Bistum Speyer

Montag, 11. Oktober 2021

„Trauer beginnt nicht erst mit dem Tod“

Karl-Ludwig Hundemer, der Vorsitzende des Caritasverbandes, begrüßte die HospizbegleiterInnen.

Hospizbegleiter-Tag befasst sich mit der Zeit nach der Diagnose einer unheilbaren Erkrankung

Ludwigshafen.Am 9. Oktober, dem Welt-Hospiztag, haben sich 65 HospizbegleiterInnen aus der ganzen Pfalz zu ihrem traditionellen Jahrestreffen im Ludwigshafener Heinrich Pesch-Haus getroffen. In diesem Jahr legten die Referentin und die Workshop-Leiterinnen ein besonderes Augenmerk auf die trauernden Angehörigen und den Umgang mit ihnen.

„Der Hospizbegleiter-Tag ist eine Mischung aus Fortbildung, Begegnung, Austausch und Anerkennung“, sagte Daniela Ball-Schotthöfer, Geschäftsführerin der Ökumenischen Hospizhilfe Pfalz/Saarpfalz. Den Aspekt des Dankes griff auch der Vorsitzende des Caritasverbandes, Karl-Ludwig Hundemer, in seiner Begrüßung auf. „Die Dankbarkeit ist die Sprache des Herzens, die Sprache des Glücks und ihr Grund ist der Glaube“, sagte er. Der Hospizbegleiter-Tag werde traditionell genutzt, „ um besonderen Menschen Danke zu sagen“. Das waren in diesem Jahr Gabriele Paul aus Germersheim und Heide-Marie Junker aus Frankenthal. „Sie waren die Motoren ihrer jeweiligen Dienste und auch im Beirat der Ökumenischen Hospizhilfe engagiert“, würdigte er das langjährige Engagement der Hospizhelfer*innen, die leider nicht am Jahrestreffen teilnehmen konnten.

Hundemer erinnerte an Christa Reck, die am 3. März 2021 nach langer Krebskrankheit verstorben ist. 30 Jahre war sie in der Hospizarbeit tätig, gründete mit anderen Hospizhelfern eine eigene Hospizhelfer-Gruppe in Schifferstadt, war über 30 Jahre lang führende Kraft des Ambulanten Hospiz- und Palliativdienstes und ebenfalls viele Jahre Mitglied im Beirat der Ökumenischen Hospizhilfe. Der Domkapitular begrüßte Heike Beier, Referentin für Ambulante Hospiz- und Palliativberatungsdienste beim Diakonischen Werk Pfalz, die neu im Amt ist.

Allen gerecht werden
„Hoffnung und Schmerz – Sorgende Sensibilität für trauernde Angehörige in der Hospizbegleitung“ lautete das Thema des Vortrags am Vormittag. Ein spannendes und wichtiges Thema für die Hospizbegleiter, haben sie es bei ihrer Arbeit ja nicht nur mit dem Schwerkranken oder Sterbenden zu tun, sondern immer auch mit dessen Umfeld. Beiden gilt es gerecht zu werden.

Heidi Magerl, Supervisorin, Dozentin Palliative Care und Hospizbegleiterin, führte den Teilnehmenden zunächst vor Augen, was Trauer eigentlich ist – und wo sie anfängt: „Trauer beginnt nicht erst mit dem Tod, sie beginnt schon mit der Diagnose einer unheilbaren Krankheit.“ Daher seien die Angehörigen von Sterbenden doppelt belastet – einmal durch die Sorge um und für die Sterbenden, zum anderen durch ihre Trauer. Denn schon während der Sterbebegleitung müssen die Angehörigen von Vielem Abschied nehmen. Dies führe zu einer großen Verletzlichkeit der Angehörigen. „Trauernde Angehörige befinden sich in einer existenziellen Lebenskrise, sind vulnerabel und somit ungeschützt vor Verletzungen. Sie brauchend deshalb von uns eine erhöhte Aufmerksamkeit im Umgang mit ihnen“, betonte Magerl.

Hilfestellung für Hospizbegleiter
Was sollten Hospizbegleiter mitbringen, um Angehörige optimal zu unterstützen? Heidi Magerl nannte zunächst die Bereitschaft, sich für die Situation trauernder Angehöriger zu sensibilisieren. Wichtig sei auch, dass die Ehrenamtlichen über die Trauer und das damit verbundene Prozessgeschehen Bescheid wissen. Denn nur so könne man die Betroffenen gut unterstützen. „In der Fachwelt gilt Trauer als vielschichtiger, komplexer Prozess, den Trauernde durchleben müssen“, erläuterte sie. Aber man könne ihn bewältigen, denn Trauer sei eine Fähigkeit, die wir alle besitzen. „Eine persönliche Begleitungshaltung, eine kommunikative Begegnungskompetenz“ nannte sie als weitere Eigenschaften, die ein Trauerbegleiter brauche. Und nicht zu vergessen: „Etwas Mut!“

Wichtig war Heidi Magerl noch der Hinweis auf Kinder, die vom Tod eines Angehörigen ebenso betroffen seien und oft in ihrer Trauer übersehen werden. „Wir müssen den Fokus auf Kinder richten“, appellierte sie.

Workshops zur sorgenden Sensibilität in der Hospizarbeit
Am Nachmittag konnten die Ehrenamtlichen das Thema in verschiedenen Workshops vertiefen und sich auf unterschiedlichen Ebenen der sorgenden Sensibilität in der Hospizarbeit nähern. Heidi Magerl vertiefte in ihrem Workshop ihr Thema und erarbeitete mit den Teilnehmenden, was in der Begegnung mit Angehörigen wesentlich ist und wie sich die Hospizbegleiter für diese Situation sensibilisieren können.

Achtsamkeit – mit sich selbst und dem Anderen – stand im Zentrum von zwei weiteren Workshops, geht es doch bei der Begleitung Angehöriger und der Arbeit der Hospizhelfer darum, die richtige Balance zwischen Sorge und Selbstfürsorge zu finden. Im Vortrag von Heidi Magerl hatten die Hospizhelfer erfahren, dass für viele Menschen am Lebensende – Sterbende wie Angehörige – die Spiritualität eine wichtige Rolle einnimmt. Auch dazu gab es einen Workshop über biblische Heilungs- und Auferweckungsgeschichten. „Mit welcher Perspektive gelingt es, am Ende des Lebens, Heilsames zu entdecken?“, lautete eine der Fragen, die die Teilnehmenden diskutierten.

Musik kann als Kraftquelle dienen und unser Wohlbefinden stärken. Dies konnten die Teilnehmenden bei einem Workshop mit gemeinsamem rhythmischem Spiel erleben. Der Hospizbegleiter-Tag endete mit einem Bericht über die Ergebnisse der einzelnen Workshops. Für die 65 Ehrenamtlichen aus den Hospiz- und Palliativeinrichtungen des Bistums Speyer und der Protestantischen Landeskirche war es ein gelungener Tag. Sie waren sichtlich froh, sich endlich wiederzusehen, interessante Vorträge zu hören und miteinander zu diskutieren.

Text und Foto: Dr. Anette Konrad für den Caritasverband für die Diözese Speyer

Diese Meldung und weitere Nachrichten des Bistums wurde veröffentlicht auf der Internetseite www.bistum-speyer.de

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