Redaktion der pilger

Freitag, 24. September 2021

Lebensmittel erzählen spannende Geschichten

(Foto: marrakeshh@adobestock.com)

Manche Speisen haben komische Namen. Und manches Lebensmittel ist weit gereist, bis es in Europa auf den Teller kam. Zu Erntedank ein kleiner Spaziergang rund ums Essen.

Essen ist ein menschliches Grundbedürfnis, es stiftet Gemeinschaft und sorgt für Wohlbefinden. Geht man davon aus, dass ein Mensch 80 Jahre lebt, so widmet er sich davon fünf Jahre dem Essen; zwei Jahre und zwei Monate zusätzlich werden Mahlzeiten gekocht und Brote geschmiert. Das haben Forscher ausgerechnet.

Kein Wunder, dass Kulinarik nicht nur Köche und Genießer beschäftigt, sondern auch Kulturhistoriker und Sprachwissenschaftler. So manches Obst, Gemüse und Gewürz hat in den vergangenen Jahrhunderten eine weite Reise zurückgelegt – schließlich stammt die Tomate aus Lateinamerika und ihr Name ist dem aztekischen „xitomatl“ entlehnt. Auch der Kaffee kann Geschichten erzählen: So wurde der Mokka in der jemenitischen Stadt Al-Mukha verschifft, während der billige und schlechte „Muckefuck“ seinen Namen den rheinischen Begriffen „Mucken“ (für staubige Erde) und „fuck“ (faul) verdankt.

So manches Gericht verrät etwas von den Lebensbedingungen und Sitten der Menschen. Die Welt der Lebensmittel und des Essens ist voller Überraschungen und komischer Details: Schließlich kommt ein falscher Hase ja ohne Hasen aus und ein Rollmops ohne Mops. Und beim armen Ritter handelt es sich nicht um ein Fleischgericht. Viele Redensarten zeigen eine enge Verbindung zwischen Essen und menschlicher Kommunikation: Wer unangenehme Themen anspricht, kann reinen Wein einschenken, aber sich auch den Mund verbrennen. Wer dagegen Angst vor deutlichen Ansagen hat, redet gern um den heißen Brei herum. Und wer sich ungeschickt anstellt, riskiert, dass jemand etwas in den falschen Hals bekommt.

Wenn es ums Essen geht, kann die Sprache sehr genau differenzieren: Das fängt schon bei der Unterscheidung an, ob man Hunger oder Appetit verspürt: Die germanischen Sprachen kennen alle den „Hunger“: Er leitet sich aus dem Indogermanischen her und bedeutet zunächst einmal „brennendes Verlangen“. Im 15. Jahrhundert taucht dann ein Konkurrent auf. „Appetit“ stammt aus dem Lateinischen: Dort begegnet man dem „appetitus cibi“, dem „Verlangen nach Speise“. „Hunger“ gibt das urtümliche Essbedürfnis wieder. Dagegen bezeichnet „Appetit“ eher die Esslust – das Verlangen, etwas Bestimmtes zu essen.

Die Sprache liefert auch Informationen über Esssitten: So enthält das Wort „Frühstück“ einen Hinweis auf die zentrale Bedeutung des Brots für diese Mahlzeit; denn „Stück“ steht vielerorts für Brot. In Bayern heißt es ganz direkt „Brotzeit“. Sowohl Engländer als auch Franzosen sehen das Frühstück eher als Abschied vom nächtlichen Fasten: Im Englischen „breakfast“ (Fastenbrechen) springt das unmittelbar ins Auge. Aber auch im Französischen „(petit) dejeuner“ versteckt sich das lateinische Verb „disjunare“, das wörtlich: „nicht mehr fasten“ bedeutet. Aber woher kommt das Wort „fasten“? Laut Duden ist es vom Adjektiv „fest“ abgeleitet und bezieht sich auf das Festhalten am kirchlichen Gebot der Enthaltsamkeit.

Bibel und Religion haben im übrigen zum sprachlichen Reichtum rund um Küche und Essen beigetragen: Rätselhaft klingt beispielsweise die Redewendung „am Hungertuch nagen“. Ursprünglich – seit dem 16. Jahrhundert – lautete die Wendung „am Hungertuch nähen“ und bezog sich auf das Nähen des Tuches, mit dem in der Fastenzeit der Altar verhüllt wurde.

Und mit welcher Frucht hat Eva ihren Adam im Garten Eden zum Sündenfall animiert? In der christlichen Kunst sind es meist Äpfel, die am Baum der Erkenntnis hängen. Die Bibel selbst allerdings weiß davon nichts. So kommt es dann, dass die Österreicher statt des Apfels die Tomate „Paradeiser“ nennen und auch in Bayern von Paradiesapfel gesprochen wird, wenn es um die leuchtend rote Tomate geht.

Muss man all das wissen? Für manchen sind diese Informationen keinen Pfifferling wert. Andere interessiert das nicht die Bohne. Was beides wiederum beweist, dass Bohnen und Pfifferlinge früher als ziemlich wertlos erachtet wurden. Was aber nur Erbsenzähler interessieren dürfte. Christoph Arens (kna)

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