Redaktion der pilger

Mittwoch, 09. März 2022

Auf das Hören kommt es an

Johann Georg Trautmann (1713 bis 1769): Die Verklärung Christi, Gemälde von 1760, im Städel Museum, Frankfurt am Main. (Foto: Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Kirche muss wie Jesus bei den Menschen sein

Gipfeltreffen gab es schon in der Antike und damit Jahrhunderte vor Christi Geburt. Spitzenpolitikerinnen und Spitzenpolitiker kommen traditionell in ihnen zusammen, um wichtige Themen auf höchster politischer Ebene zu besprechen.

Von einem Gipfeltreffen besonderer Art wird im heutigen Lukasevangelium berichtet. Jesus stieg mit Petrus, Johannes und Jakobus auf einen Berg, um dort zu beten. Während Jesus betete, wie es bei Lukas heißt, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes und er redete plötzlich mit Mose und Elija, den beiden wichtigsten Propheten des Judentums. Nach frühchristlicher Lesart fand damit ein nicht für möglich gehaltenes „Gipfeltreffen“ statt, das die herausragende Stellung Jesu unterstrichen hat. Schließlich rief eine „Stimme aus der Wolke“: „Das ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.“

In einer wohl nie dagewesenen Kirchenkrise, gibt es eine Vielzahl von Stimmen, die richtungsweisend sein wollen. Wortreich wird sinniert, dass das eine jetzt dringend zu tun wäre, während das andere unbedingt zu lassen ist, jenes muss schnellstmöglich abgeschafft werden, aber von anderem sollte unbedingt die Finger gelassen werden, und so weiter. In diesem Stimmengewirr ist die vielbeschworene (kirchliche) Einheit noch nie so offensichtlich uneins geworden, wie in diesen Tagen. In einer hierarchisch verfassten Kirche, demokratische Strukturen einzuführen, ist zu einer Mammutaufgabe geworden. Ein Kirchenbild, eine Kirchenstruktur steht vor einem Wandel, wie es ihn vielleicht noch nie gegeben hat. Jahrzehnte lang hat man sich vor weitreichenden Entscheidungen gedrückt und die ein und dieselben Fragestellungen immer wieder vertagt. Synodaler Weg und Diözesanversammlung haben jetzt von neuem zielsicher die Schwachstellen und Handlungsbedarfe im System offen gelegt. Ein Ringen, Kämpfen und zum Teil Fauchen ist nunmehr im Gange, das von Angst, Sorge und Überlebenswillen getrieben ist. Herausforderungen gibt es in Hülle und Fülle und ein Zurück zu den vermeintlich „guten, alten Zeiten“ ist jetzt ausgeschlossen.

„Auf ihn sollt ihr hören“, ist mit Blick auf Jesus im Evangelium zu lesen. Doch was heißt das für die Kirche heute, hier und jetzt? Zunächst einmal gilt es sich einzugestehen, dass es um eine doppelte Problematik geht, die der dramatischen Lage zu Grunde liegt. Zum einen hat das Bekanntwerden und Offenlegen von Missbrauchsfällen zu einem nie dagewesenen Vertrauensverlust geführt, zum anderen ist seit längerem für viele der christlich-kirchliche Gottesglaube zu einer gesellschaftlichen Nebensache geworden, die immer weniger Menschen erreicht und anspricht.

Ein wesentlicher Schritt muss meiner Meinung nach für Verantwortungsträger und engagierte Christen in einer Offenheit zum „Hinhören“ bestehen. Ich frage mich, ob in einer Flut aus Beschlüssen, Reden und Papieren ein Hinhören auf Jesus noch möglich ist? Gibt es noch eine Offenheit für neue Begegnungen mit ihm, oder wollen wir in der aktuellen Gemengelage nur auf althergebrachte und eingeübte Formalismen hören? Wie sieht es um unsere Offenheit für die Welt aus, oder hören wir in allen Rufen nach Veränderungen nur Feindseliges und Gottloses heraus?

Wenn die Kirche eine Zukunft haben will, dann muss sie sich endlich bewegen und wieder lernen auf Jesus zu hören, wie es im Evangelium heißt. Dazu gehört die Rückbesinnung auf den inkarnatorischen Auftrag von Kirche. Gott hat sich auf diese Welt eingelassen, er hat sich eingemischt und war bei den Menschen, dort, wo sie gelebt, gelacht und gelitten haben.

Kirche darf keine Parallelwelt sein, mit eigener (unverständlicher) Sprache, die ausgrenzt und mit eigenen (Kirchen-)Gesetzen, die sie um sich herum errichtet hat. Da wo die Menschen sind, muss Kirche mittendrin sein, bei all ihren Fragen, Sorgen und Themen. Sie muss dorthin gehen, wo sie wirklich gebraucht wird, zu den Armen, Schutzlosen, Trauernden, Hilfsbedürftigen, Einsamen, Kranken, Verzweifelten, Hungrigen, Ausgegrenzten und Gottsuchenden. Damit erfüllt sie einen wichtigen (gesamt-)gesellschaftlichen Auftrag, der inkarnatorisch zu nennen ist. Schließlich gilt es auf die Hoffnungsbotschaft des christlichen Glaubens wieder zu hören.

Aller Dunkelheit des Lebens zum Trotz gibt es Perspektiven. Licht, Liebe und Leben muss wieder Auftrag, Motor und Anker allen kirchlichen Handelns werden. Dazu braucht es vielleicht wieder mehr persönliche kleine Gipfeltreffen mit Gott, die jede und jeder Einzelne im Gebet abhalten kann.(Thomas Stephan)

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