Redaktion der pilger

Mittwoch, 10. April 2019

Mitarbeiter großteils zufrieden, aber...

Bistümer sind auch große Arbeitgeber. Ein Großteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist mit den Arbeitsbedingungen zufrieden. Foto: KNA

Rund 4 000 Verwaltungsbeschäftigte fast aller Diözesen befragt

Rund 4 000 kirchliche Verwaltungsbeschäftigte fast aller Diözesen haben an einer repräsentativen Studie im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz teilgenommen. Wo die Arbeitnehmer noch Luft nach oben sehen.

Die Pflege von Angehörigen – das ist der Punkt mit dem größten Verbesserungsbedarf in Sachen Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Jedenfalls für Beschäftigte der katholischen Bistumsverwaltungen in Deutschland, und zwar mit Blick auf den Arbeitgeber. Zu diesem Ergebnis kommt eine jetzt in Eichstätt vorgestellte repräsentative Studie des Zentralinstituts für Ehe und Familie in der Gesellschaft (ZFG) der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU). Im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) wurde die Zufriedenheit kirchlicher Mitarbeiter in den Ordinariaten mit dem Thema Familienfreundlichkeit erforscht.
Das Resultat kann sich unter dem Strich sehen lassen: Rund 67 Prozent der 4 000 befragten Mitarbeiter sind mit ihren Arbeitsbedingungen in Bezug auf das eigene Familienleben zufrieden. Gut 72 Prozent fühlen sich ihrem Dienstgeber verbunden. Doch wie gesagt: In manchen Bereichen gibt es auch noch Luft nach oben.

Betreuungsmöglichkeiten

Der stärkste Handlungsbedarf besteht der Studie zufolge bei den Betreuungsmöglichkeiten für pflegebedürftige Verwandte. Von den 3 191 Personen, die sich bei der Befragung zum Thema Pflege äußerten, unterstützt jede fünfte selbst einen pflegebedürftigen Angehörigen – Tendenz steigend. Das Durchschnittsalter der Pflegenden beträgt 50,3 Jahre. 26,2 Prozent der Angestellten pflegen täglich Angehörige. Während die Beschäftigten die Relevanz des Themas für sich mit 4,06 von 5 Punkten bewerten, geben sie ihre Zufriedenheit dabei nur mit 2,94 an. Nirgendwo ist die Diskrepanz größer.
Knapp 40 Prozent der Mitarbeiter geben an, die Pflegesituation wirke sich negativ auf ihre Gesundheit aus. 24 Prozent äußern, mit der aktuellen Pflegesituation nicht zurechtzukommen. Unterstützung vom Dienstgeber zum Thema Pflege wünschen sich die Beschäftigten in Form eines zentralen Ansprechpartners in der Verwaltung. Auch möchten sie gern laufend aktuelle Informationen zu dem Gebiet erhalten. Vor allem aber erhoffen sie sich die Möglichkeit einer vorübergehenden Reduzierung der Arbeitszeit und der Freistellung für die Pflege.

Flexible Arbeitszeiten

Und apropos flexible Arbeitszeiten: Dieser Aspekt ist den Beschäftigten laut Studie bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch insgesamt am wichtigsten, unabhängig von der Pflege. Mit den Angeboten von verschiedenen Arbeitszeitmodellen und der Vielfalt der Arbeitszeitgestaltung in Deutschlands Ordinariaten sind die Beschäftigten demnach alles in allem durchaus zufrieden.
ZFG-Mitarbeiterin Jasmin Gotschke goss dann wieder etwas Wasser in den Wein. Sie sagte in Eichstätt, über die Hälfte der Beschäftigten habe geäußert, nur wenig über die Angebote des Arbeitgebers zu familienfreundlichen Leistungen informiert worden zu sein, unter anderem zur Pflege. An dieser Stelle sei also eine bessere Kommunikation wünschenswert.

Kirche als Arbeitgeber

Betreuungsmöglichkeiten für Kinder sind ein weiterer Bereich mit Potenzial. Denn dort liegt die Zufriedenheit bei bloß 2,82 von 5 Punkten – niedriger als überall sonst. Jedoch bewerten die Befragten die Kinderbetreuung auch nur mit 3,57 Relevanz-Punkten – wieder niedriger als alles andere. „Eine Erklärung könnte sein, dass mehr als die Hälfte der Befragten keine minderjährigen Kinder (mehr) hat, da die Beschäftigten im Durchschnitt 45 Jahre alt sind“, so Gotschke.
Der Vorsitzende der DBK-Kommission für Ehe und Familie, der Berliner Erzbischof Heiner Koch, sagte, der demografische Wandel werde das Thema Pflegebedürftigkeit auch für die Kirche als Arbeitgeber noch wichtiger machen. Ihm sollte künftig mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden. Familienpolitik sei für die Kirche im Übrigen wichtiger als Wirtschaftspolitik. Zudem arbeiteten zufriedene Mitarbeiter besser. Koch dankte dem ZFG und betonte, die Studie zeige auch die Notwendigkeit der Katholischen Universität.

22 Bistümer beteiligten sich

Das ZFG befragte für seine Erhebung rund 4 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 24 von 27 Bistumsverwaltungen online und anonym. Die Studie war zweigeteilt. In einem ersten Schritt wurden im Jahr 2015 Führungskräfte zu ihrem familienbezogenen Angebot für Mitarbeiter befragt. Dabei machten Vertreter aller Diözesen außer Passau, Erfurt und Magdeburg mit. 2017 wurden auch die weiteren Büromitarbeiter um ihre Meinung zu familienfreundlichen Leistungen gebeten.
Insgesamt 22 Bistümer waren dabei; es fehlten Passau, Limburg, Speyer, Görlitz und Mainz. ZFG-Direktor und KU-Vizepräsident Klaus Stüwe sagte, die Beschäftigten hätten sich gefreut, Feedback geben zu können.
Stüwe ergänzte: „Es war nie ein Ranking beabsichtigt. Das wäre wegen der Heterogenität der einzelnen Verwaltungen auch gar nicht gegangen.“ Dazu, dass nicht alle deutschen Bistümer bei der Studie mitgemacht haben, fügte Erzbischof Koch hinzu: Görlitz sei zum Beispiel außen vor geblieben, weil man dort wegen der überschaubaren Größe befürchtet habe, dass man hinterher erkennbar sein könne. Laut Stüwe haben unterdessen mehrere Bistümer Einzelauswertungen beantragt. Koch wiederum kündigte für sein Erzbistum an, man plane zusätzliche Studien mit weiteren kirchlichen Mitarbeitern, etwa denen der Caritas. (Christopher Beschnitt)

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