Redaktion der pilger

Mittwoch, 17. November 2021

Ein Herz für Menschen

Wenn viele Menschen sich ein Herz fassen, können sie gemeinsam etwas bewegen – auch und gerade in schwierigen Zeiten. (Foto: istockphoto/Alexandra Iakovleva)

Warum wir Christinnen und Christen unsere Botschaft gerade jetzt besonders ernst nehmen sollten

„Werde Liebesbote!“ – so lautet das Leitwort des Diaspora-Sonntags in diesem Jahr. Das passt, denn Liebesboten werden in unserer kriselnden Welt dringend gebraucht.

Ganz schön düster, die Themen dieser Tage. Die Corona-Zahlen in Deutschland rasen in die Höhe, Experten warnen vor einem schlimmen Winter. Die Erderhitzung bedroht das Überleben der Menschheit – und ob sie künftig endlich entschlossen bekämpft wird, bleibt nach der Weltklimakonferenz in Glasgow zweifelhaft. An der Grenze zwischen Polen und Belarus schließlich spielen sich Flüchtlingsdramen ab. Und das sind nur die drei zurzeit prominentesten Probleme. Kein Wunder, dass die Stimmung in der Gesellschaft oft angespannt, gereizt, manchmal gar gehässig wirkt.

Da trifft es sich, dass an diesem Sonntag der Diaspora-Sonntag des Bonifatiuswerkes ist. Sein Leitwort: „Werde Liebesbote!“ Heißt: Wir Gläubigen sollen unseren christlichen Auftrag der Nächstenliebe gerade jetzt besonders ernst nehmen. Und dadurch helfen, die Welt herzlicher zu machen – und ihre Probleme zumindest ein bisschen zu lindern.

Wie das geht? In der Corona-Krise können wir Kontakte freiwillig einschränken, vor dem Besuch bei Oma einen Selbsttest machen oder älteren Nachbarn, die noch nicht drittgeimpft sind, wieder Einkaufshilfe anbieten. Wir können Menschen Mut machen, die Angst haben. Ein gutes Wort für die Arzthelferin finden, die uns in der Sprechstunde noch dazwischenquetscht. Und schon mal überlegen, wie Weihnachten gelingen kann – auch dann, wenn die Lage weiter eskaliert.

Zugewandt, offen, aufbauend, versöhnlich
Um das Klima und damit das Überleben unserer Kinder zu retten, können wir freiwillig verzichten, auf Flüge, Autofahren, Fleisch, Konsum. Und dürfen dabei ruhig auch liebevoll zu uns selbst sein – in dem Wissen, dass niemand perfekt lebt.

Wir können beten für die Flüchtlinge an der Grenze von Polen und Belarus. Mit Freundinnen und Nachbarn über ihr Drama sprechen. Und überlegen, wie man liebevoll auf dieses schwierige Thema schauen könnte, für das es keine einfache Lösung gibt.

Liebesbote kann jeder von uns sein, jeden Tag. Wir können den neuen Nachbarn zum Bier einladen. Bei der nervigen Kollegin auch mal die Stärken sehen. Dem Enkel Mut machen nach der vermurksten Mathearbeit. Wenn wir Liebesboten sind, dann sind wir: freundlich, zugewandt, offen. Aufbauend, verbindend, versöhnlich.

Wir können der Mutter mit Kinderwagen die Treppe zur U-Bahn runterhelfen. In der Kirchengemeinde nachfragen, wo Unterstützung gebraucht wird. Im Supermarkt den Mann vorlassen, der nur zwei Liter Milch kaufen will. Und auf dem Parkplatz nicht gleich pöbeln, weil jemand uns die Vorfahrt genommen hat.

Aber natürlich müssen wir als Liebesboten nicht immer lieb und nett sein. Wir dürfen uns auch mal empören. Wir dürfen, ja müssen kämpfen – für Gerechtigkeit, Solidarität, die Zukunft unserer Kinder. Wenn wir alle im Kleinen versuchen, solche Menschen mit Herz zu sein, wächst vielleicht etwas Großes daraus.(Andreas Lesch)

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