Redaktion der pilger

Mittwoch, 13. Januar 2021

Selbstbewusst mit klarem Profil

Gabriele Kemper weiß, was sie will – auch als Vorsitzende der Diözesanversammlung. (Foto: Van Schie)

Gabriele Kemper möchte als Vorsitzende der Diözesanversammlung hinhören, ausgleichen und gestalten

Sie ist eine Frau der eher leisen Töne. Doch sie weiß, was sie will und vertritt selbstbewusst ihre Haltungen überall dort, wo sie sich engagiert. Dabei ist ihr jedoch eines wichtig: die Sache und nicht ihre Person in den Mittelpunkt zu stellen. 

Diesen Stil möchte Gabriele Kemper auch als Vorsitzende der Diözsanversammlung beibehalten. Ende vergangenen Jahres sprach die überwiegende Mehrheit der rund 120 Mitglieder des neu geschaffenen Gremiums der 61-Jährigen das Vertrauen aus.

Ganz wie es ihre Art ist, hat sich Gabriele Kemper nicht aktiv um dieses Amt bemüht, sondern wurde von ihren Kollegen des Katholikenrats, dem sie seit 2016 angehört, gefragt, ob sie kandidieren möchte. „Das hatte mich schon überrascht“, gibt die verheiratete Mutter von zwei Töchtern zu. Hilfestellung bei der Entscheidung suchte sie unter anderem im Gebet. „Ich habe mich in einem Prozess spirituell damit auseinandergesetzt“, so Kemper, die auch eine Ausbildung zur Geistlichen Begleiterin durchlaufen hat. Respekt habe sie vor der neuen Funktion, aber sie traue sie sich auch zu. „Denn ich bin kirchlich gut vernetzt und kann in vielerlei Hinsicht auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen.“

Aufgewachsen in Niederkirchen bei Deidesheim, wurde Gabriele Kemper in ihrem liberalen Elternhaus schon früh der Glaube als eigener Wert vermittelt. „Er konnte sich frei entwickeln, da meine evangelische Mutter und mein katholischer Vater mich selbst entscheiden ließen, ob ich etwa in die Kirche gehen wollte oder nicht. Es herrschte keinerlei Druck.“ An den Gottesdiensten teilzunehmen, sei ihr jedoch ein Bedürfnis gewesen.
Nach ihrer Heirat zog Gabriele Kemper mit ihrem Ehemann nach Speyer. Dort besuchte sie ebenfalls regelmäßig die Messfeiern und später mit ihrer ersten Tochter die Krabbelgruppe im Ägidienhaus. „Schließlich wurde ich gefragt, ob ich für den Pfarrgemeinderat kandidieren möchte.“ Die junge Mutter willigte ein und gehörte diesem Gremium von 1994 bis zum Umzug der Familie nach Rülzheim im Jahr 1996 an.  
In der Südpfalz engagierte sich die gelernte Industriekauffrau und Wirtschaftsfachwirtin mit Schwerpunkt Personal als Kommunion- und Firmkatechetin. Von 2009 bis 2012 gehörte sie dem Pfarrgemeinderat Rülzheim und danach der
Pfarreiengemeinschaft Rülzheim mit Kuhardt, Leimersheim und Hördt an. 2016 wurde sie in den Pfarreirat der neu geschaffenen Pfarrei Heiliger Theodard und zu dessen Vorsitzender gewählt.

Gabriele Kemper steht voll und ganz hinter der Strukturreform „Gemeindepastoral 2015“ des Bistums. „Ich glaube, dass wir aufgrund immer geringer werdender personeller Ressourcen und der rückläufigen Zahl an Gläubigen die Kirche mit vielen kleinen Pfarreien nicht aufrecht erhalten können.“ Klar sei, dass die Laien gebraucht werden und sie so die Möglichkeit erhalten, weit mehr Verantwortung zu übernehmen – eine Chance und Herausforderung zugleich. Dies bedeute aber auch, dass ihnen der entsprechende Respekt entgegen gebracht werden müsse. „Das setzt eine Begegnung auf Augenhöhe zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen voraus.“
Gabriele Kemper sieht es als wichtige Aufgabe an, dieses Ziel zu erreichen. Sowohl als Pfarreiratsvorsitzende als auch als Vorsitzende der Diözesanversammlung möchte sie dazu ihren Beitrag leisten, etwa durch die Schaffung entsprechender Strukturen. Das Leitungsmodell der Pfarrei Heilig Kreuz in Homburg ist für sie ein Schritt in die richtige Richtung.
Sich zu engagieren, bedeutet für die Wahl-Rülzheimerin, einer Sache oder einem Gremium wie der Diözesanversammlung zu dienen. Wichtig bei der Arbeit im Team sei zu schauen, wo die Kollegen stehen. Das bedeute, hinzuhören, auszugleichen, aber auch eigene Akzente zu setzen – Vorgehensweisen, die sie auch in ihrer Eigenschaft als freiberuflicher Coach mit Schwerpunkt Karriere- bzw. Berufsberatung kennt. Jeder müsse mit seinen Positionen gehört werden und sich wiederfinden können. „Am Ende wird dann eine Entscheidung getroffen – und zwar unter Einbeziehung der Haltungen der einzelnen Mitglieder des Gremiums.“
Insgesamt sei es notwendig zu schauen, wie es gelingt, wichtige Themen vom Vorstand in den Hauptausschuss und umgekehrt zu transportieren. Etwa der Bereich Finanzen des Bistums, aber auch das Ehrenamtspapier, das Eckpunkte für das kirchliche Ehrenamt benennt und bei der Diözesanversammlung am 30. Januar vorgestellt werden soll. Ein weiteres Anliegen von Gabriele Kemper, die auch dem Beraterstab „Missbrauch und Prävention“ des Bistums angehört, ist das Thema Präventionskonzepte in den Pfarreien. Froh ist sie, dass sie als Ehrenamtliche unabhängig agieren kann. „Das schafft Freiräume.“
Auf Freiräume achtet sie auch im Hinblick auf ihr Privatleben. „Ich lese gerne und zwar jeden Tag – vor allem historische, aber ebenso sonstige Romane zur Entspannung. Darüber hinaus interessiere ich mich für Biografien von Menschen sowie für Fachliteratur in den Bereichen Theologie und Psychologie.“ Informationen holt sie sich aus diversen Zeitungen. Zu den Hobbies von Gabriele Kemper gehören zudem Wanderungen im Pfälzerwald und in den Alpen sowie ausgedehnte Spaziergänge vor der Haustür. Und nicht zuletzt verbringt sie gerne Zeit mit ihrer Familie.

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