Redaktion der pilger

Mittwoch, 21. März 2018

Er lebt! Kein Scherz

Nach Ostern gibt es kein „Weiter so“ – Gedanken zum Johannes-Evangelium 20, 1–9 von Pastoralreferent Thomas Stephan

Der Aprilscherz hat eine lange Tradition. In diesem Jahr sind es 400 Jahre, seit im Bayern des Jahres 1618 die Redensart „in den April schicken“ aufkam. Damit ist bis heute der Brauch gemeint, am 1. April andere an der Nase herumzuführen und sie zum Narren zu halten. Um die kleinen Scherze, um den Schwindel dann aufzulösen, verwendet man traditionell den Ausruf: „April, April“.

Was jedoch unklar ist, ist der Ursprung des Ganzen. Eine der Theorien steht im Zusammenhang mit einer alten christlichen Überlieferung, die besagt, dass der 01. April der Geburts- oder Todestag von Judas Iskariot, dem Verräter Jesu, sein soll. Dementsprechend gilt der 1. April, ähnlich wie Freitag, der 13., als Unglückstag.

„Das Grab ist leer, kein Scherz!“ So könnte die Großüberschrift zum heutigen Ostersonntag lauten. Was das allerdings bedeutet und was daraus folgt, darüber sind sich die Akteure im heutigen Evangelium noch nicht im Klaren. „Denn sie wussten nicht aus der Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste“, wie es am Ende des heutigen Abschnitts im Johannes-Evangelium heißt.

Wie ein schlechter Scherz wird das wohl in den Ohren der Jünger Jesu geklungen haben, was Maria von Magdala vom Grab Jesu zu berichten wusste. Unglauben, Unverständnis und ein ungutes Gefühl wird diese Neuigkeit sicher ausgelöst haben. Allzu verständlich ist es daher, dass sich Petrus und der Jünger, den Jesus liebte, in Windeseile selbst zum Grab aufgemacht haben, um sich mit eigenen Augen vom Berichteten zu überzeugen. Was sie da vorfinden, hat sicher mehr Fragen wie Antworten bei ihnen hinterlassen. Zwar wird vom Jünger, den Jesus liebte, geschrieben, dass „er sah und glaubte“, aber ein durchschlagender Erfolg, eine um sich greifende Einsicht unter den Jüngern, hat auf sich warten lassen; mindestens bis Pfingsten, fünfzig Tage später.

Wenn ich mit großem zeitlichem Abstand zu den tatsächlichen Ereignissen die Zeilen des heutigen Osterevangeliums höre oder lese, dann fühle ich mich der sicherlich aufgewühlten Gefühlslage der Jünger von damals sehr nahe. Dass Tote wieder leben sollen, darüber würden wir in anderen Zusammenhängen sicher sagen, das ist ein (schlechter) Scherz. Zu hoch sind die Mauern der eigenen Erfahrungen, um dies ohne weiteres annehmen zu können. Zu präsent sind die vielen Abschiede, die einer vorschnellen und unproblematischen Übernahme des Osterglaubens im Wege stehen. Und dennoch muss in diesem Unfassbaren etwas Fassbares aufgeleuchtet haben, was sich nicht leugnen lässt und die Jünger nicht mehr losgelassen hat und uns herausfordert, Stellung zu beziehen.

Er lebt! Kein Scherz. Das ist kurzgefasst die frohe Botschaft des heutigen Osterfestes. Wir alle kennen diese Nachricht, die Worte, Gebete und Lieder. Wirklich neu ist das nicht, aber wenn Ostern nichts Neues bringt, bewirkt, für uns ist, für was soll es da noch gut sein? Ostern verweist auf einen Neubeginn, Einschnitte und Veränderung. Ostern verweist auf Leben und Hoffnung, auf Vertrauen und Zutrauen, wo es verloren gegangen ist. „Alles wie bisher“, ist nicht die Parole aus der Grabeshöhle. Dafür hätte der Stein nicht weggerollt werden müssen. Da hätte alles beim Alten bleiben können.

Um sich und etwas in seinem Leben zu verändern, ist es nie zu spät. In gefühltermaßen unsicheren Zeiten ist der Wunsch nach Stabilität und Vertrautem verständlich. Aber die Zeiten waren nie anders. Die Zeit war schon immer so, wie sie ist, und sie wird weder auf uns Rücksicht nehmen, noch auf uns warten. Entscheidend ist, was wir aus der Zeit und unserem Leben machen.

Dass das Leben seine Schattenseiten hat und so manches Unglück zu erleiden ist, darüber waren sich die Menschen immer bewusst. Der 1. April wurde, ebenso wie Freitag, der 13, als ein Unglücktag angesehen, vielleicht weil man ihm der Unglücksgestalt Judas Iskariot zuordnete. Womöglich sollte der (April-) „Scherz“ helfen, quasi als Gegenpol, ein bisschen Leichtigkeit und Spaß in den oft dunklen und grauen Alltag zu bringen.

„April, April“ denken sich sicher viele heutige Zeitgenossen, wenn es um die Osterbotschaft geht: „Da werden wir an der Nase herumgeführt, auf den Arm genommen und verschaukelt.“ Doch was wäre, wenn Ostern kein Aprilscherz wäre und wenn wir Menschen gerade erst durch Ostern allen Grund zur Freude hätten? Ostern ist das Fest des unerwarteten Lebens, das sich wider alle traurige Erfahrungen Bahn gebrochen hat.

Ostern ist das Fest einer Hoffnung, die stärker ist als alle Zweifel. Ostern ist das Fest einer Freude an einem von Gott geschenkten Leben, das im hier und jetzt beginnen soll und in Ewigkeit nicht enden wird.

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