ebenfalls in Trägerschaft der Malteser und unter der Schirmherrschaft von Bischof Karl-Heinz Wiesemann, noch bis zum 29. April.

Bei dem Sacra Sindone – Heiliges Tuch, Grabtuch von Turin – handelt es sich um ein über vier Meter langes und mehr als ein Meter breites Leinentuch, auf dem umrisshaft der Körper eines Menschen mit deutlich erkennbaren Wunden und Blutungen zu sehen ist. Gläubige verehren es als das Leichentuch, in dem Jesus nach seinem Tod am Kreuz bestattet wurde (Markus-Evangelium 50,46). Seit 1578 befindet sich das Sacra Sindone im Duomo di San Giovanni, der Kathedrale von Turin. 1983 ging es aus dem Besitz des Hauses Savoyen in den des jeweils amtierenden Papstes über, mit der Auflage, dass es in Turin bleibt. Immer wieder wurde und wird die Frage gestellt, ob dieses Tuch wirklich das Leichentuch Jesu ist: Wissenschaftliche Untersuchungen auch in jüngster Zeit haben Argumente für die Echtheit aufgezeigt, doch keine letzte Gewissheit ergeben, zumal die Geschichte des Tuches bis zur ersten Erwähnung im 14. Jahrhundert historisch nicht zweifelsfrei verifizierbar ist.

Daher – so Bettina von Trott zu Solz, Kuratorin der Ausstellung – ist das Leitwort der Ausstellung eine Frage nach dem „Mann auf dem Tuch“. Nirgendwo wird gesagt, dass dieser Mann tatsächlich Jesus Christus ist. Die Ausstellung ist angelegt als eine Spurensuche: Besucherinnen und Besucher sollen sich auf den Weg machen, die dargelegten Fakten ernsthaft abwägen, idealerweise selbst in den Passionserzählungen der Heiligen Schrift nachlesen – und zu einem eigenen Urteil kommen. Diese „Spurensuche“ wird so zu einem Weg zwischen Glauben und Wissen, wie die Ausstellung im Grunde auch angelegt ist, wenn sie Vorgehen und Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen, Aussagen aus den Passionserzählungen der Heiligen Schrift, Rekonstruktionen und originale Stücke zusammen bringt: Was auf dem Tuch auf jeden Fall zu sehen ist, sind die Abdrücke der Vorder- und Rückseite eines Mannes, der gefoltert wurde. Das Tuch könnte aus der Zeit Jesu stammen, und dieser gefolterte und dann tot ins Tuch gelegte Mann könnte Jesus Christus gewesen sein.

Mittelpunkt der Ausstellung ist zweifellos das Turiner Grabtuch selbst, nicht das Original natürlich, aber in einer originalgetreuen Abbildung, die von innen so ausgeleuchtet ist, dass die Spuren und Abdrücke gut zu erkennen sind. Dazu gehört die Nachzeichnung einer Röntgenaufnahme des Tuches sowie eine künstlerisch gefertigte Figur als Rekonstruktion des Leichnams, der in diesem Tuch gelegen haben könnte, wobei die Spuren des Quälens und Folterns möglichst zurückgenommen sind. Der Weg durch die Ausstellung geht dann vorbei an sieben Glasvitrinen mit Werkzeugen, nicht des Leidens Jesu, aber aus dieser Zeit, beispielsweise Nägel für eine Kreuzigung, die Eisenspitze einer Lanze, eine Geißel, eine Dornenhaube – solch eine Dornenkrone, wie sie traditionell in der Kunst dargestellt ist, gab es nach den wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht. Diese Gegenstände machen Folter, Leiden und Sterben anschaulich. In einer Vitrine ist das kleinste, aber vermutlich wertvollste Ausstellungsstück zu sehen: die Fehlprägung eines Leptons (griechisch leptos, leicht), der geringstwertigen römischen Kupfermünze aus der Zeit der Passion Jesu, die nachweislich auf dem rechten Augenlid des Mannes in dem Grabtuch lag. 

An verschiedenen Informationstafeln erfahren die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung wissenswerte Hintergründe zum Turiner Grabtuch. Eine Tafel zeigt seinen möglichen, lediglich in Legenden aufgezeigten Weg von Jerusalem nach Lirey bei Troyes in Frankreich, wo das Tuch 1355 erstmals ausdrücklich erwähnt wird, und seinen weiteren, von da an auch historisch nachweisbaren Weg bis nach Turin, seinem heutigen Aufbewahrungsort. Eine andere Tafel informiert über die verschiedenen wissenschaftlichen Methoden, mit denen bisher nach der Echtheit des Grabtuches geforscht wurden, und ihre Ergebnisse, auch die offenen Fragen. Zudem werden auch theologische, geistesgeschichtliche und vor allem biblische Hintergründe und Zusammenhänge dargestellt.

Wie auch immer die Besucherinnen und Besucher von dieser Ausstellung zum Turiner Grabtuch angesprochen werden, so gelingt ihr vielleicht, was Bischof Karl-Heinz Wiesemann über das Sacra Sindone sagt: „Unabhängig von der Frage der Echtheit, bringt uns das Grabtuch von Turin, das über Jahrhundeerte schon Millionen von Menschen fasziniert hat, auf Tuchfühlung mit Jesus Christus. Es stellt uns in geschichtlicher Konkretion die Menschwerdung Gottes vor Augen. Das Grabtuch spricht zu unserem Herzen in einem beredten Schweigen. Wenn wir uns ihm mit betendem Herzen nähern, erstrahlt vor uns tatsächlich der gekreuzigte und auferstandene Jesus von Nazareth“. (kh)

Die Ausstellung „Wer ist der Mann auf dem Tuch?
Eine Spurensuche“ ist noch bis zum 29. April in der Krypta des Speyerer Domes zu sehen, werktags 9.30 bis 16.30 Uhr, sonn- und feiertags 12 bis 17 Uhr.
Abweichende Öffnungszeiten wegen Gottesdiensten oder kultureller Veranstaltungen: www.dom-zu-speyer.de

– Nähere Informationen:
      www.malteser-turinergrabtuch.de

– Kostenlose Gruppenführungen:
     Telefon 0170/706808

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