Redaktion der pilger

Freitag, 16. April 2021

Gott hält uns

Ein Museumsbesucher betrachtet ein Bild und erfreut sich an dem Kunstwerk. Wie es entstanden ist, weiß er in der Regel nicht. (Foto: imago)

Der Schmerz geht vorüber, die Schönheit bleibt

Kennen Sie den berühmten französischen Maler Pierre Auguste Renoir? Er war ein Vertreter des Impressionismus, der mehr als 6000 Bilder malte. Wegen einer fortschreitenden Arthritis war er im Alter fast ganz gelähmt. Doch trotz seiner Krankheit malte er im Rollstuhl sitzend weiter, der Pinsel wurde an seinem Handgelenk festgebunden. Einmal beobachtete ein Bekannter, dass er bei jedem Pinselstrich mit riesigen Schmerzen kämpfte. Er fragte ihn: „Warum malst du immer wieder, obwohl es dir so große Schmerzen verursacht?“ Renoir antwortete: „Der Schmerz geht vorüber, die Schönheit bleibt.“

Der Schmerz in seiner Hand war der Grund für seine besondere Pinselführung. Renoir stellte sich immer das fertige Bild vor und konzentrierte sich deshalb nicht auf seine Beschwerden, diese waren für ihn nur eine Begleiterscheinung. Vielleicht sind die Bilder gerade wegen seiner Schmerzen so schön und kostbar geworden? Der Betrachter schaut das Kunstwerk an und denkt tatsächlich nicht an das Leiden des Malers.

Auch die Osterbotschaft könnte man mit ähnlichen Worten zusammenfassen. Die Schönheit des Lebens bleibt, der Schmerz wird vergessen. Jesus malte nicht mit einem Pinsel, sondern mit Worten und Taten. Die Schönheit seines Lebens bleibt, seinen Schmerz, seine Kreuzigung vergisst man. Als die Apostel den auferstandenen Jesus sahen, glaubten sie nicht, dass das wirklich Jesus sei. Sie meinten, es sei nur eine Illusion. Jesus musste sie daher auffordern, ihn zu berühren. Er sagt: ,,Seht meine Hände und Füße an, ich bin es selbst. Fasst mich doch an und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es an mir seht!“ Erst jetzt erkannten die Apostel, dass Jesus wirklich vor ihnen stand.
Die Jünger haben länger gebraucht, um zu begreifen, warum Jesus leiden musste. Das Leben erteilt uns viele Lektionen: Wir leben mit Enttäuschungen, Misserfolgen, Krankheiten und vielem mehr. Über die Auferstehung nachzudenken, bedeutet, sein Leben mit anderen Augen anzuschauen. Alles, was wir erleben, dient unserer Reifung. „Musste nicht der Christus das erleiden und so in seine Herrlichkeit gelangen?“ (Lk 24,26), heißt es einige Verse vor dem vorliegenden Evangelium. Auch uns verändern Leid und Prüfungen. Das merken wir im Moment in besonderer Art und Weise. 

Es ist notwendig, einen Sinn zu entdecken, dort wo alles sinnlos erscheint. Die Botschaft des Evangeliums bedeutet, auf die Verwandlung Jesu zu schauen, nicht nur auf seine Hände und Füße. Wir wollen Jesus, dem Auferstandenen, danken, dass er in unsere Wunden kommt und uns heilt und so unserem Leben Sinn gibt. Wenn er in uns lebt, können wir alle Schwierigkeiten überwinden. Zweifel, wie sie Jünger hatten, gehören deshalb dazu.

Wer tot ist, der ist verloren. Das ist die Erfahrung, die wir Menschen immer wieder machen, wenn wir vor einem Grab stehen. An der Grenze des Todes gibt es kein Zurück mehr, da verschwindet die Hoffnung, da wird es dunkel. Bis Karfreitag. Da aber überschritt einer diese Grenze, der da nicht hingehörte: Jesus Christus. Ihn brachte Gott ins Leben zurück. Zum allerersten Mal passierte das, was zuvor unmöglich erschien: Gott durchbrach die Grenze des Todes. 

Der Tod ist kein Bereich, der Gottes Macht entzogen ist. Auch im Tod gibt es noch Hoffnung. Das bedeutet die Auferstehung Jesu! Der Tod als endgültige Macht hat ausgespielt. Der Tod ist nicht mehr der Ort der absoluten Hoffnungslosigkeit. Er ist immer noch schrecklich und der Feind des Lebens. Aber: Der Tod wurde so zu einem Ort, an dem noch Hoffnung ist, weil wir gewiss sein können: Auch im Tod sind wir in Gottes Hand. Und Gott lässt uns nicht los. Im Leben nicht und im Sterben auch nicht.

Vielleicht waren die Jünger Jesu auch deshalb so verwirrt, als sie Jesus erkannten: Sie ahnten, was Jesu Auferstehung bedeutet – für ihr Leben und für ihr Sterben. Den Ort der absoluten Gottesferne gab es plötzlich nicht mehr. Das mussten sie ja auch erst einmal verstehen. Von nun an wussten sie sich von Gottes Gegenwart umfangen: Gott ist mit uns.
Und das verändert. Aus der verängstigten Schar von Karfreitag wurden Frauen und Männer, die offen von Jesus erzählten und es weitersagten, dass die Auferstehung Jesu „Hoffnung“ bedeutet. 

Immer dann, wenn es dunkel wird, weiß ich: Es gibt ihn, den Gott, der mit mir geht – durch dick und dünn. Ich habe Hoffnung, dass er mir aufhilft, wo ich im Leben scheitere oder hinfalle. Gott verlässt mich auch im Sterben nicht. Er lässt meine Hand nicht los: Er bleibt da. Er bringt mich, so wie Jesus, zu einem neuen Leben. Das ist sie, die Hoffnung, die Ostern ausmacht. Und die Worte des Malers Pierre Auguste Renoirs nehmen wie seine Bilder Gestalt an: „Der Schmerz geht vorüber, die Schönheit (des Lebens) bleibt.“
(Luise Gruender)

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