Redaktion der pilger

Mittwoch, 18. Mai 2022

Farben des Glaubens

Heide Endres zeigt eine Ikone des barmherzigen Christus, die sie selbst gemalt hat nach einer Vorlage, die sie auf einem Flyer entdeckt hat. (Foto: Kraus/pil)

Im Institut St. Dominikus in Speyer treffen sich Gleichgesinnte zur Ikonenmalerei. Heide Endres aus Mutterstadt ist durch Zufall vor wenigen Jahren zu einem Hobby gekommen, das sie seitdem nicht mehr loslässt. Sie malt Ikonen. Zusammen mit Ursula Schwan hat sie nun für eine Gruppe Gleichgesinnter eine Ikonenmalwoche im Speyerer Institut St. Dominikus organisiert.


Eigentlich wollte die Mutterstadterin Heide Endres Kerzen verzieren auf dem Kennenlerntreff der damals entstehenden Großpfarrei Dannstadt im Frühjahr 2014. Da gab es verschiedene Mitmachangebote – doch am Kerzentisch war kein Platz mehr für sie. „Dann malen Sie halt was“, hat Pfarrer Hermann Mathes ihr gesagt, ein Stück Sperrholz gegeben, einen Pinsel in die Hand gedrückt und gesagt: „Malen Sie mal eine Wüste.“

Auf einer ihrer Reisen hat Heide Endres schon mal in der Wüste unter freien Himmel übernachtet, also sei ihr das Bild wohl ganz gut gelungen, erzählt sie, obwohl sie 50 Jahre keinen Pinsel mehr in der Hand hatte. Daraufhin hat Mathes sie gefragt, ob sie nicht an einem Ikonenmalkurs teilnehmen möchte, denn wenn sich kein weiterer Teilnehmer finde, könne er nicht stattfinden. Von dem Kurs hatte Heide Endres schon gehört. Die pensionierte Schulrätin war Leiterin der „Grünen Damen“ im St. Marienkrankenhaus. Ihre Kollegin Ursula Schwan, eine, wie Endres betont, künstlerisch außerordentlich begabte Frau, hatte ihr schon erzählt, dass sie im Institut St. Dominikus in Speyer einen Ikonenmalkurs organisiert, für den noch Teilnehmer gesucht wurden.

 Heide Endres ließ sich breitschlagen und staunte nicht schlecht, dass sie dort auch Pfarrer Hermann Mathes traf. So malte sie unter der fachlichen Anleitung des Ikonenmalers Professor Helmut Fischer ihre erste Ikone, Christus als Pantokrator. Dem ersten Werk sollten noch viele folgen. In jedem einzelnen stecken viele Stunden Arbeit. „Man kann nicht einfach malen, was man will, es gibt Vorgaben“, erzählt die Ikonenmalerin. Zunächst einmal müsse die Unterlage vorbereitet werden, Tischlerplatten, die mit Kreidegrund zehn bis fünfzehn Mal überarbeitet werden. Dann wird die Vorlage mit Kohlepapier auf die Unterlage übertragen und eingraviert. Bevor es ans Malen geht, wird das Blattgold, Hintergrund bei vielen Ikonen, aufgelegt. Eine ziemlich diffizile Arbeit. Dann werden die Farben großflächig aufgetragen.

Die Farbe mischen sich die Ikonenmaler selbst aus Tempera, die mit einer Mischung aus abgestandenem Bier und durch einen Damenstrumpf filtriertem Eidotter angerührt wird. Die dunklen Farbflächen werden anschließend mit feinen Pinselstrichen nach und nach aufgehellt. Das sind viele Prozesse, denn die Farbe wird in ganz dünnen Schichten aufgetragen, die trocknen müssen.

Endres ist die letzte, die zu der Ikonenmalgruppe um Professor Helmut Fischer gekommen ist. Der gab bis 1994 auch Kurse im Kloster Neustadt. Als das dort nicht mehr möglich war und sich gleichzeitig in Ilbenstadt ein Bildungshaus als neue Heimat für die Kurse anbot, traf sich die Gruppe dort. 2014 initiierte ein Mitglied dieser Gruppe dann den ersten Ikonenmalkurs mit Professor Fischer in Speyer. Der Kurs, zu dem auch Heide Endres kam. Altersbedingt konnte der Professor ab 2017 nicht mehr nach Speyer reisen, und wieder fuhren die Maler nach Ilbenstadt.

Mit Beginn der Corona-Pandemie wurde das Bildungshaus dort aber geschlossen. Um weiter malen zu können, organisieren Heide Endres und Ursula Schwan seit Oktober 2021 die Gruppentreffen im Insitut St. Dominikus in Speyer. Vom 22. bis 29. Mai findet das nächste statt. 13 Maler haben sich angekündigt. Auch Heide Endres freut sich schon, denn sie hat noch einige Motive, die sie gerne umsetzen möchte.„Ich habe Ikonen schon immer bewundert“, sagt sie. Sie seien ein Weg zum Glauben. Verstehen könne man sie nur, wenn man das orthodoxe Christentum versteht. (CHKR)

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