Redaktion der pilger

Mittwoch, 07. Oktober 2020

Wie das Leben gelingen kann

Verwurzelt wie ein mächtiger Baum im Erdreich, so sollen und dürfen wir verwurzelt in Christus sein. (Foto: AV/AdobeStock.com)

Die Kraft kommt aus der „Wurzel“ in Christus

Der Brief an die Philipper entsteht wahrscheinlich um das Jahr 55. Paulus ist im Gefängnis, vermutlich nicht in Rom, wie man lange angenommen hat, sondern in Ephesus. Dorthin überbringt Epaphroditus dem Paulus eine finanzielle Unterstützung von der Gemeinde in Philippi.

Viele Exegeten nehmen an, dass Paulus zwei oder sogar drei Briefe an seine Lieblingsgemeinde in Philippi geschrieben hat: einen Gefangenschaftsbrief, in dem er die Gemeinde über seine Lage informieren will; einen sogenannten Kampfbrief, in dem er mit scharfen Worten gegen judenchristliche Irrlehrer angeht, die die Gemeinde durcheinander bringen; und vielleicht noch einen Dankesbrief, in dem er den Empfang einer Spende bestätigt, die ihm die Gemeinde zukommen ließ. Die Zusammenstellung dieser drei ursprünglich selbständigen Briefe ist nach Ansicht dieser Exegeten das Werk eines späteren Redaktors. Die Verse unserer Lesung wären nach dieser Theorie dem Dankesbrief zuzuordnen.

Die Gemeinde in Philippi in Mazedonien ist die erste christliche Gemeinde, die auf europäischem Boden gegründet wurde. Um das Jahr 50 ist Paulus mit einigen Gefährten unterwegs auf seiner zweiten Missionsreise. Auf eine nächtliche Vision hin ändert Paulus seine Reisepläne, und sie reisen nach Philippi, damals eine wichtige römische Kolonie. Dort treffen sie einige Frauen zum Gebet versammelt, unter ihnen Lydia, eine Purpurhändlerin. Sie ist eine „Gottesfürchtige“, also eine dem jüdischen Glauben locker verbundene Heidin. Sie nimmt Paulus und seine Gefährten gastlich auf und lässt sich als Erste mit ihrem ganzen Haus taufen. Das war der Beginn einer wohl überwiegend heidenchristlichen Gemeinde in Philippi.
Doch bald schon kommt es zu Streitigkeiten mit den führenden Leuten der Stadt. Paulus und Silas werden werden als Unruhestifter festgenommen und müssen die Stadt und ihre Gemeinde früher als geplant verlassen.

Im Philipperbrief finden sich mehrere Stellen, in denen der Apostel von dem spricht, was ihn trägt und hält. Er hat einen festen Grund, der in allen Wechselfällen seines Lebens konstant bleibt, der es ihm möglich macht, sich mit jeder Lage abzufinden. Dieser feste Grund ist seine Verbindung mit dem Herrn. Sie ist für ihn die Hauptsache in guten wie in schlechten Tagen. Das macht ihn unabhängig. Wohlstand macht ihn nicht übermütig, Mangel nicht verzagt. Wie es auch kommt, Paulus kann damit leben: „Ich weiß Entbehrungen zu ertragen, ich kann im Überfluss leben“ (4,12). Paulus weiß allerdings auch, dass er diese Gelassenheit nicht seiner eigenen Kraft, sondern dem Vertrauen auf Christus verdankt: „Alles vermag ich durch den, der mich stärkt“ (4,13).
In der Vulgata, der ersten lateinischen Bibelübersetzung, lautet dieser Satz: „Omnia possum in eo, qui me confortat.“ „Confortat“ (von stärken, trösten) ist das lateinische Wort, das unserem Fremdwort „Komfort“ zugrunde liegt. Die Bindung an Christus ist für Paulus der „Lebenskomfort“, das, was seine Lage „komfortabel“ macht. Dieser Komfort macht ihn in jeder Situation unabhängig, macht ihn fähig, sich mit jeder Lage zu begnügen. „Alles vermag ich durch den, der mir Kraft gibt.“

Und Christusverbundenheit heute?
-> Es ist ein Grundvertrauen ins Leben; ich bin von Gott nicht verlassen, selbst wenn es widrige Umstände gibt.
->  Nicht die Umstände sind in erster Linie das Problem, eher wie ich damit umgehe. Die Umstände sind uns als Aufgabe gegeben, in denen sich die Christusverbundenheit bewähren kann.
-> Gerade auch in Situationen, in denen ich nichts machen kann, nichts ausrichte, Mitmenschen nicht verändern kann, darf ich Gott am Werk glauben.
-> Ich tue mein Möglichstes, was aber daraus wird, liegt in den Händen eines anderen. Ich muss weder die Welt, die Kirche noch einen Menschen retten. Im Letzten darf ich es Gott überlassen.
-> Christus zeigt sich im Antlitz einer jeden Gottesdienstgemeinde, im Antlitz der Brüder und Schwestern, zeigt sich gerade im Antlitz der Menschen am Rande, der Ausgegrenzten, der Verschämten, der Kranken, der Notleidenden. „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40).
„Alles vermag ich durch den, der mir Kraft gibt“ – der Lebenskomfort des Paulus und vielleicht auch unserer. (Regina Mettlach)

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