Redaktion der pilger

Mittwoch, 15. September 2021

Von Geld und Gott

Marija Kolak ist Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken. Für Ehrenämter in der Kirche nimmt sie sich trotzdem Zeit. (Foto: BVR/Hoffotografen)

Die Bankerin Marija Kolak hat seit einem Jahr ein neues Ehrenamt: Sie ist Beraterin im Vatikan

Marija Kolak ist eine sehr erfolgreiche Bankerin. Vom Geld bestimmen lassen will sie sich trotzdem nicht. Dafür ist ihr der Glaube zu wichtig. Und die Warnung Jesu vom Kamel und dem Nadelöhr.

Gespräche über Persönliches und den Glauben sind für Marija Kolak ein eher ungewohntes Terrain. „Das spielt in meinem Berufsalltag eigentlich keine Rolle, da geht es fast immer um Amt und Aufgabe“, sagt sie. Von den Medien wird die Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) meist zu finanzpolitischen Themen angefragt. Und doch offenbart sich im Interview mit dieser Zeitung bald, wie tief die Katholikin, in deren Terminkalender neuerdings auch mal Treffen mit der Bundeskanzlerin oder dem Bundespräsidenten stehen, im christlichen Glauben verwurzelt ist.

Auf die Frage, wie sie ihren herausfordernden Berufsalltag und ihr soziales Engagement unter einen Hut bekommt, antwortet die Berlinerin ohne jedes Zögern. „Es gibt zwei stabile Anker in meinem Leben, den Glauben und meine Familie. Das ist die Quelle meiner Ressourcen.“

In der Gemeinde spielt sie Orgel, und sie war lange im Gemeinderat
Seit 2018 ist Kolak Präsidentin des BVR. Der Verband vertritt die Interessen von 814 eigenständigen Genossenschaftsbanken, darunter auch einige Kirchenbanken. 2020 wurde die Betriebswirtin von Papst Franziskus in den Vatikanischen Wirtschaftsrat berufen. Zudem war und ist sie ehrenamtlich in der Kirche aktiv, einige Jahre sogar als Gemeinderatsvorsitzende. Bei Gottesdiensten spielt die Finanzexpertin immer wieder einmal die Orgel. An dem Instrument ausgebildet wurde sie von einer Franziskanerin.

Geboren wurde Marija Kolak im kroatischen Đakovo. Obwohl sie mit ihren Eltern schon früh nach Deutschland übersiedelte, prägen sie die Wurzeln ihrer Heimat, in der fast 90 Prozent der Bevölkerung katholisch sind, bis heute. „Ich bin im christlichen Geist erzogen worden. Das liegt mir quasi in den Genen.“ Schon seit Kindesbeinen ist es für sie eine Selbstverständlichkeit, sonntags in die Messe zu gehen. „Im Gottesdienst komme ich zur Ruhe, dort kann ich Kraft schöpfen“, sagt Kolak.

Die BVR-Präsidentin ist verheiratet. Mit ihrem Mann hat sie drei inzwischen erwachsene Töchter, die allesamt eine katholische Schule besucht haben. Am Abend lässt die Diplom-Kauffrau im Gebet gerne den Tag noch einmal chronologisch Revue passieren. Damit möchte sie in „unseren manchmal lauten und von großen Überschriften geprägten Zeiten“ ihren Blick für die kleinen und schönen Dinge schärfen. Die Natur, einen Blumenstrauß, die Menschen.

Auch als Bankerin will sie sich „nicht auf das Materielle fokussieren“
Und so ist es auch wenig verwunderlich, dass die Berlinerin als Antwort auf die Frage nach dem Kern ihrer Spiritualität sofort beim Doppelgebot der Liebe ist. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Das ist der Kern. Allen Menschen mit Respekt zu begegnen, egal welche Herkunft oder welchen gesellschaftlichen Status sie haben.“

Auch das Gleichnis, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr kommt als ein Reicher in das Reich Gottes, legt die Bankerin mühelos aus. Sie versteht die Aussage Jesu „als Empfehlung für den Alltag und unser Wirken, sich nicht allein auf das Materielle zu fokussieren, sondern darauf, worauf es wirklich ankommt“. Eben die Nächstenliebe. „An den Menschen rechts und links nicht vorbeigehen, sondern bewusst hinschauen und immer mal wieder darüber nachdenken, wie kann ich jemanden unterstützen.“

Mit diesem christlichen Ethos ist auch ihre Aufgabe beim BVR gut vereinbar. Ziel der Volks- und Raiffeisenbanken ist es, anders als bei anderen Banken, nicht, den eigenen Gewinn zu maximieren, sondern den Nutzen ihrer Mitglieder zu mehren. Die Geldinstitute wurden als Selbsthilfeorganisation und Darlehenskassen von und für Gewerbetreibende gegründet, die Schwierigkeiten hatten, sich allein Kredite zu besorgen. Genossenschaftsbanken möchten Menschen befähigen, sich selbst zu versorgen und ein würdiges Leben zu führen. „Was einer allein nicht schafft, schafft die Gemeinschaft. Dieses Wertefundament prägt uns bis heute“, sagt Marija Kolak. Die Genossenschaftsidee sei nicht ohne Grund Teil des Unesco-Kulturerbes, ist sie überzeugt.

Marija Kolak ist die erste Frau, die vom BVR zur Präsidentin berufen wurde. Im Handelsblatt war damals zu lesen, dass einigen im Verbund diese Entscheidung zu viel Wandel war. „Als Vorbehalt würde ich das nicht bezeichnen. Das war eher Neugier. Wer ist die Frau Kolak, wie wird sie unsere Interessen vertreten?“, sagt sie diplomatisch.

Die gebürtige Kroatin, die mit ihren Ämtern im Vatikan und im Bankengewerbe in gleich zwei Männerdomänen in Spitzenpositionen agiert, setzt gerne auf Dialog und Diversität. „Es könnte sich schon etwas mehr Vielfalt zeigen. Aber ich bin zuversichtlich, dass sich das in den nächsten Jahren stetig gut weiterentwickeln wird.“

Sie selbst empfindet Teams, in denen Menschen aus unterschiedlichen Bereichen, Geschlechtern und Kulturen zusammenkommen, als Bereicherung: „Das fordert und stärkt die Persönlichkeit.“

Im Vatikan helfen zu dürfen, ist ihr „eine große Ehre“
Das sieht offenbar auch Papst Franziskus ähnlich. Neben Kolak berief er noch fünf weitere Frauen in seinen Wirtschaftsrat. Unter anderem die renommierte deutsche Rechtswissenschaftlerin Charlotte Kreuter-Kirchhof. Zu ihren Aufgaben im Vatikan, übrigens ein Ehrenamt, will sich Kolak öffentlich nicht näher äußern. Nur so viel sagt sie: „Es ist mir eine große Ehre als praktizierende Katholikin, hier helfen zu dürfen und meine Expertise in Finanzdingen einbringen zu können.“

In Kroatien wurde ihre Berufung begeistert aufgenommen. Kolak wurde dort schon als künftige Finanzministerin gehandelt. Darüber muss die Katholikin schmunzeln. Das stehe für sie nicht auf der Agenda. „Die Kroaten sind ein kleines Volk und freuen sich über jeden, der mit kroatischen Wurzeln im Ausland Erfolg hat“, sagt sie.

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