Redaktion der pilger

Mittwoch, 07. Juli 2021

Tacheles zu Altersvorsorge geredet

Allianz-Sprecher Dr. Rudolf Walter (links) mit den beiden Experten Günter Spies (Mitte) und Markus Meyer. (Foto: Jung, Foto Startseite: Alexander Raths@Adobestock.com )

Die „Allianz gegen Altersarmut“ hat sich in einem Workshop mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie beschäftigt

Nach längerer Pause veranstaltete die „Allianz gegen Altersarmut“ am 1. Juli einen Workshop. Er fand im Edith-Stein-Haus Kaiserslautern statt, zugleich waren Interessierte online zugeschaltet. Mit Markus Meyer, Dozent für Sozialrecht, und dem ehemaligen Versichertenberater der Deutschen Rentenversicherung, Günter Spies, wurden zwei Experten dafür gewonnen.

„Die Politik hat die Altersvorsorge an die Wand gefahren“, redete Allianz-Sprecher Hans Mathieu in seiner Einführung Tacheles. „Das Armutsrisiko von Menschen ab 65 Jahren liegt deutschlandweit über 18 Prozent, Tendenz steigend. Vier von zehn der sogenannten Babyboomern werden eine Rente bekommen, von der sie nicht leben können, da die Reformen der vergangenen Jahre die gesetzliche Rente immer stärker reduziert haben.“ Eine Entwicklung, die sich erübrige, hätte die Politik den Mut, begangene Fehler zu korrigieren und das Rentenniveau wieder anzuheben. Die Corona-Pandemie verschärfe die Probleme in der Gesellschaft und mache sie auch bei der Altersarmut sichtbar, so Mathieu.

Von den Konsequenzen der Corona-Krise seien bestimmte gesellschaftliche Gruppen besonders stark betroffen, zeigte Markus Meyer auf und verwies auf Eltern, die neben der Arbeit im Homeoffice auch die Kinderbetreuung während Schul- und Kitaschließungen zu leisten hatten.

Darüber hinaus seien drei Prozent der Personen mit niedrigen Einkommen im Verlauf der ersten Pandemiephase von Ende März bis Anfang Juli 2020 arbeitslos geworden. Insbesondere in Bereichen mit hohem Frauenanteil wie Gastgewerbe, Kunst, Unterhaltung, Erholung und der Dienstleistungssektor.“ Gleichzeitig kritisierte der Referent die schlecht bezahlte Arbeit in systemrelevanten Berufen (Alten- und Krankenpflege, Supermarkt, Logistikbereich), die ebenfalls zu 60 Prozent von Frauen geleistet würden. „Wir müssen uns dringend überlegen, was uns diese Arbeit wert ist, zumal in vielen dieser Berufe aufgrund der hohen Zahl an Kontakten das Ansteckungsrisiko deutlich erhöht ist.“ Weitere Folgen der Covid 19-Krise seien Vereinsamung mangels sozialer Kontakte, Belastung durch neue Arbeitsorganisation, veränderte Kommunikations- und Kooperationsmöglichkeiten, Existenznöte, eingeschränkter Zugang zu Behörden und die Zunahme von Rassismus und Diskriminierung.
„Es ist wichtig, die Erfahrungen aus der Pandemie jetzt für dringend anstehende Reformen zu nutzen, um eine grundsätzliche Verbesserung der Lebensumstände zu erreichen“, apellierte Markus Meyer mit Blick auf die Zukunft.

Dem schloss sich Günter Spies an. „Denn Corona hat die Gesellschaft noch mehr gespalten, und eine solche Gesellschaft hat keine Zukunft.“ Die Rentenerhöhung im Juni 2020 sei richtig gewesen und habe sich problemlos aus den Rücklagen finanzieren lassen. In diesem Jahr müssten die 21 Millionen Rentner allerdings auf eine Erhöhung verzichten. „Die Politik benutzt die Corona-Krise als Alibi für Kürzungen. Damit sollen die Arbeitgeber vor höheren Abgaben bewahrt werden, und die Bürger durch einen Umstieg auf private Altersvorsorge den Versicherungen Geld in die Kasse spülen.“ Mit der Forderung nach Rente erst mit 68 oder gar 70 solle der Bevölkerung suggeriert werden, die gesetzliche Rente schaffe es sonst nicht mehr. „Das ist Propaganda gegen die gesetzliche Rente.“

Eine Lösung liege in der Anhebung der Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung. Nach Berechnungen von unabhängigen Rentenexperten würde eine Anhebung auf 24 Prozent für Durchschnittsverdiener umgerechnet etwa 250 Euro an Rente pro Monat mehr bedeuten – und viele vor der Altersarmut bewahren. „Aber darum drücken sich die Parteien. Stattdessen schröpft der Staat die Rentenkasse weiter, indem er sie als Selbstbedienungsladen benutzt. Die entnommenen Beträge zahlt er nur teilweise zurück und bezeichnet sie obendrein noch als Zuschuss. Das ist Betrug“, fand Günter Spies deutliche Worte. (Friederike Jung)
 

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