Redaktion der pilger

Freitag, 16. April 2021

Es besteht Handlungsbedarf

Heinrich Wullhorst zeigte den Teilnehmern ein ganzes Bündel an Maßnahmen auf, um die Verbände aus der Krise zu führen (Foto: Privat)

Der Journalist Heinrich Wullhorst referierte über die Zukunftsfähigkeit der Verbände

Sind die katholischen Verbände noch aktuell? Und was müssen sie tun, um den vielfältigen Herausforderungen zu begegnen und eine Zukunft zu haben? Diesen Fragen ging der Journalist Heinrich Wullhorst auf Einladung des Kolping-Diözesanverbandes Speyer am 9. April in einem Online-Vortag unter dem Titel „Verbände in der Krise?“ nach.

Mit dem Thema ist er bestens vertraut. Seit fast 30 Jahren Mitglied im Kolpingwerk, davon neun Jahre Pressesprecher des Kolpingwerkes Deutschland und Kenner der Basisarbeit, hat er sich 2017 in seinem Buch „Leuchtturm oder Kerzenstummel“ mit der Zukunftsfähigkeit der katholischen Verbände in Deutschland befasst. Anlass dazu habe ihm der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck mit einer Äußerung gegeben, die den Verbänden abspricht, noch in die heutige Kultur zu passen. „Das hat mich aufgeregt, ich wollte wissen, ob er Recht hat. Meine Antwort ist nein. Die Verbände wird es weiterhin geben. Allerdings besteht großer Handlungsbedarf, und dazu müssen wir uns darauf besinnen, wo wir herkommen“, eröffnete Heinrich Wullhorst seinen Vortrag und lud zu einer Reise in die Geschichte der katholischen Verbände ein. 

Der Rückblick zeigte, dass Laien einiges einstecken mussten, bevor sich starke Verbände gründen und zu einem Anker in der Zivilgesellschaft werden konnten. „Durch die Vorkommnisse in den 2000er Jahren werden sie erschüttert“, so der Referent und verwies etwa auf den Limburger Badewannenskandal, den Missbrauch im Schutz der Kirche und der Umgang damit, sowie den Klerikalismus als Grundproblem. Die aktuellen Herausforderungen seien groß: Rückzug des katholischen Lebens, Bedeutungsverlust von Kirche, Mitgliederschwund, Glaubwürdigkeitsproblem. Obendrein ließen die neuen XXL-Pfarreien kaum noch Raum für Seelsorge. Dazu komme die Corona-Pandemie, die alles auf den Kopf stelle, persönliche Begegnungen und damit die Teilhabe massiv erschwere. „Denn Treffen an der Theke gehören zur Hygiene eines Verbandes dazu.“ 

Was ist zu tun, um die Herausforderungen zu meistern? 
„Wir brauchen offene Türen und neue Veranstaltungsformate, die neue Leute erreichen. Schulungen sind nötig, damit alle, die es wollen, mit der Digitalisierung Schritt halten können. Die Bildungsarbeit muss andere Wege gehen.“ Außerdem sei es wichtig, dass die Verbände ihr Profil schärfen, damit ihre Ausrichtung erkennbar ist. „Früher war klar, die Kolpings sind Handwerker.“ Mittlerweile sei das Angebot verwässert. „Es macht keinen Sinn, vor lauter Vielfalt nicht mehr laufen zu können. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir ein Sozialverein sind und müssen daher beim gesellschaftspolitischen Engagement Akzente setzen.“ Das Überleben der Verbände sei auch eine lokale Herausforderung. Das bedeute, zu den Menschen raus zu gehen, um zu sehen, was sie beschäftigt. „Wir müssen unbequem sein, um wahrgenommen zu werden. Es reicht nicht, Kaffee für Senioren und Faschingsfeiern zu veranstalten.“ Außerdem sollte die Medienvielfalt genutzt werden. „Denn Klappern gehört zum Handwerk“, forderte Heinrich Wullhorst, ganz Mann der klaren Worte, auf und beschloss seinen Vortrag mit dem Fazit: „Die Verbände bleiben auch in der Krise lebensfähig, immerhin engagiert sich in ihnen eine Million Menschen, davon 200 000 im Kolpingwerk.“

Danach gab Christian Lee vom Kolpingwerk Diözesanverband Speyer, der die Veranstaltung moderierte, grünes Licht für die Fragen- und Diskussionsrunde. Das nutzten viele der insgesamt 45 Teilnehmer, die von Regensburg bis zum Teutoburger Wald zugeschaltet waren. Dabei wurde deutlich, dass sich so manch einer schwer tut, den Mittelweg zwischen kritischer Distanz zur Kirche und gleichzeitigem Engagement in ihr zu finden. „Wir sind Teil der Kirche, aber keine schweigenden Lämmer. Andererseits sollte man nicht alles verteufeln“, antwortete Wullhorst. 

Ein Teilnehmer prangerte die Beamtenmentalität manches Pfarrers an, die Neuerungen im Wege stehe, ein anderer beklagte, dass vielerorts aufgrund geschlossener Kirchen der Ort für ein Treffen fehle. Einige äußerten, sich von der Kirche abgehängt zu fühlen. Große Themen waren auch die Überalterung der Verbände, die mittlerweile fehlende Sozialisation von klein auf in der Kolpingfamilie sowie die mangelnde Identifikation mit dem Verband. „Es ist wichtig, Zielgruppen gerechte Angebote zu machen und die Inhalte unseres Verbands nach vorne zu bringen, um ein Alleinstellungsmerkmal zu behalten“, gab Wullhorst abschließend mit auf den Weg. (friju) 

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