Redaktion der pilger

Mittwoch, 11. März 2020

Quelle des Lebens

Jesus im Gespräch mit der Samariterin am Jakobsbrunnen. Gemälde von Ferdinand Georg Waldenmüller 1793 bis 1865 (Foto: KNA)

Jesus und die Samariterin – und wir

Alle Geschichten, die das Johannesevangelium erzählt, sind nicht nur Erinnerungen an einzelne Erlebnisse aus dem Leben Jesu, sondern sind immer auch Geschichten mit einem hohen Symbolwert.

Alle Personen, denen Jesus im Johannesevangelium begegnet, sind nicht nur geschichtliche Personen, sondern sind für uns auch Beispielpersonen dafür, wie wir unser Leben in der Nähe Jesu leben können.

Alle Gespräche, die Jesus mit Menschen führt, sind keine „Rezepte“ für ein „gottgefälliges“ Leben, sondern lassen den Gesprächspartner immer tiefer nach einem erfüllten Leben fragen, bis er schließlich erahnt, dass Jesus selbst der Schlüssel zu einem solchen Leben ist.

An der Geschichte Jesu mit der Frau am Jakobsbrunnen können wir genau das mitvollziehen.

Für einen frommen Juden war es damals unmöglich, mit einer Frau in aller Öffentlichkeit über religiöse Fragen zu sprechen, dazu noch mit einer Samariterin; die Juden durften mit diesem „Mischvolk“ keinen Kontakt haben. Das war ein Tabubruch. Jesus sieht das anders.                                                    
Da ist eine Frau bei ihrer ganz alltäglichen, selbstverständlichen Arbeit, beim Wasserholen – kein besonderer religiöser Moment. So ist das heute noch in vielen Regionen unserer Welt. Dort ist frisches Wasser eine Lebens- und Überlebensfrage. In vielen Regionen sind die Quellen und Brunnen im Eigentum der Reichen und Mächtigen; sie und ihr Vieh dursten nicht – aber die Armen.  So ist gerade die Frage nach Wasser für die Armen eine Frage nach Gott. Die erste Lesung des heutigen Sonntags zeigt es ganz klar – so fragt das Volk in der Wüste. (Auf Weisung Gottes ist das Volk aus Ägypten ausgezogen, und jetzt gerät es an den Rand des Lebens.)

Das Evangelium zeigt im Bild der Frau einen Menschen, dem die Erfüllung seiner Grundbedürfnisse genügt. Wir könnten für uns sagen: Ein wenig Wohlstand, „halbwegs“ gesund, kein größerer Streit in der Familie, der „normalen“ Alltagsstress. Aber unter diesem Alltag gibt es verborgene, nicht eingestandene Probleme – manchmal vergrößern sie sich zu „Wüsten“. Einige Themen möchte ich ansprechen: Einsamkeit, ein unerfüllter Alltag, ein Nicht-Verstehen-Können und ein Nicht-Verstanden-Werden. Wir dürfen das nicht verdrängen, sondern in uns wahrnehmen.

Johannes zeigt uns, wie Jesus mühsam und durch viele Missverständnisse hindurch die Samariterin zum Fragen bringt. Sich Fragen stellen bzw. stellen lassen zu einem „konturlosen“ Leben ist im guten Sinne „frag-würdig“. (Leider verstehen wir dieses Wort immer negativ, aber es gehört zur Würde des Menschen, zu fragen!) Und Missverständnisse: Die Samariterin spricht vom Wasser aus dem Brunnen. Jesus spricht vom Wasser des Lebens. Bleibt das Gespräch zwischen ihnen auf verschiedenen Ebenen hängen, wie so oft zwischen uns Menschen? Aber auch ein tieferer Durst nach Leben ist der Samariterin nicht fremd. Sie hat bei fünf oder sechs Männern vergeblich versucht, ihren Durst nach Geborgenheit und Liebe zu stillen.

Jesus führt die Frau im Gespräch weiter, bis sie zu ahnen beginnt: Du bist ein Prophet. Das Evangelium zeigt auf, wie das Gespräch Schritt für Schritt gelingt und wie die Frau immer mehr erlebt, dass nur Jesus ihren Lebensdurst stillen kann. Die Frau hat einen wichtigen Teil eines Gespräches beachtet: Sie hörte zu, ja sie hörte genau zu.  Wagen wir solche Gespräche oder sind für uns Gespräche oft nur eine Methode, dem anderen den eigenen Standpunkt „klar“ zu machen? Prüfen wir uns in Familie und Gesellschaft, aber auch in unserer Kirche!

Jesus gab sich mit dem Stand des Gespräches nicht gleich zufrieden. Er sagte: „Wer von dem Wasser trinkt, das ich geben werde, wird niemals mehr Durst haben, vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zu einer Quelle werden, deren Wasser ins ewige Leben fließt.“  Das Gespräch mit Jesus lässt die Samariterin nicht nur trinken, sondern es macht sie zur Quelle, von der andere trinken können. Sie holt das ganze Dorf zusammen, damit alle Jesus finden.

Wir stehen in der österlichen Bußzeit. Buße erklären wir gerne mit „Umkehr“. Wörtlich übersetzt aus dem Neuen Testament, heißt es aber „Umdenken“, woraus Umkehr erfolgen kann.  Fangen wir vielleicht mit dem Um-Denken an! Denken wir einmal nach, welche Menschen für uns zur Quelle geworden  sind, von deren Wasser wir leben. Vielleicht sind auch wir für andere zur Quelle geworden. Wir müssen uns an den Brunnenrand setzen und uns Zeit nehmen. Jesus und die Samariterin laden uns ein.

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