Redaktion der pilger

Mittwoch, 17. Juni 2020

Glaubens-Bekenntnis

„Black lives matter“ (Schwarze Leben zählen). Die dahinter stehende christliche Botschaft lautet: „Alle Leben zählen“. (Foto: KNA)

„Black lives matter“ – Schwarze Leben zählen, dieser Satz klingt mir im Ohr, während ich das Evangelium des heutigen Sonntags meditiere.

Ich denke dabei an den amerikanischen Bischof der Diözese El Paso, Mark Seitz, der am 1. Juni in der Öffentlichkeit kniend für den von einem Polizisten getöteteN George Floyd  betete. Unterstützung bekam er dabei von Papst Franziskus, der ihm telefonisch für dieses Zeichen der Solidarität mit den Menschen, die unter Rassismus und Polizeigewalt leiden, dankte. Es gehört schon eine gute Portion Mut dazu, sich als Bischof so der Öffentlichkeit auszusetzen. Wäre es nicht ein schönes Zeichen gewesen, wenn sich auch andere Bischöfe, nicht nur in den USA, sondern auch bei uns diesem stillen Protest angeschlossen hätten, gegen Rassismus jeglicher Art? Gerne auch mit einem Schild mit der Aufschrift: „All lives matter“, „Alle Leben zählen“? Ist das nicht eine zutiefst christliche Botschaft?
Der Abschnitt aus dem Matthäusevangelium ruft den Christen und Christinnen Mut zu. Mut sich zu Jesus Christus und dem Glauben an ihn zu bekennen. Dazu braucht es in der Tat Mut. „Darum fürchtet euch nicht!“ ruft Jesus seinen Jüngern zu, weil er es selbst weiß. Es ist eben nicht immer leicht; sich zu Jesus Christus und seiner Botschaft zu bekennen. Das kann vielfältige Gründe haben. So gibt es eine Vielzahl von Christ*innen, die allein schon aufgrund ihres Bekenntnisses zu Christus verfolgt und unterdrückt werden. Das christliche Hilfswerk Open Doors schätzt, dass mehr als 200 Millionen Christ*innen weltweit verfolgt oder diskriminiert werden.
Aber es beginnt ja auch schon bei uns selbst: Wie schwer fällt es uns manchmal im Alltag, uns den Fragen oder gar dem Spott auszusetzen, wenn wir etwa ein kurzes Gebet sprechen wollen, uns rechtfertigen müssen, weil wir einen Gottesdienst besuchen, oder wenn wir ein sonstiges Glaubenszeugnis ablegen wollen. In der Kirche und im Gottesdienst fällt es uns leichter. Da sind wir unter unseresgleichen. Aber gilt das auch für den Arbeitsplatz oder gar die eigene Familie? Da kann es mitunter schwer werden, Farbe zu bekennen. Plötzlich wird es unangenehm. Nicht selten reduziert sich Glaube deshalb auf den rein privaten Bereich. Einen Bereich, der nur mich selbst unmittelbar betrifft. Das geht niemanden sonst etwas an. Ist das noch christlich zu nennen? Heute braucht es schon etwas Mut, wenn man aus der Reihe tanzt.
Und es gibt ja auch die Anderen. Jene die sich auf einen öffentlichen Platz oder in die Fußgängerzone stellen, Bibeln verteilen, laut beten, Menschen direkt ansprechen, sie zu ihrem Glauben befragen und in diesem Sinne missionarisch tätig sind. Das ist nun nicht jedermanns Sache, auch meine nicht. Aber ich gebe zu, ich bewundere den Mut, mit dem diese Menschen sich der Gesellschaft aussetzen und so recht klassisch das Wort Gottes verkünden. Ist das die Art und Weise, wie Christus sich das Bekenntnis zu ihm vor den Menschen vorstellt? Vielleicht gehört es dazu, und insofern habe ich da vielleicht zu lernen, selbst mutiger zu werden, aber ich glaube zutiefst, dass es damit allein nicht getan ist.
Sich zu Christus zu bekennen, geht über das öffentliche Bekenntnis und das (laute) Beten hinaus. Sich zu Christus zu bekennen, bedeutet auch, sich zu seinem Handeln zu bekennen, was zwangsläufig bedeutet, selbst aktiv zu werden. Das lernen wir auch aus dem Beispiel Bischof Seitz‘. Wo Menschen sich in Wort und Tat gegen Ungerechtigkeit erheben, sich mit den Unterdrückten und an den Rand Gedrückten solidarisieren, sich für das Leben einsetzen, verwirklichen sie zutiefst, was Jesus selbst getan hat, denn auch er ging an die Ränder der Gesellschaft, aß mit Zöllnern und Sündern und setzte sich dem Spott und dem Hass seiner Feinde aus. Jesus war eben nicht nur ein frommer Redner, er war jemand, der handelte. Es reicht eben nicht, nur schöne Reden zu schwingen. Christsein bedeutet, von Christus durchdrungen zu handeln. Wort und Tat gehen dabei Hand in Hand. Deshalb beeindruckt mich das Beispiel von Bischof Seitz‘ umso mehr. Hätte er nur über das Unrecht, unter dem farbige Menschen leiden, gepredigt, hätten wir davon wahrscheinlich gar nichts mitbekommen. Erst als er sich in einem Park öffentlich  hinkniete, mit seinem Schild in der Hand betete, erst als Wort und Tat zusammenkamen, erlangte sein Tun größere Bedeutung und Aufmerksamkeit.
Von daher wohnt den Versen des Matthäus-Evangeliums durchaus auch eine politische Sprengkraft inne, die unweigerlich zum Bekenntnis zu Jesus Christus dazugehört, und alle frömmlerischen Beter in seine Schranken weist. Schließlich gilt beiden Sorten von Christen die Drohung aus Vers 33: „Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.“ Jenen, die nur von Gott reden und nichts tun wie jenen die tun ohne von Gott zu reden.

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