Redaktion der pilger

Mittwoch, 09. Februar 2022

Eine Kirche in jeder Richtung behalten

Franz Josef Becker (links) und Carsten Neuheisel. (Foto: Regina Wilhelm)

Interview zum Gebäudekonzept der Pfarrei St. Ingbert: Zwei Ehrenamtliche äußern sich zu den Plänen

Die Wellen schlagen hoch in der Pfarrei Heiliger Ingobertus in St. Ingbert. Grund ist das Gebäudekonzept, das verantwortliche Gremien aufgelegt haben. Nicht alle Pfarreiangehörigen sind mit den Plänen einverstanden. Denn es sollen einige Gebäude, darunter Kirchen, Pfarrhäuser und Pfarrheime, aufgegeben werden. Der „pilger“ sprach mit Carsten Neuheisel, Vorsitzender des Pfarreirats, und Franz Josef Becker, Organisator des Arbeitskreises Gebäude in der Pfarrei.

Warum und wann hat die Pfarrei mit der Arbeit am Gebäudekonzept begonnen und wie hat es sich entwickelt?
Becker: Wie viele andere Pfarreien sind wir seitens der Diözese Speyer angehalten worden, die Flächen unserer Gebäude zu reduzieren. Schon der letzte Pfarreirat hatte sich dazu Gedanken gemacht. Das Bischöfliche Bauamt wurde hinzugezogen, hat seine Vorstellung in die Gremien gebracht. Die 2019 gewählten Gemeindeausschüsse waren nun ihrerseits gefordert, Vorschläge zu unterbreiten.
Neuheisel: Die erste Aufgabe der Gemeindeausschüsse bestand darin, auf Basis einer Diskussionsgrundlage mit zwei Gottesdienst-Standorten und zwei multifunktional zu nutzenden Gebäuden zu überlegen, ob diese Gebäude aus pastoraler Sicht ausreichen würden. Natürlich gab es da breite Diskussionen: Benötigen wir vor Ort noch eine Kirche? Mit welcher Gemeinde können wir uns zusammenschließen? Auch im Hinblick, mittelfristig eine Pfarrei ohne Gemeindestruktur zu werden. Die Voten der Gemeindeausschüsse, des Pfarreirats und des Verwaltungsrats wurden dann dem eigens gegründeten Arbeitskreis Gebäude übertragen. Nicht ohne Alternativen zu prüfen, erstellte dieser daraus ein Konzept. Dieses beschlossen am Ende Pfarrei- und Verwaltungsrat.

Verstehen Sie, warum einigen Bürgerinnen und Bürgern dieses Konzept nicht gefällt?
Neuheisel: Natürlich verstehe ich, dass die Emotionen hochkochen, wenn Kirchen umgewidmet werden. Sie gehören doch zur Lebensbiografie der Menschen. Wollen wir zukunftsfähig bleiben, müssen wir jedoch diesen schmerzlichen Schritt gehen. Das betrifft auch St. Hildegard.
Becker: Denn eins ist klar: Wenn wir St. Hildegard behalten wollten, müssten wir St. Michael und St. Franziskus abgeben. Uns war es wichtig, dass wir in allen Himmelsrichtungen unserer Stadt Kirchen haben, die die Leute besuchen können. Hinzu kommt, dass wir ja auch St. Hildegard nicht komplett aufgeben. Wir haben dort eine Kapelle, in der 40 Personen Platz haben.

Was ist außerdem geplant?
Neuheisel: Erhalten bleiben die Kirchen St. Josef und St. Engelbert. Dort werden regelmäßig Gottesdienste gefeiert. Aufgegeben wird die Kirche Herz Mariae mit der Auflage, das Altarrelief und die Architektur zu erhalten; das ehemalige vermietete Pfarrhaus bleibt in unserem Besitz. Weiter werden wir das Pfarrheim von St. Josef veräußern, das Pfarrheim und Pfarrhaus von St. Michael sowie alle Gebäude von St. Konrad und St. Barbara in Schnappach. Wiederum nicht angetastet werden der Pfarrsaal von St. Hildegard, bis 2032 auch nicht Büro und Konferenzraum des ehemaligen Pfarrhauses.

Becker: So ist garantiert, dass niemand auf einen Gottesdienst verzichten muss. Denn oft ist die Kirche in der Nachbargemeinde sogar fußläufig zu erreichen. Wenn nicht werden wir Fahrgemeinschaften anbieten. Ich glaube, es muss ein Umdenken stattfinden. Selbstverständlich braucht das Zeit.

Die Lösung scheint plausibel und akzeptabel. Wollen oder können sie die Leute nicht verstehen?
Becker: Ich denke, die Problematik ist auch Corona geschuldet. Es war nicht möglich, Informationsveranstaltungen oder Pfarrversammlungen anzubieten. 40 Leute online vor ihren Computern – das funktioniert einfach nicht. Wir hatten tatsächlich für Sommer vergangenen Jahres eine geplant. Aber sie dann doch wieder gestrichen.
Neuheisel: Wir haben uns aber dennoch bemüht, die Entscheidungsfindung so transparent wie möglich zu gestalten. Alle sollten die Gelegenheit erhalten, sich auf den aktuellen Stand zu bringen. Auch die Enttäuschten bekamen Raum, sich zu äußern.

Und wie wurden die Gemeinden auf diesen aktuellen Stand gebracht?
Becker: Es gibt ein Kommuniqué mit den Entscheidungen, die im Herbst am Ende der Gottesdienste in allen Gemeinden den Besuchern ausgehändigt wurden. Auch auf der Homepage stand es. Und an einem Samstagmorgen im Oktober haben wir vor der Alten Kirche einen Infostand aufgebaut.
Neuheisel: Da kamen aber nicht sehr viele Leute. Die wenigen, die vorbeischauten, bemängelten auch anderes, etwa die Gottesdienstzeiten.

Ist jetzt schon das letzte Wort gesprochen?
Neuheisel: Unser Konzept steht. Jetzt wollen wir die Gestaltung der Umsetzung diskutieren. Bei St. Hildegard sind wir schon recht weit. Da laufen bereits die Gespräche mit der Stadt. Aber sind wir doch mal ehrlich: Nach derzeitigem Stand können wir nicht davon ausgehen, dass die Zuweisung aus Speyer nochmals steigen werden, ebenso wenig die Zahl der Katholiken. Wahrscheinlich werden wir, wie es aussieht, in einigen Jahrzehnten sogar noch mehr Gebäude verkaufen müssen. Wir können nur auf eine Kehrtwende hoffen. (Fragen: Regina Wilhelm)

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