Redaktion der pilger

Mittwoch, 19. Februar 2020

Liebe gegen Gewalt

Gewaltlosigkeit, Friedensliebe und Gerechtigkeit sind unverzichtbare Voraussetzungen für die Zukunft der ganzen Menschheit. (Foto: lightscience/AdobeStock)

Jesu Rede von der Feindesliebe ist Quelle der Hoffnung

Gewalt ist ein beherrschendes Thema unserer Zeit geworden: Gewalt in der Schule; Gewalt zwischen Ehepartnern; Gewalt von Eltern gegen ihre Kinder; Gewalt gegen Frauen; Verherrlichung von Gewalt und Darstellung von kriminellen Handlungen in den Medien; gewaltsame Vertreibung von Menschen aus ihrer Heimat; Gewalt und Zerstörung gegenüber Fremden und politischen Gegnern; Gewalt zwischen Anhängern verschiedener Religionen, Rassen und Völker. Die Liste könnte ohne Mühe weitergeführt werden.
Friedensappelle, Friedenspläne, Friedensverhandlungen können oft die Mauer der Feindseligkeiten nicht überwinden. Sind wir Menschen unfähig zum Frieden und zur Versöhnung? Ist die Hoffnung auf eine Welt ohne Gewalt nur ein Traum, dem Tag für Tag das böse Erwachen folgt? Oder können wir doch durch unser Leben der Spirale der Gewalt Einhalt gebieten?
Um den Umgang mit Gewalt geht es auch im heutigen Evangelium. Der Abschnitt aus dem Matthäusevangelium ist der Bergpredigt entnommen (Mt 5–7), der großen ethischen Predigt Jesu, in der seine ganze Lehre vom Reich Gottes zusammenfließt. In der Bergpredigt legt Jesus die Tora, das jüdische Gesetz, aus.
„Ihr habt gehört, das gesagt worden ist – Ich aber sage euch …“. In unserem Textabschnitt setzt sich Jesus mit zwei konkreten Regelungen auseinander: mit dem Recht auf Vergeltung und dem Gebot der Nächstenliebe. Die alten Weisungen, die er zitiert, lassen sich unschwer als Lebensregeln in einer unheilen Welt erkennen. Damals wie heute handeln Menschen böse, sind gewalttätig und ungerecht gegenüber anderen. Um unkontrollierten Racheakten entgegenzuwirken, war das „ius talionis“, das Recht gleicher Vergeltung, geschaffen worden. Es legt fest, dass die Strafe nicht schwerwiegender sein darf als das Vergehen, also nicht der Arm für den Zahn gefordert werden darf oder sogar der Kopf für das Auge, sondern Auge für Auge und Zahn für Zahn (Ex 21,24). So gesehen ist dieses Gesetz ein Fortschritt in der antiken Rechtsprechung gegenüber dem Gesetz der Blutrache. Denn es zieht eine klare Grenze gegen die Willkür der Bestrafung und gegenüber überschießenden Racheaktionen.
Jesus aber will die Regeln der Tora aufbrechen. Er will nicht das Gesetz außer Kraft setzen, aber er will aufzeigen: Recht ist wichtig, aber Liebe ist mehr. Er predigt eine Versöhnungsbereitschaft, die die Spirale der Gewalt auflösen soll. Er fordert, vom Recht der Vergeltung keinen Gebrauch zu machen, um damit zur Deeskalation beizutragen.
Als Zweites greift Jesus das Gebot der Nächstenliebe aus dem Buch Levitikus (Lev 19,18) auf. Es diente dazu, die Lebensgemeinschaften zu sichern und zu schützen. Die Fortführung bei Matthäus, den Feind zu hassen, gibt es dagegen nirgendwo im Alten Testament. Wahrscheinlich gibt Matthäus hier die Meinung einzelner Gruppen seiner Zeit wieder. Auch diesmal übersteigt Jesus das Gesetz der Tora, er weitet die Nächstenliebe zur Feindesliebe aus. Er selbst gibt dafür am Ende seines Lebens seinen Jüngern das Beispiel der Gewaltlosigkeit bis hinein in den Tod.
„Ihr sollt vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist“, fordert Jesus. Der Gott Jesu wendet sich dem Menschen zu in ungebrochener Liebe, auch wenn der sich abwendet. Eine solche Liebe soll der Mensch in der Nachfolge Jesu zu leben versuchen: Liebe, die Gegenliebe hervorrufen will.
Die Weltgeschichte kennt Namen wie Mahatma Gandhi und Nelson Mandela. Ihr Denken und Tun war geprägt von Friedensbemühungen und Gewaltlosigkeit. Ohne Kriege und Armeen führten sie Menschen zu Neuaufbruch und in die Freiheit. Auch vor unserer Haustür wurde das niemals für möglich Gehaltene Wirklichkeit. Die Mauer fiel. Ohne Gewalt und Panzer. Durch Kerzen und Gebet und friedlichen Protest.
„Recht ist wichtig, aber Liebe ist mehr.“ Manchmal erfordert die Liebe, dass wir aussteigen aus einer destruktiven Spirale. Immer erfordert sie den weiten Blick, dass wir alle Gottes Kinder sind – gerecht oder ungerecht – über denen Gott die Sonne scheinen und es regnen lässt. In unserer immer mehr zusammenwachsenden Welt wird eine unbegrenzte Solidarität – insbesondere gegenüber den vielen Menschen, die im Elend leben – zu einer unverzichtbaren Zukunftsvoraussetzung.
Ob heute in den vielen Krisengebieten der Erde Friedens- und Vermittlungsarbeit versucht wird, um gewaltsame Auseinandersetzungen zu verhindern, oder ob Eltern und Lehrkräfte Kindern und Jugendlichen die Kunst der gewaltfreien Lösung von Konflikten durch Gespräch vermitteln – immer zeigen uns solche Beispiele, dass der Anstoß, den uns Jesus geben will, eine Quelle der Hoffnung ist – auch für unsere Verhältnisse.

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