Redaktion der pilger

Dienstag, 09. Juni 2020

Erntehelfer gesucht

Erntehelfer – ein „biblischer“ Beruf, dessen Bedeutung uns die Corona-Krise neu in den Blick rückt. (Foto: actionpress)

Es ist viel zu tun, packen wir‘s an

Erntehelfer wurden schon immer händeringend gesucht. Bei Wind, Wetter und stechender Sonne schuften ganze Heerscharen auf den Feldern und die Männer und Frauen, die zumeist aus Osteuropa kommen, müssen dabei Körperhaltungen einnehmen, die einem allein schon vom Zusehen Rückenschmerzen bereiten. Ihre körperliche Leistung ist nicht hoch genug einzuschätzen, während ihre niedrige Bezahlung und die harten Arbeitsbedingungen für keinen Deutschen attraktiv sind.
Wie sehr wir in Deutschland von Erntehelfern abhängig sind, hat die Corona-Krise gezeigt. Besonders in der Zeit der Spargelernte wurden die Reisebeschränkungen so manchem Spargelbauern zum Verhängnis. Trotz massiver politischer und finanzieller Interventionen, gelang es nicht überall, die nötige Anzahl an Erntehelfern auf die Felder zu bringen, um eine halbwegs geregelte Ernte einzufahren.
„Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter“ ist nicht nur ein Zitat aus dem heutigen Matthäusevangelium, sondern sicherlich auch ein geeigneter Satz, um auf aktuelle Probleme in der Landwirtschaft aufmerksam zu machen. Bei Matthäus werden im heutigen Abschnitt die 12 Erntehelfer schlechthin vorgestellt, nämlich die Apostel. Als Abgesandte Jesu werden sie auf die Reise zu den Menschen geschickt. Ihnen wird hierbei viel zugetraut und viel Verantwortung übertragen. Sie bekommen die Vollmacht unreine Geister auszutreiben, Kranke und Leiden zu heilen, Tote aufzuwecken, Aussätzige wieder rein zu machen und Dämonen auszutreiben. Als erste Anlaufstelle ihrer Sendung wird das Haus Israel genannt, die durch Paulus später auf alle Menschen ausgeweitet wurde.
Auch wir Christen von heute sind, wie die 12, ausgesendet und sollen als Erntehelfer am Reich Gottes mitarbeiten. Es stellt sich in diesen Tagen allerdings die Frage, was uns in der Gesellschaft noch zugetraut wird und bei wem wir mit unseren Angeboten noch ankommen? Die gesellschaftliche Zäsur durch das Corona-Virus trifft besonders die Kirche. Sie hatte schon seit langem mit Bodenverlusten zu kämpfen, und trotz kreativer Einfälle, wie z. B. Gottesdiensten in Autokinos, zeigt sich, die nur noch begrenzte gesellschaftliche Reichweite kirchlicher Angebote. Überall wird versucht das „Wesentliche“ wieder hochzufahren, worunter z. B. in vielen Schulen der Religionsunterricht (und andere „Nebenfächer“) nicht zu fallen scheint. Die analoge Kirche hat es schwer, den digitalen Erfordernissen gerecht zu werden. Dementsprechend müssen wir uns fragen, auf welchen Feldern wir zeitgemäß aufgestellt sind? Sind wir noch in der Lage Schritt zu halten und widrigen Bedingungen Stand zu halten?
In der Corona-Zeit liegen bei vielen nicht nur die Nerven blank, sondern mit Blick auf leere Kassen, wird es überall zu einschneidenden Veränderungen kommen. Entscheidend wird sein, wie die Kirche unter den veränderten Rahmenbedingungen ihre unbestritten guten Angebote wieder an den Mann und an die Frau bringen kann. Da ein Zurück zu einer Zeit „vor Corona“, in der alles wieder so sein wird wie vorher, eher unwahrscheinlich ist, müssen wir uns mit den „neuen Realitäten“ so auseinandersetzen, dass wir auch zukünftig eine Rolle spielen werden. Dazu zählen sicherlich (Fort-) Bildungsangebote in Form von Webinaren und Videokonferenzen, verstärkt seelsorgliche Online-Angebote und z. B. Telefongottesdienste für Risikogruppen auf Gemeindeebene. Sicherlich wird auch die Frage auftauchen, zu welchem Zweck wir uns im (kirchlichen) Arbeitsleben noch „real“ treffen müssen, wo doch vieles in den letzten Wochen digital gelaufen ist und Fahrtkosten und lange Fahrtzeiten langfristig eingespart werden können.
„Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter“. Wir sind gefordert, auch wenn wir immer weniger werden und auch weniger zur Verfügung haben werden, uns einzubringen und mitzumischen, denn die Not in unserer Gesellschaft und weltweit wird durch die Corona-Krise noch deutlich zunehmen. Wir werden Kreativität und Innovativität ebenso benötigen, wie Zähigkeit und Beharrlichkeit, ohne die auf den gesellschaftlichen und kirchlichen Feldern auch nichts voran geht. Klar ist allerdings, dass wir diese Arbeit nur mit und nicht gegen die Menschen, die zu uns gehören, leisten können. Das wird ein Balanceakt, jedoch gibt es wohl keine vernünftige Alternative dazu. Es gibt viel zu tun. Dafür sind wir ausgesendet. Packen wir es mit Gottes Hilfe an!

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