Redaktion der pilger

Mittwoch, 25. August 2021

Die Hilfe muss weitergehen

Auf der Flucht vor den Taliban: Viele Menschen fürchten sich vor einem neuen Schreckens­regime und wollen Afghanistan verlassen. Frauen trauen sich nur noch verschleiert auf die Straße. (Foto: picture alliance/ASSOCIATED PRESS)

Hilfsorganisationen wollen ihre Unterstützung für Afghanistan aufrechterhalten – doch das ist nicht leicht

Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan brauchen die Menschen dort dringend Nothilfe –  für die Hilfsorganisationen ist die Lage aber unübersichtlich. Es geht nun vor allem darum, den Vertriebenen schnell zu helfen, sagt Stefan Recker, Leiter des Caritas-International-Büros in Kabul.

Stefan Recker möchte so schnell wie möglich nach Afghanistan zurück, sagt er. Recker leitet das Büro von Caritas International in Kabul, seit 26 Jahren arbeitet und lebt er in dem Land. Doch nach der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban haben viele internationale Hilfsorganisationen ihre Mitarbeiter vorerst aus Afghanistan abgezogen, weil die Sicherheitslage so unklar ist. Auch Recker wurde vergangenen Mittwoch mit einer Maschine der Bundeswehr evakuiert. Seitdem hält er per Skype mit seinen afghanischen Teammitgliedern Kontakt. „Sie haben Angst“, sagt er, „ich mache mir große Sorgen um sie“.

Wie die Bedrohungslage für humanitäre Helfer in Afghanistan aktuell ist, kann Recker nicht einschätzen. „Die Taliban haben gesagt, dass es keine Racheaktionen geben wird – aber man weiß nicht, wie verlässlich das ist“, sagt er.

Caritas International hat seine Projekte in dem Land bis Ende des Monats ausgesetzt, damit die Partner vor Ort die Lage bewerten können. Klar aber ist: Die Hilfe muss weitergehen. Denn die humanitäre Lage verschlechtert sich täglich. Schon vor dem Abzug der internationalen Truppen hatten Millionen Menschen wegen einer anhaltenden Dürre und einer Wirtschaftskrise zu wenig zu essen.

„Unser Hauptproblem ist Geld“
Caritas International arbeitet mit lokalen Partnern zusammen und verteilt Hilfsgüter – doch aktuell sei das wegen der chaotischen Zustände nicht möglich, sagt Recker: „Unser Hauptproblem ist Geld.“ Das Bankensystem ist zusammengebrochen, viele Banken bleiben aus Angst vor Plünderungen geschlossen, die Zentralbank leitet kein Geld an sie weiter. Recker will dringend den rund vier Millionen Binnenvertriebenen helfen, die innerhalb des Landes auf der Flucht vor den Taliban sind. Sie schlafen in Parks, die zu Flüchtlingslagern geworden sind. „Aber wenn wir kein Geld kriegen, können wir auch keine Hilfsgüter kaufen“, sagt Recker.

Wie die Arbeit der Nothilfeorganisationen in Afghanistan langfristig weitergehen kann, weiß aktuell niemand. Zwar haben die Taliban signalisiert, dass sie die Arbeit der Hilfswerke begrüßen würden. „Aber wir wissen zum Beispiel nicht, was die Taliban dazu sagen werden, wenn Frauen allein durch die Straßen laufen“, sagt Recker. „Wir wollen, dass unsere weiblichen Mitarbeiterinnen weiterarbeiten können – das wird schwierige Verhandlungen geben.“

Dass Deutschland die finanzielle Entwicklungshilfe für Afghanistan nun ausgesetzt hat, findet Recker ein deutliches Zeichen. In den vergangenen 20 Jahren hatte das Bundesentwicklungsministerium der af­ghanischen Regierung rund 3,5 Milliarden Euro an Hilfen bereitgestellt. „Ich fand es schon vorher nicht sinnvoll, der Regierung eines der korruptesten Länder der Welt so viel Geld fast ohne Bedingungen zur Verfügung zu stellen“, sagt Recker. Die Finanzierung für die humanitäre Nothilfe hingegen müsse weiter gesichert werden. Im Gegensatz zur Entwicklungshilfe, die an Regierungen gezahlt wird, damit diese etwa Straßen und Schulen bauen können, geht es bei der humanitären Hilfe darum, akute Not zu lindern – zum Beispiel in Form von Essenspaketen oder Hygienemitteln. Dieses Geld ginge nicht an die Taliban, sondern komme bei der notleidenden Bevölkerung an, versichert Recker.(Sandra Röseler)

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