Redaktion der pilger

Mittwoch, 04. März 2020

Er ist der Weg zum Leben

Auf dem Berg Tabor: Eine Kirche wurde dort errichtet, wo die Tradition die Verklärung Jesu verortet. (Foto: KNA)

Die Verklärung Jesu als „geistliche Sternstunde“

Das Evangelium von der Verklärung Jesu – es ist vollgepackt mit Bildern aus dem Alten Testament. Im Buch Exodus wird erzählt, wie Mose von Gott die Zehn Gebote empfing. Auch damals, so heißt es, stieg Mose auf einen hohen Berg. Auch damals war der Berg in eine Wolke gehüllt, aus der heraus Gott zu den Menschen sprach. Auch damals leuchtete das Gesicht des Mose, weil er mit dem Herrn geredet hatte.
Für die ersten, vor allem judenchristlichen Hörer des Matthäusevangeliums war klar, was der Verfasser mit diesen Bildern – zusammen mit der Anwesenheit von Mose und Elija – in der Erzählung von der Verklärung des Herrn sagen wollte: Jesus ist der neue Mose. Er ist der, den Gott gesandt hat, um die Menschen aus der Sklaverei zu befreien – von allem, was ihr Leben schwer macht; von den Ketten der Schuld; von der Angst vor dem Tod. Und er ist der, der den Menschen den Willen Gottes offenbart – den Weg zu einem gelingenden Leben.
Mose wies den Weg zum Leben in Fülle durch die Zehn Gebote – durch zehn Vorschriften, die die Beziehungen der Menschen zu Gott und untereinander regeln und an die sich die Israeliten halten sollten, um im Bund mit Gott zu bleiben. Zehn Regeln, die im Laufe der Zeit in über 600 einzelne Ge- und Verbote entfaltet worden sind. Damit aber bargen sie die Gefahr in sich, den Bund Gottes mit den Menschen auf die bloße Einforderung und Erfüllung von Vorschriften zu reduzieren.
Jesus hat den Bund, den Gott durch Mose mit dem Volk Israel geschlossen hat, erneuert und vertieft. In ihm hat Gott ein für alle Mal gezeigt: Gott liebt uns und offenbart uns den Weg zum Leben in Fülle. In Jesus ist er uns in menschlicher Gestalt unüberbietbar nahegekommen, um auch uns und unser Leben zu verwandeln; um uns herauszuholen aus allen Dunkelheiten und Niederungen in seine herrliche und lichterfüllte Gegenwart.
Der Weg zu einem gelingenden Leben ist derselbe wie auch schon bei Moses – er besteht im Hören. Aber nicht mehr nur im Hören auf Gebote, im gehorsamen Befolgen von Vorschriften. Sondern im Hören auf eine lebendige Person; in der Nachfolge Jesu, der uns den Weg zum Leben im Einklang mit Gott und allen Menschen zeigt. Er selbst, so heißt es im Johannes-Evangelium, ist „der Weg, die Wahrheit und das Leben“.
Das alles haben Petrus, Jakobus und Johannes auf dem Berg der Verklärung erfahren – wenn auch nur für einen kurzen Augenblick. Auch uns ist die Erfahrung des „Lebens in Fülle“ nicht als Dauerzustand geschenkt sondern nur in Form von „geistlichen Sternstunden“. Das kann eine Begegnung mit einem anderen Menschen sein, in der uns ein Licht aufgeht. Das kann eine unmittelbare, tiefe und beglückende Erfahrung beim Beten sein, in der wir etwas von Gottes Gegenwart erahnen.
All das sind Momente, in denen auch wir wie Petrus sagen möchten: „Es ist gut, dass ich jetzt hier bin“. Momente, die wir nicht mehr verlieren wollen – so wie die drei Jünger, die Hütten bauen wollten, um den Augenblick der Verklärung festzuhalten. Doch auch wir müssen immer wieder vom Gipfel hinabsteigen. Auch uns bleiben die Niederungen des Alltags nicht erspart; die Zeiten von Kreuz und Leid, die Jesus seinen Jüngern – nicht zufällig! – unmittelbar vor und nach seiner Verklärung prophezeit.
Der auferstandene Christus, der Lebendige, der Unberechenbare und Unverfügbare, lässt sich nun einmal nicht einsperren – in die starren Lehrgebäude von Dogmen; in die engen Korsette von Kirchengeboten und Moralvorschriften; in die Mauern von Kirchengebäuden und in die Regelwerke liturgischer Normen. Auch wenn wir das gerne so hätten – weil wir uns davon mehr Gewissheit im Glauben erhoffen.
Sicher aber ist nur Jesu Verheißung: So wie bei meiner Verklärung das göttliche Licht meinen menschlichen Leib von innen her durchdrungen hat … So wie ich den Jüngern durch meine Verklärung erfahren habe lassen, wie für einen Augenblick der Himmel in ihr Leben einbricht … So sage ich auch zu dir – im Leben immer wieder und im Tod ein für alle Mal: Steh auf – zum Leben in Fülle! Hab keine Angst – weil ich an deiner Seite bin und jedes Leid und selbst den Tod für immer besiegt habe!
Ich wünsche Ihnen immer wieder Momente in ihrem Leben, in denen diese Gewissheit schon jetzt durchbricht – wenn auch nur als vorübergehende Gipfelerfahrung. Momente, in denen Sie schon hier und heute erahnen dürfen, was Auferstehung und erfülltes Leben heißen. Momente, in denen die Angst schwindet, weil Jesus Christus uns ein tiefes Vertrauen in ihn und seine Verheißungen geschenkt hat.

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