Redaktion der pilger

Freitag, 10. Dezember 2021

Spenden wir – gerade jetzt!

Welch ein Geschenk! Eine Spende tut nicht nur dem Menschen gut, der sie empfängt – sondern auch dem, der sie gibt. (Foto:Andrei Korzhyts@adobestock.com)

Adveniat-Chef Martin Maier erklärt, warum Großherzigkeit in der Pandemie besonders wichtig ist

Ganz schön düster, die Corona-Lage in Deutschland. Intensivstationen sind überfüllt, Leid und Tod sind nah. Und da sollen wir an die Leidenden in der Ferne denken?
Im vergangenen Jahr hat sich die Weihnachtskollekte von Adveniat wegen Corona fast halbiert – von 22 auf 12 Millionen Euro. Wie es in diesem Jahr wird? Schwer zu sagen. Noch ist unklar, wie mitten in der vierten Corona-Welle die Festtagsgottesdienste gefeiert werden können.

Pater Martin Maier, der Hauptgeschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks, hofft, dass die Einnahmen wieder auf das gewohnte Niveau steigen. Ihm sei bewusst, dass das optimistisch ist, sagt er: „Aber aus Lateinamerika lerne ich: Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Maier wünscht sich, „dass viele Gemeinden und Pfarrer ihren Weihnachts- und Pfarrbriefen Spendentüten beilegen“. Und er vertraut darauf, dass viele Gläubige ihre Gaben mittlerweile online überweisen.

„Spenden kann Menschen das Gefühl geben: Ich kann etwas tun“
Aber haben die Menschen in der dramatischen Corona-Situation in Deutschland überhaupt einen Kopf fürs Spenden? „Ich hoffe, dass sie ein Herz dafür haben“, sagt Maier. „Corona sollte uns zum Nachdenken bringen: Auf was kommt es letztlich an? Doch nicht darauf, Reichtümer anzuhäufen, sondern darauf, sie zu teilen und zu helfen.“

In Lateinamerika, berichtet der Adveniat-Chef, seien durch die Pandemie 22 Millionen Menschen mehr in die Armut gefallen. Corona wirke „wie ein Brandbeschleuniger“. Und natürlich ist es in den Armenvierteln der Großstädte schwieriger als bei uns, Abstand zu halten und auf Hygiene zu achten. Deshalb sei Hilfe „gerade jetzt besonders notwendig“. Womöglich wächst bei manchen Menschen durch die Katastrophe im eigenen Land sogar das Verständnis für die Dramen in der Ferne, glaubt Maier: „Wir erleben hier jetzt am eigenen Leib, was es heißt, Not zu leiden.“

In dieser Zeit, in der viele Menschen sich hilflos fühlen, kann Spenden für einen guten Zweck doppelt wertvoll sein – und auch den Gebenden helfen. Maier sagt: „Spenden kann Menschen das Gefühl geben: Ich kann etwas tun.“ Wer mit seinem Geld die Arbeit eines christlichen Hilfswerks unterstützt, der bewirkt etwas – und ist Teil einer weltweiten Solidargemeinschaft. „Und Solidarität ist ja auch keine Einbahnstraße“, betont der Adveniat-Chef.

Er ist beeindruckt davon, dass sein Hilfswerk jetzt aus Lateinamerika Signale bekommt, wie sich die Menschen dort wegen der Corona-Not in Deutschland sorgen. Berührt hat ihn, wie sie auch nach der Flut im Sommer geholfen haben. Eine Gemeinde in Honduras hat eine Kollekte gemacht und Unterstützung für die Opfer in Deutschland geschickt.

So geben mal die einen – und mal die anderen. Maier erinnert daran, dass dieser Gedanke schon vor 60 Jahren wichtig war, bei der ersten Weihnachtskollekte von Adveniat. Er berichtet, die Sammlung damals, 1961, sei eine Antwort auf Spenden gewesen, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus Argentinien, Brasilien und Chile nach Deutschland gekommen waren. „Damals waren die Verhältnisse in Lateinamerika im Vergleich besser. Und als Christinnen und Christen dort gehört haben, dass in Deutschland die Menschen nach dem Krieg hungern, haben sie gesagt: Wir möchten etwas für diese Notleidenden tun.“ (Andreas Lesch)

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