Redaktion der pilger

Freitag, 13. Mai 2022

Viele Baustellen und neue Chancen

Professor Dr. Wolfgang Pauly. (Foto: Universität Landau)

Prof. Wolfgang Pauly über die heutigen Möglichkeiten des Christseins

Die Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“ veranstaltet am 21. Mai im Gemeindezentrum Neustadt-St. Bernhard ihr diesjähriges Frühlingstreffen (9.30 bis 15.30 Uhr). Referent ist der Theologe Prof. Dr. Wolfgang Pauly. In einem Interview geht er auf das Thema seines Vortrags ein: „Fromm und zugleich aufgeklärt – was heißt Christsein heute?

Sehr geehrter Herr Professor Pauly, wie lautet die Antwort darauf – auch mit Blick auf den Synodalen Weg?
Der Synodale Weg der katholischen Kirche Deutschlands hat viele längst fällige offene Fragen und Probleme angesprochen. Zentral scheint mir bei allen Fragen der Struktur der Kirche, dass die Mitglieder der Glaubensgemeinschaft als mündige und gleichberechtigte Mitglieder wahrgenommen werden. Von einigen wird beklagt, dass bei den Diskussionen die Aspekte der Glaubensverkündung und der Katechese zu kurz kommen. Das mag stimmen, auch über die Inhalte des Glaubens muss geredet werden. Allerdings scheint mir ein Verständnis von Neuevangelisation unmöglich, das inhaltlich wieder zu alten Formeln des Katechismus zurückkehrt. Glaube, Hoffnung und Liebe als Grunddimensionen des Glaubens müssen für wirklich lebendige Menschen selbst verlebendigt werden. Selbst so zentrale Begriffe wie Erlösung, Gnade und Trinität werden sonst immer mehr zu Leerformeln.

Der Synodale Weg will ja eine Erneuerung der Kirche und eine Rückbesinnung auf ein „wahrhaftiges Christsein“ ermöglichen. Bislang ging es aber vielfach um die Veränderung von Strukturen und um Fragen, die zumeist nur gesamtkirchlich beantwortet werden können. Sind Sie der Meinung, dass die Richtung stimmt – oder würden Sie sich eine andere Schwerpunktsetzung wünschen?
Es haben sich so viele Baustellen aufgetan, dass man wirklich nicht immer wissen kann, wo man anfangen soll. Die Versammlung des Synodalen Weges spiegelt die Buntheit der Gläubigen, wobei eben viele nicht mehr repräsentiert werden, weil sie sich innerlich oder äußerlich von der äußeren Gestalt der Glaubensgemeinschaft abgewendet haben. Deren kritisches Potential fehlt nun bei den Diskussionen. Grundsätzlich sollte auch bei jeder Strukturfrage gelten, dass die schon auf den ersten Seiten der Bibel angesprochene Ebenbildlichkeit des Menschen mit Gott zum Ausdruck kommt: Jeder Gläubige hat die gleiche Würde, jeder soll und darf sein Charisma einbringen, die Verteilung der Aufgaben und Ämter sollte nach Kompetenz und nicht nach geschlechtsbezogener Rollenverteilung erfolgen.

Kritische Stimmen aus dem In- und Ausland, darunter mehrere Bischofskonferenzen und Kardinäle von verschiedenen Kontinenten, bemängeln beim Synodalen Weg ein Ungleichgewicht zulasten des „Frommen“ und fürchten, dass bei dem deutschen Reformeifer essentielle Glaubensinhalte und die weltkirchliche Ebene aus dem Blick geraten – und damit eine „Protestantisierung“ der deutschen Kirche oder gar ein Schisma drohe. Teilen Sie die Befürchtungen?
Es stimmt, dass aus der Weltkirche kritische Stimmen gegenüber dem synodalen Prozess in Deutschland kommen. Allerdings wäre zu fragen, ob diese Stimmen wirklich von der Basis der entsprechenden Länder kommen oder von Funktionsträgern und Bischöfen, die in traditionellen Strukturen ausgebildet und durch diese in ihr Amt kamen. Hier rächt sich, dass die religiösen Aufbruchsbewegungen wie etwa die „Theologie der Befreiung“ in Lateinamerika systematisch von Rom kaltgestellt wurden. Nachdem dort von der römischen Linie abweichende Stimmen zum Schweigen gebracht und Theologen verurteilt wurden, wundert man sich nicht, welche Position der Rest heute einnimmt. Insofern ist es sehr wichtig, dass die Bewegung des Synodalen Weges in Deutschland wirklich katholisch bleibt: über den provinziellen Tellerrand hinausblicken, die Sehnsüchte und Hoffnungen der Menschen in der ganzen Welt wahrnehmen, aber auch deren innovative Lebens- und Glaubensmodelle wie zum Beispiel die Form der Basisgemeinschaften in die eigenen Überlegungen mit einbeziehen. (Interview: Tobias Wilhelm)

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