Bistum Speyer

Mittwoch, 03. April 2019

Berührende Erlebnisse in Palästina

Die Reisegruppe in Amman.

KHG/ESG-Studienreise nach Jordanien und Israel – Bericht von Hochschulseelsorgerin Luise Gruender

Speyer. Über eine Reise mit Studenten aus Speyer, Kaiserslautern und Homburg/Saar nach Jordanien und Israel berichtet Luise Gruender, Hochschulseelsorgerin an der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften in Speyer:

Eine Reise von Studierenden für Studierende
„Für eine Woche machten sich Studierende aus Speyer, Kaiserslautern und Homburg/Saar auf den Weg nach Jordanien und Israel, um Palästina kennen zu lernen. Besonders schön war, dass es keine „klassische“ Studienreise war, sondern eine Reise von Studierenden für Studierende. Drei muslimische Medizin-Studenten aus Homburg Fahmi Nasri, Tareq Nassar und Obada Amro zeigten uns ihre Heimat. Besuchen konnten wir auch Betlehem, wo uns Hazar Khalilieh, die zur Zeit an der Universität Germersheim Übersetzung studiert, zusammen mit ihrem Mann ihre Geburtsstadt zeigte.

Welch eine Freundlichkeit und Gastfreundschaft uns überall empfing. Wir waren völlig überwältigt. Dennoch spürten wir auf Schritt und Tritt auch die politischen Schwierigkeiten, die uns bisher eher theoretisch aus den Medien bekannt waren. Eckhart Stief, evangelischer Studentenpfarrer aus Kaiserslautern und Stefan Seckinger, sein katholischer Kollege, sowie Pastoralreferentin Luise Gruender begleiteten die Gruppe als Hochschulseelsorger.

Von Brüssel aus brachte uns der Flug nach Amman. Von dort aus überquerten wir die Grenze, den Jordan nach Jericho. Sofort ging es weiter nach Betlehem. Hier übernachteten wir in einem orthodoxen Pilgerhaus und besuchten die Geburtskirche. Besonders spannend war ein Gespräch mit Studierenden der KHG Bethlehem. Sie erzählten von ihren alltäglichen Sorgen und Schwierigkeiten, aber auch von ihren Freuden und Erfolgen. Zusammen gingen wir zur Grenze, die älteren unter uns erinnerten sich an die Berliner Mauer.

Besuch in Hebron und Ramallah
Geführt von Obadas Bruder fuhren wir nach Hebron und kamen in palästinensische Dörfer, die durch eine spanische NGO unterstützt werden. Am Abend besuchten wir die Al-Ibrahimi Moschee und Synagoge in Hebrons Altstadt und übernachteten bei Tareqs Oma. Der Gang durch die Altstadt, deren Hauptstraße mit einem Netz überspannt ist, damit niemand durch geworfene Gegenstände verletzt werden kann, zeigte uns offen die Schwierigkeiten des Nahostkonfliktes.

Am nächsten Morgen ging es weiter nach Ramallah. Hier besuchten wir die GIZ, also die „Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit“, die staatliche Entwicklungszusammenarbeitsorganisation der Bundesrepublik Deutschland mit Palästina, sowie das Goethe-Institut, um uns über deren Projekte und Sichtweisen zu informieren. Es blieb noch etwas Zeit für das Yasser Arafat Museum und einen Rundgang durch das Regierungsviertel Ramallahs, bevor wir von einem ehemaligen Studienkollegen Tareqs, einem Zahnarzt, zu einem leckeren Abendessen eingeladen wurden.

Aufenthalt in Jerusalem
Am vierten Reisetag ging es nach Jerusalem. Wieder hatten wir die Grenze zu passieren, wieder eine sehr unangenehme Erfahrung. Zu Fuß ging es durch die Altstadt zur Klagemauer und in den Abendmahlssaal. Der Tempelberg selbst war für uns gesperrt, am Vortag hatte es einen kleinen Anschlag gegeben.

Sehr informativ war ein Gespräch mit Benediktinerpater Elias, der aus dem Bistum Speyer stammt und jetzt in der Dormitio lebt. Er berichtete über seine Perspektive des Nahost-Konflikts und versuchte alle unsere Fragen zu beantworten. Leider konnten unsere palästinensischen Freunde nicht bei uns sein, denn sie hatten kein Visum für Jerusalem bekommen.

Grenzfahrungen
Als wir erneut die Grenze passierten, um nach Nablus zu fahren, konnten wir beobachten, wie ein Krankentransport von Palästina nach Israel abläuft, nämlich dass der Patient von einem zum anderen Krankenwagen über die Grenze getragen wird, eine Situation, die wir uns alle nicht so recht vorstellen konnten, als uns Fahmi in einem Vorbereitungsvortrag  vor unserer Reise davon berichtete. Jetzt sahen wir es live. Genauso live erlebten wir die (eingeschränkte) medizinische Versorgung in der (einzigen) Universitätsklinik Palästinas in Nablus. Sehr viele der dortigen Chefärzte haben in Deutschland studiert und berichteten uns in perfektem Deutsch über ihren hohen medizinischen Standard, aber auch über ihre Schwierigkeiten, z.B. Geräte und die passenden Ersatzteile zu bekommen. Nach einem Rundgang durch die Klinik fuhren wir weiter nach Jenin und zu Fahmis Familie. Reich beschenkt durch ein wundervolles Essen, handgemachte Seife und viele Gespräche verbrachten wir die letzte Nacht in Palästina, bevor wir wieder einmal durch die Grenze mussten, nach Jordanien. Dieses Mal brauchten wir noch länger als bei der Einreise, es waren fast drei Stunden.

Letzte Station: Amman
Ziemlich erschöpft kamen wir in Amman bei Tareqs Tante an, die uns dafür umso herzlicher empfing. Hier erlebten wir eine arabische Stadt, die neben ihrer römischen Geschichte und der Altstadt auch ein sehr modernes Gesicht hat. Nach dem Besuch der blauen Moschee wurden wir am späten Abend noch bei einer weiteren Familie sehr herzlich empfangen. Jetzt verstanden wir, dass viele Palästinenser heute in Jordanien leben, aber dass dies auch viele Schwierigkeiten mit sich bringt. Zum Beispiel darf die jordanische Ehefrau von Tareqs Cousin nicht die Heimat ihres Mannes besuchen, da die Befürchtung besteht, sie könne bei ihrem Besuch in den besetzten Gebieten, der sogenannten „Westbank“, bleiben. Wie viele Familien werden auf diese Art getrennt und können einander nicht besuchen.

Am letzten unserer Reisetage besuchten wir eine Schule für Behinderte, die Tareqs Tante leitete, eine Einrichtung, in der die Herzenswärme richtig spürbar wurde. Da es wie aus Kübeln regnete, beschlossen wir, den Nachmittag am Toten Meer zu verbringen, einige Kinder der Schule begleiteten uns dabei. Das Wasser war angenehm warm, aber selbst in der Wüste regnete es. So fuhren wir in die Stadt zurück und nahmen in einer Reflektion Abschied, bevor es mit dem Flugzeug wieder zurück nach Brüssel und in die jeweiligen Studienorte ging. Was für eine Woche, was für Eindrücke – ich werde noch eine ganze Weile brauchen, um das alles zu sortieren und zu verarbeiten!"                                   

Text/Foto: Luise Gruender

Diese Meldung und weitere Nachrichten des Bistums wurde veröffentlicht auf der Internetseite www.bistum-speyer.de

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