Redaktion der pilger

Freitag, 26. März 2021

Ausgerechnet auf einem Esel

Treuer Helfer des Menschen. Esel sind auch heute noch in vielen Regionen der Erde Reit- und Lasttiere. (Foto: actionpress)

Jesus setzt ein starkes Zeichen für Frieden und Liebe

Im letzten Jahr habe ich zweimal ein „inklusives Theaterwochenende“ mit Handpuppen für Menschen mit und ohne Behinderung angeboten. „Tierisch gut“ sollte das Thema sein. Das musste leider aus Corona-Gründen ausfallen. Im Vorfeld durften sich die Teilnehmer*innen ihr persönliches Lieblingstier aussuchen. Hund, Katze, Delphin, Pferd waren die Favoriten. Der Esel wurde leider nicht genommen. 

Warum eigentlich? Der Esel genießt kein großes Ansehen in vielen Teilen der Bevölkerung. Viele Menschen denken an Redewendungen wie „dumm wie ein Esel“ oder „störrisch wie ein Esel“. Der Begriff „Eselsohren“ hat sich bei uns eingeprägt, wenn Blätter in einem Buch geknickt sind. Der Esel wird oft unterschätzt und doch kann er uns auf Vieles hinweisen.  Für die Besucherinnen der Bildungs- und Freizeitstätte Heilsbach in Schönau/Pfalz war die Anschaffung von Eseln im letzten Jahr eine große Attraktion. Vorgesehene Kutschfahrten, auch für Menschen mit Behinderung, mussten leider aus verschiedenen Gründen abgesagt werden.
 
Meine eigenen Vorurteile gegenüber Eseln wurden vollständig aufgehoben, als ich vor einiger Zeit auf „Arte“ den Film „Dem Esel auf der Spur“ sah. In dieser Tier-Dokumentation wurde berichtet, dass der Esel dem Menschen schon seit Urzeiten zur Verfügung stand. Der Esel hat dem Menschen geholfen, die Welt zu erobern. Der Wildesel („Uresel“) stammt aus Ostafrika und ist fast ausgestorben. Er kann in extremen Situationen, mit wenig Wasser, selbst in der Wüste überleben. Seine hervorstehenden Augen ermöglichen ihm eine 360 Grad-Sicht, seine Ohren lassen sich um 180 Grad drehen. Der Esel ist nicht störrisch, sondern eigenständig. Sein Verhalten beruht auf Erfahrung. Er ist kein Herdentier, sondern ein Einzelgänger. Der Esel ist ein Zug- und Lastentier und kann das vierfache seines Körpergewichts ziehen. Er ist trittsicher auf jedem Gelände und hat härtere Hufen als Pferde. Im alten Mesopotamien galt der Esel als „heilig“. Kurz gesagt: Der Esel war schon immer ein treuer, geduldiger und treuer Begleiter des Menschen. 

Der Evangelist Markus greift im Evangelium das Bild des Esels auf. Jesus schickt zwei Jünger voraus, in einem Dorf vor Jerusalem einen jungen Esel zu holen. Auf diesem will er in Jerusalem einreiten. Mehr als tausend Worte sagt ein Bild oder eine Geste. Jesus reitet nicht hocherhaben auf einem prächtigen Pferd, sondern er setzt sich auf einen Esel, auf dem niemand zuvor gesessen hat. Im Ersten Testament (1 Könige 1,38-40) wird Salomon zum König gekrönt, in dem er auf Davids Maultier gesetzt, in einem Festzug in die Stadt geführt und von dem Priester Zadok gesalbt wird. In 2 Könige 9,13 wird Jehu kurz nach seiner Salbung zum König ausgerufen, wobei die Leute ihre Gewänder vor seinen Schritten auf die Treppenstufen legen. Der Prophet Sacharja schreibt  in 9,9 und 10: „Juble laut, Tochter Zion. Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft; er ist demütig und reitet auf einem Esel, auf einem Fohlen, dem Jungen einer Eselin … Er verkündet den Frieden!“

 Jesus setzt Zeichen. Seine Königsherrschaft hat nichts mit Macht, Krieg und Gewalt zu tun. Er verzichtet auf Bewaffnung. Ihm geht es nicht um politischen Umsturz, der Befreiung Israels von der Besatzungsmacht, den Römern. Ihm geht es um die Errichtung des Reich Gottes hier und jetzt. Ein Reich der Gottes-, Nächsten- und Selbstliebe.  Mit ihm fängt das Reich des Friedens an. Mit dem Gang nach Jerusalem setzt Jesus alles auf eine Karte. Er will eine endgültige Entscheidung zugunsten seiner Auffassung von der Gottesherrschaft auch bei den religiösen Führern des Volkes, den Schriftgelehrten und Hohenpriestern, erzwingen. Schon kurze Zeit später bei der Tempelaustreibung in Jerusalem zeigt sich, dass das zu Konflikten führen musste. Denn hier treffen zwei Lebenswelten aufeinander. Eine Welt der Barmherzigkeit gegen eine Welt der Gesetzlichkeiten. Eine Welt der Selbstbestimmung gegen eine Welt der Fremdbestimmung.  „Gottesherrschaft gegen Machterhalt oder eine Gotteswerdung des Herzens gegen ein Gottesbekenntnis der Lippen“ (Eugen Drewermann, Das Markus-Evangelium).

 Für welche Welt entscheiden wir uns? Lassen wir Gott in unser Leben einziehen? Sind wir bereit, Jesus einen Platz in unserem Leben zu geben? Um Antworten auf diese Fragen zu bekommen, können uns die Eigenschaften des Esels helfen. Wir dürfen und können mit Ausdauer, Stärke, Weitblick und offenen Ohren am Reich Gottes mitarbeiten! Hier und jetzt. Jede*r an seinem Platz.

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