Bistum Speyer

Freitag, 25. März 2022

Wenn der Krieg die Pandemie verdrängt

Internetseelsorgerin Gabriele Bamberger

Internetseelsorgerin Gabriele Bamberger bietet Menschen in Krisen Hilfe an

Speyer. „Corona ist in den Hintergrund getreten, jetzt sind es die fürchterlichen Bilder vom Krieg in der Ukraine, die die Menschen belasten und ihnen Angst machen“, sagt Gabriele Bamberger. Die Pastoralreferentin aus dem Bistum Speyer arbeitet seit sechs Jahren in der Internetseelsorge. Ratsuchende melden sich per Mail bei der Seelsorgerin und schreiben über ihre Sorgen und Nöte.

Das Beratungsangebot ist überkonfessionell, kostenlos und für die Ratsuchenden absolut anonym. Über die Webseite www.internetseelsorge.de können sie sich gezielt ihre Beraterin oder ihren Berater aussuchen, die sich dort mit Foto und Profil vorstellen. Alle sind theologisch ausgebildet und verfügen über diverse Zusatz­ausbildungen, beispielsweise in Ehe- und Familienberatung oder Trauerbegleitung.

Die Webseite internetseelsorge.dewird von acht Bistümern getragen und ist eine Einrichtung unter dem Dach der Deutschen Bischofskonferenz. 36 Beraterinnen und Berater sind dafür tätig. Die Ratsuchenden sind meist zwischen 35 und 60 Jahren alt und bei Bamber­ger sind es zu 95 Prozent Frauen. „Viele suchen mich gezielt aus. In meinem Profil steht, dass ich viele Jahre als Seelsorgerin in einer Psychiatrie gearbeitet habe. Das ist wahrscheinlich der Grund warum rund 80 Prozent derjenigen, die mir per Mail schreiben, unter einer psychischen Belastungen leiden“, berichtet die Seelsorgerin. Zu diesen Belastungen kommt jetzt der Krieg, der zuvor bestehende Probleme verstärkt, kaum verheilte Wunden wieder aufreißen lässt, Angst, Gefühle von Ohnmacht und Hilfslosigkeit bei den Ratsuchenden auslöst. Zudem sei ja auch Corona immer noch da und die Vielzahl der Probleme führe dazu, dass viele Menschen ihr schrieben „Ich kann nicht mehr, wie soll ich das alles schaffen?“

Und welchen Rat gibt Bamberger? „Ich fühle mit, teile die Gefühle, Ängste und Sorgen“, sagt sie. Ratschläge gibt sie nicht, denn diese wirkten eher wie „Schläge“. „Es ist erstmal eine Entlastung, die Ängste mitzuteilen. Ich versuche dann mit den Ratsuchenden gemeinsam einen Weg heraus zu finden.“ So hat zum Beispiel ein Mann eine Sammelaktion für Hilfsgüter für Menschen in der Ukraine organisiert und damit einen Weg aus der Angst und Ohnmacht angesichts der Situation gefunden. Manchen hilft auch, den Medienkonsum einzuschränken und nur noch einmal am Tag Nachrichten anzusehen oder zu hören, um die durch Krieg ausgelöste Angst in den Griff zu bekommen, erklärt Bamberger. „Es geht darum herauszufinden, was Menschen in der Krise stabilisieren, ihnen Mut machen kann.“ Manche fragten sich „darf ich selber noch leben, wenn so viele sterben“ oder „ich traue mich nicht mehr zu lachen“. Mit einer Frau, die gerade eine Chemotherapie bewältigt habe, und sich die Frage stelle, warum Gott so viel Leid zulasse, habe sie entdeckt, dass es ihr gut tue aktiv zu werden und Briefe für Amnesty international zu schreiben.

„Viele Menschen schreiben nachts“, berichtet Bamberger. Wer sich an Sie wendet, erhält spätestens nach zwei Tagen eine Antwort. Sie arbeitet halbtags; im Durchschnitt melden sich vier bis sechs Menschen am Tag, in Krisenzeiten auch mehr. Die Anonymität des Internets sei ein Vorteil: Bei schambesetzten The­men wie Schulden, Missbrauch, Sucht, Sexualität und Suizidgedan­ken trauten sich Menschen, eher anonym zu schreiben, als zum Beispiel in Präsenz eine Beratung aufzusu­chen.

Die Internetseelsorgerinnen und –seelsorger schreiben unter ihrem Vornamen, der ja – mit der Profilbeschreibung – auf der Webseite veröffentlicht ist. „So wissen die Ratsuchenden, wer mit ihnen ‚redet‘, so Bamberger. Manche Menschen begleitet sie eine lange Zeit, die meisten melden sich in einer schweren Lebens- oder Glaubenskrise. Einige benötigen auch weitere Unterstützung durch spezialisierte Angebote,  wie zum Beispiel eine Schuldnerberatung, auf die sie dann hinweist.

Geht es um hochakute Notsituationen, um suizidale Gedanken, sollten sich Ratsuchende an die Telefonseelsorge wenden, da deren Beraterinnen und Berater auch nachts oder am Wochenende direkt unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 111 0 111 ansprechbar sind. Für Kinder, Jugendliche und Junge Erwachsene bis 25 Jahren stehen rund um die Uhr zudem auch ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Krisen-Chat zu Verfügung.

Mehr Information:
www.internetseelsorge.de

www.telefonseelsorge.de

www.krisenchat.de

Foto: Björn Kray Iversen

Diese Meldung und weitere Nachrichten des Bistums wurde veröffentlicht auf der Internetseite www.bistum-speyer.de

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