Freitag, 10. Juli 2026
Nicht an den Sonntags-Öffnungszeiten rütteln
Speyer. Die Läden bleiben an Sonntagen in der Regel geschlossen. Der Fachbereich Arbeitswelt im Bistum Speyer spricht sich vehement dagegen aus, an den Öffnungszeiten des Einzelhandels zu rütteln. „Die Beschäftigten im Einzelhandel haben genau wie andere ein Recht auf einen arbeitsfreien Tag“, bekräftigt Betriebsseelsorger Andreas Welte. Und dieses Recht dürfe nicht unterhöhlt werden.
Hintergrund ist, dass die Bundesregierung angekündigt hatte, die Sonntagsöffnungszeiten für Bäckereien und Konditoreien zu verlängern. Handelsverbände forderten im Anschluss, die Öffnungszeiten an Sonntagen auch für andere Einzelhändler freizugeben. Nach Vorstellung des Hauptgeschäftsführers des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels, Stefan Genth, sowie verschiedener Kollegen auf Landesebenen, müssten am Sonntag alle Geschäfte öffnen dürfen. In Zeiten von Online-Handel sei es „von vorgestern“, dass Läden geschlossen bleiben müssten. Nicht zuletzt, weil auch „Einkaufen ein Freizeiterlebnis“ sei.
Einkaufen mag für die einen tatsächlich ein Freizeitvergnügen sein, doch was ist mit den anderen, die Regale einräumen, die Kunden beraten und an der Kasse stehen müssen? Sie würden wieder einen freien Tag verlieren, müssten arbeiten.
„Nein, der Sonntag ist primär ein Tag der Arbeitsruhe, der Regeneration, der Erholung“, betont Welte. Der Sonntag gehöre der Familie und Freunden, dem Glauben, der Kultur und dem Sport. An diesem Tag sei das soziale Leben abseits der täglichen Arbeit zu fördern. Sicher, es gebe viele Berufsgruppen, die ebenfalls am Sonntag arbeiten müssten. Da bestehe indes meist eine gewisse Notwendigkeit. „Wir sollten aber keineswegs den Fehler machen, diese Ausnahmen immer weiter auszudehnen.“ Denn der freie Sonntag sei ein unverzichtbares Grundrecht, das den Menschen vor dauerhafter Ausbeutung schütze. Welte warnt davor, dieses Grundrecht aufzuweichen. „Flexibilisierung der Arbeitszeiten um jeden Preis und auf Kosten der Beschäftigten kann und darf nicht sein.“ Immer noch gelte, dass Arbeit dem Menschen diene und nicht umgekehrt. Mit den Gewerkschaften „werden wir uns dafür einsetzen, dass an diesen Grundfesten der Arbeitszeitregelung nicht gerüttelt wird“.
Text: Regina Wilhelm, Foto: Peter Weidmann auf Pfarrbriefservice
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