Redaktion der pilger

Dienstag, 06. April 2021

Der Papst muss sparen

Vatikan Rom Aussenansicht

Schlechte Aussichten: Erst 2023 rechnet der Vatikan damit, die Verluste durch die Pandemie aufzufangen. Deshalb setzt der Papst auf einen Sparkurs. (Foto: Vladimir Sazonov/Adobestock)

Die Corona-Pandemie zwingt Franziskus dazu, Kosten zu reduzieren

Dem Vatikan fehlen wegen Corona Einnahmen. Um Kosten zu senken, kürzt Franziskus Mitarbeitern nun die Gehälter. Das Defizit der Kurie reduziert er damit aber kaum. „Papst kürzt Kardinälen das Gehalt“ – so lautete eine Meldung von vergangener Woche. Nachdem die strukturelle Finanzkrise der Kurie durch pandemiebedingte Einnahmeausfälle deutlich verschärft ist, sahen Franziskus‘ Finanzexperten sich zu drastischen Maßnahmen veranlasst: Zehn Prozent Abschlag bei Kurienkardinälen, acht Prozent bei anderen leitenden Mitarbeitern und drei Prozent in der mittleren Führungsebene. Trotzdem dürfte dies eher eine symbolische Maßnahme sein.

Unter den gut 4000 Mitarbeitern von Kurie und Vatikanstaat machen die gut 40 Kardinäle gerade mal ein Prozent aus. Nimmt man ihr Monatsgehalt von 4500 bis 5000 Euro, spart deren Gehaltskürzung monatlich maximal 20 000 Euro, im Jahr – inklusive Weihnachtsgeld – also eine gute Viertelmillion.
Gekürzt wird zudem nur bei Klerikern und Ordensleuten. Laien, von denen viele Familie haben, kommen fast ungeschoren davon. Wie alle müssen sie nur auf eine zweijährliche automatische Höherstufung verzichten. Greifen sollen die Maßnahmen ab April zunächst für zwei Jahre.

Der Kurie fehlen rund 50 Millionen Euro 
Betroffen sind insgesamt über 4000 Personen. Betriebsbedingte Kündigungen, so hatte Franziskus mehrfach betont, müssten unter allen Bedingungen vermieden werden. 
Gleichwohl steht die Forderung des Kardinalsrats von Ende 2018 im Raum, den Personalbestand mittel- und langfristig zu reduzieren. Bisher schon wurden etliche Stellen nicht wieder besetzt, Entsendungen nicht verlängert, damit Mitarbeiter keine Pensionsansprüche sammeln. Ab 2023, so hoffen die Verantwortlichen im Wirtschaftssekretariat, ist die Pandemie so weit eingedämmt, dass sich Einnahmequellen wie Eintrittsgelder, Mieteinnahmen und Spenden der Weltkirche wieder einpendeln. Schätzungen zufolge sollen die nun verfügten Gehaltskürzungen im Vatikan rund eine Million Euro sparen. Das ist ein kleiner Happen angesichts des für 2021 berechneten Defizits der Kurie von rund 50 Millionen Euro. Woher also das fehlende Geld nehmen? Eine Möglichkeit klang im Jahresbericht der Vatikan-Justiz an. Laut Staatsanwalt Gian Piero Milano hat seine Behörde 2020 wegen diverser Finanzdelikte international Pfändungen in Höhe von rund 105 Millionen Euro beantragt. Sollte es Milano gelingen, nur die Hälfte davon einzutreiben, wäre zumindest das avisierte Defizit für 2021 aufgefangen. Roland Juchem

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