Redaktion der pilger

Mittwoch, 13. Mai 2020

Baustellen-Seelsorger von „Stuttgart 21“

Tausende Menschen arbeiten auf der Großbaustelle von "Stuttgart 21". Das Bauprojekt zieht sich über viele Jahre hin. (Foto: Frank Gärtner/AdobeStock.com)

Diakon Peter Maile aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart beim Jahrestreffen der Diakone in Speyer zu Gast

Vor zehn Jahren fiel der Startschuss des heftig umstrittenen Bahnprojekts „Stuttgart 21“. Seither arbeiten mehr als 6 000 Menschen auf den 35 räumlich weit verstreuten Baustellen zwischen Stuttgart und Ulm. Die Arbeitskräfte stammen aus vielen Ländern, meist aus Osteuropa und der Türkei. Alle diese Menschen bilden die „Baustellengemeinde“ von Peter Maile. 

Seit sechs Jahren ist der Ständige Diakon im Dienst des Bistums Rottenburg-Stuttgart als Betriebsseelsorger auf den Baustellen von „Stuttgart 21“ unterwegs. Keine leichte, aber eine abwechslungsreiche und spannende Aufgabe. Beim Jahrestreffen der Ständigen Diakone im Bistum Speyer kurz vor dem Beginn der Corona-Krise im Priesterseminar St. German in Speyer berichtete Peter Maile vor rund 50 Teilnehmern über seine Erfahrungen und gab dabei auch Antwort auf die Frage, wie sich Kirche und Seelsorge in der Arbeitswelt verankern können und Zugang zu den Menschen finden.
Peter Maile machte keinen Hehl daraus, dass ihm zu Beginn seiner „Mission“ auch viel Skepsis begegnete. „Viele hatten sich anfangs gefragt, was ein Kirchenmann wohl auf einer Baustelle zu suchen hat“, berichtete Maile. Doch mittlerweile sei das Eis längst gebrochen. Viele Arbeiter hätten schon ihr Herz bei ihm ausgeschüttet. Die dabei geführten Gespräche spiegelten den harten Arbeits- und Lebensalltag fernab von Heimat und Familie wider. Dass die Arbeit oft auch gefährlich ist, machte Maile etwa am Schicksal von Marco aus dem ehemaligen Jugoslawien deutlich: Eines Tages sei der Gipser vom Gerüst gefallen, seitdem ist er querschnittsgelähmt.
Bei seiner seelsorglichen Arbeit ist es dem Diakon wichtig, auf die Bedürfnisse und Prägungen von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kultur und Religion individuell einzugehen. Sprachliche Hürden stellten oft ein Problem dar. „Die Baustellen sind quasi eine Art Schmelztiegel zahlreicher Sprachen und Kulturen“, so Maile. „Dabei geht ohne die vielen Arbeiter aus dem Osten Europas hier gar nichts.“ Bei seinen Baustellen-Gottesdiensten lässt der Diakon Teile seiner Ansprachen und Texte von Dolmetschern übersetzen.
Sehr beliebt sind auch die Grillfeste, die der Betriebsseelsorger regelmäßig organisiert. „Menschen zusammenführen, um dabei auch Kontakte herzustellen und Gespräche zu führen, ist ein ganz wichtiges Element meiner Arbeit“, betonte Maile in Speyer. Mittlerweile sind zwischen dem „Gottesmann in Arbeiterkluft“ und den Männern vom Bau auch Freundschaften entstanden. Einige haben Peter Maile sogar schon zu sich nach Hause in ihre Heimatländer eingeladen und ihn gebeten, Trauungen vorzunehmen oder Kinder zu taufen.
„,Stuttgart 21‘ hat auch mein Leben verändert“, bekräftigte der 59-Jährige, der in naher Zukunft Polnisch lernen möchte und bekennt: „Ich habe hier vor allem die Menschen aus Osteuropa kennen- und schätzen gelernt. Wir begegnen uns mit großer Sympathie und Wertschätzung.“  
Neue Wege für die Pastoral
Bereichert wurde das Jahrestreffen der Diakone durch weitere Vorträge von Diakon Andreas Welte und Pastoralreferent Joachim Lauer, die über die Themen Betriebsseelsorge und Missionarische Kirche referierten.
Über neue Wege und Chancen der pastoralen Arbeit in der Diözese Speyer berichtete Christine Lambrich, die Personalchefin des Bistums. Bleibend wichtige Themen der Zukunft seien dabei vor allem die Wertevermittlung und die Rolle der Frau in der Kirche.  
Nach aktuellen Umfragen und Analysen gelte die Kirche noch immer als attraktiver Arbeitgeber. Ungeachtet dessen werde die Zahl der Hauptamtlichen in fast allen pastoralen Berufen „mangels Nachwuchs“ in den nächsten Jahren deutlich zurückgehen, so Lambrich. Derzeit gehe man davon aus, dass in rund zehn Jahren etwa ein Drittel weniger pastorales Personal zur Verfügung stehe. Schon heute falle es schwer, ausgeschriebene Stellen neu zu besetzen. (WEK)

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