Redaktion der pilger

Mittwoch, 19. Februar 2020

Hoffnung auf Gottes Geist

Oktober 2019: In einer Prozession ziehen Teilnehmer der Amazonas-Synode mit Papst Franziskus aus dem Petersdom aus und gehen zur Synodenaula. (Foto: Paul Haring/CNS photo/kna)

Mit seinem Schreiben zur Amazonas-Synode betreibt Papst Franziskus Synodalität bis zur Schmerzgrenze

Der Papst sieht, dass einige Reformideen wie eine Lockerung der Zölibatspflicht in der Weltkirche zurzeit noch nicht genügend mitgetragen werden.

Dieser Papst, der so einfach und bewegend reden kann, ist mitunter schwer zu verstehen. Was meint Franziskus damit, wenn er mit seinem nachsynodalen Schreiben das Abschlussdokument der Amazonas-Synode „offiziell vorstellt“?
Der Papst macht es sich nicht explizit zu eigen – womit es Teil seines Lehramts
würde. Er erkennt ihm aber die Autorität von Menschen zu, „die die Problematik
Amazoniens besser kennen als ich und die Römische Kurie“. Franziskus fordert
dazu auf, all das komplett zu lesen, was die Synodenväter Ende Oktober verabschiedet haben. Und er ermutigt, sich um eine „Umsetzung zu bemühen“.
Doch was bedeutet das, wenn im Abschlussdokument angeregt wird, verheiratete Männer in Ausnahmefällen zu Priestern zu weihen, wenn dort für
Diakoninnen geworben wird, für einen amazonisch-katholischen Ritus und die
Definition einer „ökologischen Sünde“? Franziskus greift dies kaum auf. Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn erinnert an die Einleitung zu „Amoris
laetitia“. In seinem Schreiben nach den Ehe- und Familiensynoden hatte der
Papst darauf hingewiesen, dass nicht alle Diskussionen „durch ein lehramtliches
Eingreifen entschieden werden“ müssten. Franziskus zufolge „können in jedem
Land oder jeder Region besser inkulturierte Lösungen gesucht werden“.

Er sucht sich unverdächtige Zeugen

Daran knüpft er nun an. Am Ende von „Querida Amazonia“ wird erwähnt, dass
eine „wahre Antwort“ auf „scheinbar entgegengesetzte“ Herangehensweisen darin bestehe, „beide Lösungsansätze zu überwinden und andere, vielleicht ungeahnte, bessere Wege zu finden“. Lockerungen der Zölibatspflicht, Diakoninnen, ein neuer katholischer Ritus sind für Franziskus derzeit Schnellschüsse, die zu kurz greifen. Nichts davon schließt er aus. Da er die Kirche zusammenhalten muss und sieht, dass einige Reformideen noch nicht genügend mitgetragen werden, mag die heftige Kritik konservativer Kreise bei ihm Wirkung zeigen. Wohl auch deswegen sucht sich Franziskus für seine oft deutlichen Worte gegen Ungerechtigkeit oder Zerstörung der Schöpfung unverdächtige und unterschiedliche Zeugen. Als Globalisierungskritiker
stützt er sich auf seine heiligen Vorgänger Paul VI. und Johannes Paul II..
Für das von der Kirche geforderte ökologische Engagement beruft er sich auch
auf Benedikt XVI.. Seine Warnung, indigene Traditionen nicht als heidnisch zu
verurteilen, verbindet Franziskus mit der Aufforderung, den eigenen katholischen Glauben mutig zu vertreten und zu leben. Gegliedert hat Franziskus seine Liebeserklärung an das ökologisch, sozial und kirchlich weltweit bedeutsame Amazonien in vier Träume: einen sozialen, einen
kulturellen, einen ökologischen und einen kirchlichen. Der Papst beschreibt Albträume, von denen die Synodenteilnehmer berichteten. Er plädiert für neue, faire Dialoge in Amazonien – zwischen Politik, Wirtschaft, Indigenen, Menschenrechtsvertretern, Kirche, Wissenschaft. Innerhalb der Kirche betreibt Franziskus Synodalität bis zur Schmerzgrenze. Statt Machtworte zu sprechen, hält er Strittiges in der Schwebe. Er tut das wohl in der Hoffnung, dass Gottes Geist die beteiligten Auffassungen irgendwann zu einer tieferen, gemeinsamen Einsicht leiten möge – wie immer die aussehen mag.

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