Montag, 16. Februar 2026
„Eigentlich sollte es das in jeder Kita geben“

v.l.n.r. Tim Louis, Simone Kastel und Marco Schweigerer sind das Team für das Psychomotorik-Angebot © Paul H. Kreiner für den Caritasverband für die Diözese Speyer
Caritas-Zentrum Saarpfalz stellt das Projekt „Psychomotorik für Kitas“ vor
Homburg. Seit dem vergangenen Jahr bietet das Caritas-Zentrum Saarpfalz in ausgewählten Kindertagesstätten das Projekt „Psychomotorik für Kitas“ an. Die Mitarbeiter Tim Louis, Marco Schweigerer und Simone Kastel geben einen Einblick in ein Angebot, das Kinder schon früh in ihrer Entwicklung gezielt unterstützt.
Die Caritas hatte dieses Projekt über den Kreis-Jugendhilfeausschuss im Rahmen des Kita-Qualitätsgesetzes beantragt. Kindheits- und Sozialwissenschaftlerin Simone Kastel hat es konzipiert und entwickelt. Sie übernimmt als Kita-Fachberaterin der Caritas die Koordination mit den Kindertagesstätten. Am 1. Januar 2025 ist das Angebot mit ihr und Marco Schweigerer, einem Erzieher in Vollzeit, gestartet. Tim Louis, ebenfalls Erzieher, kam am 1. Januar 2026 dazu. Wie Schweigerer übernimmt er die praktische Arbeit in den Kindertagesstätten. „Eigentlich sollte es das in jeder Kita geben“, meint Schweigerer. Kastel und Louis stimmen ihm zu. Alle drei verfügen neben ihrem Hauptberuf über eine abgeschlossene Weiterbildung „Psychomotorik“.
Psychomotorik bezeichnet ein pädagogisch-therapeutisches Konzept, das die Wechselwirkungen zwischen psychischen und motorischen Prozessen nutzt. „Über Bewegung“, so erklärt Kastel, wird versucht, eine positive Beziehung zum Kind aufzubauen, seine psychische Befindlichkeit zu stärken und seine Gesamtentwicklung zu unterstützen. Dabei stehe nicht das reine Üben im Vordergrund. Kastel betont: „In psychomotorischen Angeboten geht es vor allem um Begleitung und kreative Förderung. Die Spiel- und Bewegungsideen der Kinder und ihre Bedürfnisse stehen im Mittelpunkt, werden wahrgenommen, aufgegriffen und gemeinsam weiterentwickelt.“
Für die beiden Erzieher Schweigerer und Louis bedeutet das konkret: Sie gehen in die Kitas und gestalten in Kleingruppen von vier bis sechs Kindern eine psychomotorische Gruppenstunde mit vielen Aktivitäten, die bewusst losgelöst vom sonstigen Kita-Alltag stattfinden. Die Gruppen sind dabei sehr heterogen zusammengesetzt. Manche Kinder sind eher wild und bewegungsfreudig, andere zurückhaltend oder introvertiert. Einige Kinder haben Deutsch als Muttersprache, andere zeigen Sprachprobleme. Schweigerer weist darauf hin, dass Sprachschwierigkeiten nicht nur Kinder mit Migrationshintergrund betreffen: „Es gibt auch viele Kinder ohne Migrationshintergrund, die Sprachprobleme zeigen, weil sie zu Hause viel Zeit vor Handy und Tablet verbringen.“
„Die Gruppenstunden haben immer ein bestimmtes Thema“, erklärt Schweigerer. Häufig handelt es sich um fantasievolle Themenwelten. „Sehr beliebt sind aktuell Tierwelten, Reisen oder Dinosaurier“, berichtet er. Um diese Themen herum werden die Gruppenstunden aufgebaut und erzählt. Besonderes Augenmerk legen die Erzieher dabei auf die Themen der Kinder: „Wir schauen, was die Kinder in dem Moment brauchen“, erläutert Schweigerer. „Wollen sie sich ausruhen, wollen sie sich austoben? Diese Bedürfnisse bauen wir dann in das Thema ein.“
Wie das in der Praxis aussieht, macht Schweigerer an einem Beispiel deutlich: In einer seiner Stunden drehte sich zuletzt alles um wilde Dinosaurier in einer heißen, von Lava durchströmten Welt. Ein Mädchen aus der Gruppe – eher introvertiert – wollte allerdings ein Eisbär sein. „Dann haben wir überlegt, wie wir einen Eisbären in eine heiße Welt integrieren können“, erzählt Schweigerer. Aus Matten wurde kurzerhand ein Kühlschrank gebaut, in dem das Mädchen als Eisbär zunächst die Umgebung beobachten konnte. „Irgendwann ist sie dann aufgetaut und hat mitgemacht.“
Das Projekt ermöglicht eine zusätzliche Perspektive von außen auf das Kind. Dies wird sowohl von den Einrichtungen als auch den Eltern als bereichernd erlebt. Schweigerer bestätigt, dass Erzieherinnen und Erzieher oft nach den Stunden auf ihn zukommen und berichten, dass sie die Kinder so im Kita-Alltag noch nie erlebt hätten. Auch die Eltern erzählen gerne von der Weiterentwicklung ihrer Kinder.
Sämtliche Arbeiten, die im Rahmen des Projekts anfallen – sowohl in der Praxis als auch in der Theorie und Dokumentation – übernehmen die Caritas-Mitarbeitenden selbst. Für das Kita-Personal entsteht keine zusätzliche Arbeitsbelastung. Dies ist dem Projekt besonders wichtig, denn viele Erzieherinnen und Erzieher seien bereits stark überlastet, da zahlreiche Einrichtungen personell unterbesetzt sind. Schweigerer hebt zudem den Faktor Zeit hervor: „Hier geht es darum, die Kinder nicht nur unter Personalmangel zu betreuen, sondern sich gezielt Zeit für sie zu nehmen und auf ihre individuellen Bedürfnisse einzugehen.“
Aktuell wird das Projekt in zehn Kindergärten im Saarpfalz-Kreis angeboten. Zeitlich ist es noch befristet. Da es sehr nachgefragt wird, setzen sich das Caritas-Zentrum und das Kreis-Jugendamt dafür ein, dass die Psychomotorik in Kitas zu einem Regelangebot wird. Die Entscheidung darüber wird im Laufe dieses Jahres fallen. Mit Blick auf die langfristigen Chancen und Perspektiven macht Kastel deutlich, dass Psychomotorik grundlegenden menschlichen Bedürfnissen nach Bewegung, Begegnung und Lebendigkeit in besonderer Weise gerecht wird. Dadurch leistet sie schon in einer frühen Entwicklungsphase einen wichtigen Beitrag zur seelischen Gesundheit und Lebenszufriedenheit. Resonanz- und Beziehungserfahrungen würden unmittelbar spürbar. In der Psychomotorik finde keine Selektion statt. Es ist gebe auch keine Sprachbarrieren.
Alle Kinder können teilhaben. Wer sich für dieses Projekt interessiert, kann sich gerne an das Caritas-Zentrum Saarpfalz wenden. Mail: caritas-zentrum.saarpfalz@caritas-speyer.de
Text: Paul H. Kreiner für den Caritasverband für die Diözese Speyer
Diese Meldung und weitere Nachrichten des Bistums wurde veröffentlicht auf der Internetseite www.bistum-speyer.de







































