Redaktion der pilger

Mittwoch, 23. März 2022

Aktuelle Fragen, direkter Austausch

Bischof Karl-Heinz Wiesemann, Generalvikar Andreas Sturm (Fotos: Landry/Bistum Speyer; Landry)

Bischof und Generalvikar stehen Mitarbeitenden und Engagierten aus dem Bistum Rede und Antwort

„Aktuelle Stunde“ – so heißt es im Parlament, wenn sich die Regierung bei drängenden Themen Abgeordneten stellt. Nun, drängende Fragen gibt es in der Kirche auch. Daher griffen Bischof und Generalvikar dieses „Format“ als Videokonferenz auf. An vier solcher Konferenzen nahmen in der Summe mehrere hundert Personen teil: Mitarbeitende aus Bistumsverwaltung, Caritas, Seelsorge, Domkapitel und Kindertagesstätten. Und zuletzt, am 15. März, mehr als 60 Mitglieder aus Verbänden und Gremien.

„Der unmittelbare Kontakt und Austausch sind mir und Generalvikar Andreas Sturm wichtig“, sagte Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann in seiner Begrüßung. Anlass sei das „gewaltige Echo“ zur Missbrauchsstudie im Erzbistum München und Freising. „Die Verunsicherung ist groß und es folgten auch Kirchenaustritte. Unser stärkerer Kontakt zu Menschen im Bistum ist eine Reaktion darauf“, so der Bischof. Echo erhielt Wiesemann ebenso auf seinen Brief ins Bistum vom Februar. „Ich hatte eingeladen, mir zu schreiben. Ich lese alle Briefe, bitte aber um Verständnis, dass ich nicht auf alles zurückschreiben kann.“
Für den Brief erhielt der Bischof Dank aus der Runde: „Sie haben sehr authentisch geschrieben. Das wird uns in der Gesellschaft und von den Medien abgesprochen“, wie ein Konferenzteilnehmer sagte. Mit dem Makel, dass die Kirche nicht mehr mit der Wahrheit in Verbindung gebracht werde, „werden wir noch lange leben müssen“. Das führt, so der Teilnehmer dazu, „dass wir das Befreiende des Glaubens nicht verkünden können, weil man es uns nicht mehr zutraut, solange Kirche als Angstraum gesehen wird.“

Bischof Wiesemann sicherte zu, im Bistum Speyer die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs voranzutreiben. „Und wir werden uns dem stellen, was die Aufarbeitungskommission, die in ihren Grundzügen als unabhängig vereinbart ist, an Ergebnissen hervorbringt.“ Es sei das Ziel, sich transparent und gradlinig den Fragen zu stellen.

Spannungsfeld Synodaler Weg
Hierin liege auch der hohe Wert des Reformprojektes „Synodaler Weg“. Wiesemann, der selbst Delegierter dabei ist, nannte das Mitwirken ein „persönliches Spannungsfeld: „Die Aufgabe des Bischofs ist die Wahrung der Einheit.“ Sein Anliegen sei es, eine „tragende Mitte“ zwischen den verschiedenen Positionen zu finden. Zugleich sei es notwendig, „aufeinander zu hören“ und „miteinander zu reden“, „damit sich alle in unserer Kirche wohlfühlen können“. Bei anstehenden Veränderungen gehe es, selbst wenn ein Vorwurf immer wieder so laute, nicht um eine „zeitgeistige Anpassung“ kirchlicher Überzeugungen. „Eins meiner Anliegen ist, geistlich-theologisch zu argumentieren, um die Größe des Glaubens deutlich zu machen und wieder glaubwürdig verkünden zu können.“ Die kirchliche Sexualmoral etwa stünde grundlegend für Positives, für Treue und Wertschätzung. Im Ergebnis aber führe die Sexualmoral hingegen zu Diskriminierung und Verletzungen.

Das kann Kirchen-Mitarbeitende dazu bringen, sich wegen ihrer Lebensweise verbiegen zu müssen – aus Sorge um den Arbeitsplatz. „Die Angst ist da“, hat Generalvikar Sturm erfahren, obwohl bereits bei seinem Vorgänger niemandem wegen Lebensweise oder sexueller Orientierung gekündigt worden war. „Wichtig ist, dass es eine neue Grundordnung gibt und das Arbeitsrecht geändert wird auf Ebene der Bischofskonferenz.“ Hier schloss sich Thomas Heitz vom BDKJ-Diözesanverband an und forderte, mit Blick auf die Initiative „OutInChurch“ mehr pastorale Angebote für homosexuelle Menschen und ihre Angehörigen. „Auch wenn unser Angebot hier begrenzt ist, stellt es ein Signal dar“, sagte Andreas Sturm. Immer wieder stelle er dabei Skepsis von Gläubigen in Pfarreien und anderen Bereichen fest. „Da müssen alle mitgehen, um diesen Kulturwandel in der Kirche zu schaffen.“ Mit Angeboten des Bistums allein sei das nicht zu schaffen.

Bedeutung der Frauen
Ein Teilnehmer aus St. Ingbert rief als wichtiges Thema die Rolle der Frau in Erinnerung. „Durch das schwierige Missbrauchs-Thema darf dies nicht an den Rand gedrängt werden.“ Bischof Wiesemann stimmte zu, dass die Frage nach den Frauen „mitten hinein gehört und wir da einen weltkirchlichen Dialog brauchen“. Es lohne sich ein Blick in die Kirche der Schweiz, wie Konferenz-Teilnehmer und Pfarrer Andreas Rubel anmerkte. Generalvikar Sturm stimmte zu: In der Schweiz leiteten Frauen und Männer Gemeinden, tauften und assistierten der Eheschließung. „Wir werden auf Dauer keine 70 leitenden Pfarrer haben. Die Pfarreien können wir nicht noch größer ziehen, wir brauchen hier also andere Wege.“ Und: „Wir heben den Schatz der Frauen zu wenig.“ Christa Kuhn, die stellvertretende kdf-Diözesanleiterin, regte einen Blick auf Frauenorden an. „Wie machen die das mit Frauen in Leitung?“ Kuhn machte trotz aller Kirchenkritik aber deutlich: „Es ist meine Kirche, nur wenn ich dabei bleibe, kann ich etwas verändern. Und wir sind die Zukunft!“  

In seinen Dankesworten der von Gemeindereferentin Dorothee Lauer und Pastoralreferentin Ute Garth moderierten „Aktuellen Stunde“ bekannte Bischof Wiesemann, ein Austausch in dieser und anderen Runden sei eine „Kraftquelle“ für die beiden Bistumsverantwortlichen. „Wir wollen über eine Weiterentwicklung dieses direkten Formates nachdenken.“ Der Bischof dankte den Anwesenden „für Ihren Einsatz vor Ort. Ich sehe den Druck, unter dem Sie stehen und ich habe Respekt davor.“ (hm)

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