Redaktion der pilger

Sonntag, 01. März 2020

Nach Gottes Willen

Der Berg der Versuchung bei Jericho im Westjordanland. Nach biblischer Überlieferung soll Jesus hier dem Teufel widerstanden haben. (Foto: dmaphoto/ AdobeStock)

In Entscheidungen vom göttlichen Geheimnis geführt

Die Taufe Jesu im Jordan lässt aufleuchten, wer er ist: Gottes geliebter Sohn, erfüllt von Gottes Geist. In der Erzählung von Jesu Aufenthalt in der Wüste klärt sich für ihn die Aufgabe seines Lebens. Er sieht sich nicht als politischer Messias, der sein Wirken auf den irdischen Bereich ausrichtet. Er soll vielmehr die Menschen auf eine tiefere Wirklichkeit verweisen, orientiert am Wort und Willen Gottes. Aus der Kraft des Geistes Gottes wird er seine Entscheidung treffen und sein Leben gestalten.
Die Kirche ist ständig auf dem Weg durch die Zeit als das wandernde Gottesvolk. Ihre Aufgabe ist es, zu begreifen, wie sie jeweils den Willen Gottes verwirklichen kann. Das Evangelium von der Versuchung Jesu bietet dazu seine Hilfe an.
Wie zur Zeit Jesu gab es immer Hunger in der Welt. Auch heute kämpfen Millionen ums Überleben. Es fehlen ihnen die Grundlagen für ein menschenwürdiges Dasein. Hier ist die Kirche gefordert, entscheidend mitzuhelfen den Hunger nach Brot zu stillen. Aber es genügt nicht, nur die materielle Not und Armut zu verringern. Menschen hungern nach mehr, nach einem Sinn für ihr Leben. Sie wollen Antworten auf Fragen, die über den Tod hinausgehen. Sie haben Sehnsucht danach, als Wert geschätzt, angenommen und geliebt zu sein. Hier muss die Kirche wie Jesus Antwort und Heimat geben und auf  das Wort Gottes  verweisen, das den Hunger nach dem stillt, was ihr Leben trägt und wonach sie sich letztlich sehnen.
Vor eine weitere Entscheidung sieht sich Jesus im Laufe seines Lebens öfter gestellt: Verlässt er sich nur auf Gott, wenn der ihm Sicherheit garantiert? Fordert er gleichsam von Gott Beweise für diese Sicherheit? Oder überlässt er sich ihm ganz einfach, weil Gott sein Vater ist? Er baut sein Leben bedingungslos auf Gott. Er braucht ihn nicht auf die Probe zu stellen. Er will keinen Beweis, dass Gott zu ihm steht. Darum wird er am Kreuz sein Leben in die Hände Gottes empfehlen. Das Vertrauen Jesu auf Gott ruft auch uns zur Entscheidung auf: Verlassen wir uns auf eine Sicherheit, die von Gott kommt, auch wenn wir sie eben nicht spüren? Oder machen wir unser Leben fest an allen möglichen Sicherheitsversprechungen? Ist unser Glaube so in Gott verankert, dass wir mit unseren Ängsten leben können oder sie vielleicht sogar überwinden? Diese Frage stellt sich auch der Kirche. Erliegt sie der Versuchung, ihre Sicherheit nur in dem zu finden, was immer schon so war? Sucht sie ihren Halt nur in Paragraphen eines doch zeitbedingten Kirchenrechts? Oder stellt sie sich dem Wagnis, im Vertrauen auf Gott mutige Schritte in die Zukunft zu gehen? Wenn die Kirche Gott und dem Wirken seines Geistes im Leben der Getauften etwas zutraut, zeigt sie Mut, überholte Bahnen zu verlassen und miteinander neue Wege einzuschlagen. Im Voraus weiß sie dabei nicht, ob und wo sie ankommen wird. Auch für das völlige Gelingen z.B. des Synodalen Weges gibt es keine endgültige Sicherheit. Die Chance für eine gute Zukunft der Kirche kann nur in einem zuversichtlichen Aufbruch bestehen, der sich an Gottes Wort orientiert und vom Vertrauen auf Gottes Nähe begleitet wird.
Im heutigen Evangelium wird Jesus noch mit einer anderen Entscheidung konfrontiert: Setzt er seine Fähigkeit und sein Leben ein, damit er für sich Macht und Pracht gewinnt, um über die Menschen zu herrschen? Oder gilt für ihn: Er weiß um die teuflische Gefahr, die Macht und Reichtum mit sich bringen können? Seine Entscheidung ist eindeutig: Er will sich nur „vor Gott niederwerfen und ihm allein dienen“. Er will nicht irdischen Einfluss über die Menschen, sondern er stellt sich ganz in den Dienst des Reiches Gottes. Dies gilt erst recht für die Kirche; denn eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts mehr.
Wo Macht uneingeschränkt gebraucht wird, ist sie in Gefahr, missbraucht zu werden, und kann sie Gemeinschaften und Organisationen zerstören. Macht, die aber im Dienst höherer Werte verantwortungsbewusst eingesetzt wird, leistet einen notwendigen Beitrag für die jeweilige Gemeinschaft. Politiker, die jedoch von der Machtkrätze befallen sind, gefährden den Staat. Für die Geschichte der Kirche gilt Ähnliches bis in unsere Gegenwart. Ein Klerus, der die Macht der geweihten Männer in der Kirche weiterhin festschreiben will, übersieht, was früher vielleicht einmal geboten war, aber heute Gott und den Menschen nicht mehr gerecht wird. Wer jetzt z.B. Frauen den Zugang zu kirchlichen Ämtern mit Berufung auf die Tradition verweigert, berücksichtigt nicht die veränderte Stellung der Frau im heutigen Leben. Auch die Tradition kann zum Götzen missbraucht werden. Machtausübung in der Kirche ist nicht eine Frage von Frau und Mann. Beide können der Gefahr erliegen, ihre Macht über andere auszuspielen. Entscheidend ist, dass Mann und Frau sich in Demut „nur vor Gott niederwerfen und ihm allein dienen“.

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