Redaktion der pilger

Mittwoch, 30. Juni 2021

Wer ein großes Feuer in sich trägt

Als junger Priester hat sich Paul Josef Nardini in Pirmasens um die Armen gekümmert. Das zeigt eine Szene der Ausstellung. (Foto: Kraus)

Pfarrei Germersheim feiert den 200. Geburtstag ihres Namenspatrons Paul Josef Nardini

Vor 200 Jahren wurde der 2006 selig gesprochene Paul Josef Nardini in Germersheim geboren. Ursprünglich hatte die Pfarrei ein rauschendes Geburtstagsfest geplant. Aufgrund der Pandemie gibt es stattdessen eine Schaufensterausstellung, eine Online-Andacht und einen Festgottesdienst. Nächstes Jahr geht es dann weiter mit Veranstaltungen.

„Wer ein großes Feuer in sich trägt, kann die Welt erwärmen.“ Das steht neben einem Bild von Paul Josef Nardini auf den fünf großen farbenfrohen Bannern, die an markanten Punkten in Germersheim aufgestellt sind. Selbst bei Regen leuchten sie noch. Immer wieder bleiben Menschen neugierig davor stehen und werden an das berühmte Kind ihrer Stadt erinnert.

Doch wie viel wissen die Menschen heute noch über das Leben von Nardini, der am 25. Juli 1821 als uneheliches Kind geboren wurde und in einer Pflegefamilie aufwuchs? Eine Nardinistatue auf dem gleichnamigen Platz erinnert an ihn, ebenso der Name einer Schule. Doch wie hat er gelebt?

Der Nardini-Arbeitskreis der Pfarrei Seliger Paul Josef Nardini hat eine Ausstellung vorbereitet, die zunächst vom 29. Juni bis 24. August in dem Schaufenster des ehemaligen Schuhaus Kohler in der Ludwigstraße gezeigt wird. In liebevoller Kleinarbeit haben die Frauen und Männer sechs Stationen aus Nardinis Leben mit Egli-Figuren nachgestellt, beginnend mit der Taufe des kleinen Paul Josef. 

Die nächste Szene zeigt ihn als Jungen, der in einer Schuhmacherfamilie aufwächst und in die Fußstapfen seines Ziehvaters treten soll. Doch der junge Nardini ist sehr begabt und darf Priester werden. Die nächste Szene zeigt ihn bei der Priesterweihe im Speyerer Dom. 

Inmitten von armen Menschen, mit einem Kind auf dem Arm, ist er in der Szene zu sehen, die seine Zeit als junger Priester in Primasens darstellt. „Dort hat er fast nur Armut kennengelernt und sich mit aller Kraft für die Ärmsten der Armen eingesetzt“, erzählt Rita Rösch, Sozialreferentin der Pfarrei Germersheim. Er wollte Hunger und Not lindern und den Kindern Zugang zu Bildung verschaffen.

„Alleine konnte er das nicht, deshalb hat er sich zwei Ordensschwestern aus Niederbronn zur Hilfe geholt“, erzählt Rösch weiter und erklärt damit nächste Szene der Ausstellung, die einen Priester mit zwei Ordensschwestern zeigt. Später hat er dann die Ordensgemeinschaft der Mallersdorfer Schwestern gegründet. Nardini hat sich für die Armen aufgeopfert und ist am 27. Januar 1862 mit nur 40 Jahren gestorben. Die letzte traurige Szene zeigt ihn auf dem Sterbebett.

Wie viel Arbeit in diesen Szenen steckt, lässt sich nur erahnen. Die Figuren sind alle selbst gemacht und bekleidet. Allein für das Habit einer Ordensfrau-Figur hat Maria Deck vom Arbeitskreis Nardini, eine versierte Hobbyschneiderin, gut vier Stunden benötigt.

Neben den Szenen aus Nardinis Leben hat die Ausstellung noch zwei weitere Stationen. In einer wird erklärt, wie die Pfarrei Seliger Paul Josef Nardini zu ihrem Namen kam. In der zweiten sind Statements unter anderem von Vertretern aus Politik, Wirtschaft, sozialen Einrichtungen und Schulen zu sehen, in denen sie erklären, warum Nardini auch heute noch ein Vorbild sein kann.

Ab dem 24. August wird die Ausstellung in Lingenfeld in der Schulstraße im Schaufenster des alten Ladengeschäfts der Bäckerei Abele gezeigt. Auch in Westheim, Sondernheim und Schwegenheim sollen die Szenen noch gezeigt werden. Der Arbeitskreis sucht im Moment noch nach geeigneten Schaufenstern. Sechs Meter ist die Ausstellung breit, doch die Szenen ließen sich auch auf weniger Platz arrangieren. „Wir hatten es uns nicht so schwer vorgestellt, Räume zu finden“, sagt Maria Deck. Auch die großen Banner werden noch in den anderen Gemeinden der Pfarrei zu sehen sein. 

Den 200. Geburtstag von Paul Josef Nardini feiert die Pfarrei am 25. Juli um 10.30 Uhr in der St. Jakobuskirche mit einem Festgottesdienst. Ab dem 25. Juli wird auf der Homepage der Pfarrei eine Online-Andacht abrufbar sein, die noch einmal einen schönen Überblick über das Leben und Wirken des „Vaters der Armen“ zeigt. Dort kommt Nardini selbst in unsere Zeit – gespielt von einem Mitglied des Arbeitskreises Nardini. Er betrachtet die Szenen und wundert sich, warum die Leute heute noch an ihn denken und warum man eine Statue von ihm erhöht auf einem Platz in der Stadt aufgestellt hat „Das ist richtig gut geworden, man freut sich selbst, wenn man das sieht“, sagt Eva-Maria Denig vom Arbeitskreis.

2022 sollen dann die anderen Veranstaltugen nachgeholt werden, die für diesen Sommer geplant waren: ein Nardini-Walk durch Germersheim, ein Musical und eine Talkrunde im Klosterhof, in der es um die heute immer noch brandaktuelle Botschaft Nardinis geht. Denn mit dem Feuer, das er in sich getragen hat, hat er die Welt ein Stück erwärmt. (Dr. Christine Kraus)

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