Bistum Speyer

Freitag, 19. August 2016

Integration durch Qualifikation in der Pflege

Erfolgreicher Start Projekt Förderung von Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf in Ausbildung und Beruf

Ludwigshafen. Im Juni wurde im St. Marien- und St. Annastiftskrankenhaus Ludwigshafen das Projekt „Förderung von Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf in Ausbildung und Beruf“ mit Teilnehmenden aus verschiedensten Herkunftsländern gestartet. Ziel des durch die Agentur für Arbeit und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geförderten Projektes verschiedener Kooperationspartner, die alle über große Erfahrung im Bereich Integration, Migration und Schulung und Ausbildung verfügen, ist es Menschen mit Fluchterfahrung und andere Migranten für den erfolgreichen Start einer Pflegetätigkeit zu qualifizieren. Heute stellten die Verantwortlichen das Projekt im Rahmen eines Pressegespräches der Öffentlichkeit vor. Auch die Teilnehmer waren vollzählig erschienen.

„Gut ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind wichtiger Garant für eine menschliche und der Situation angemessene Pflege – auch in der Zukunft. Gleichzeitig besteht mit den Flüchtlingen ein Zuwachs an jungen Menschen mit unterschiedlicher Bildung und verschiedensten Qualifikationen und kulturellen Hintergründen, die neue Lebensperspektiven suchen und sich aktiv in die Gesellschaft integrieren wollen“, erklärt Rita Schwahn, vom Pflegemanagement des St. Marien- und St. Annastiftskrankenhaus den Hintergrund des von ihr initiierten Projektes. Nach der Projektidee im März holte sie gemeinsam mit der Integrationsbeauftragten der Stadt Hannele Jalonen viele weitere Kooperationspartner ins Boot. Danach ging es dann ganz schnell. Gemeinsam mit der Agentur für Arbeit Ludwigshafen haben Vertreter des Pflegemanagements und der Pflegeschule des St. Marien- und St. Annastiftskrankenhauses, der Stadt Ludwigshafen, des Programm ESF-BAMF berufsbezogener Sprachkurs, des AAW Arbeitskreis für Aus- und Weiterbildung e. V. und des CJD Rhein-Pfalz/Nordbaden Ziele benannt, Herausforderungen geprüft und Möglichkeiten der Förderung der Qualifizierung und Integration erarbeitet.

„Bereits jetzt gibt es einen Mangel an qualifizierten Kräften in der Pflege in der Metropolregion Rhein-Neckar, offene Stellen können nicht mehr oder nur mit großem Aufwand und zeitverzögert besetzt werden“, ergänzt Marcus Wiechmann, Geschäftsführer der St. Dominikus Krankenhaus und Jugendhilfe gGmbH, Träger des Ludwigshafener Krankenhauses der Schwerpunktversorgung. Für ihn und seine Mitarbeiter ein wichtiger Grund sich in diesem Feld zu engagieren. Integration sei für das Ludwigshafener Krankenhaus schon lange ein großes Anliegen. Froh sind Wiechmann und Schwahn auch über das große Interesse der anderen Kooperationspartner, die die qualitative Vorbereitung, die aufwendige Auswahl der Teilnehmenden und den Start im Juni möglich machten.

Die zwölf Teilnehmer stammen aus Syrien, Eritrea, Somalia, Aserbeidschan, Pakistan, Afghanistan, Ägypten, Russland, dem Irak und Rumänien, sind 18 bis 41 Jahre alt und wohnen in Frankenthal, Ludwigshafen, Speyer und dem Rhein-Pfalz-Kreis. Für alle ist das Projekt ein wichtiger Baustein ihrer erfolgreichen Integration in der Metropolregion. Nach Vorauswahl durch die Agentur für Arbeit fand im Mai 2016 ein zweitägiges Auswahlverfahren mit Assessment-Center an der Pflegeschule des St. Marien- und St. Annastiftskrankenhaus statt. Identifiziert wurden Menschen mit hoher Affinität für den sozialen Bereich und großer Motivation, teilweise mit Vorerfahrungen in ihrem Heimatland (begonnenes Medizinstudium und andere Studien, Ausbildung oder Erfahrung im Pflegebereich), fast alle mit Fluchthintergrund, bis auf Ausnahmen ein bis zwei Jahre in Deutschland und mit verschiedenen Niveaus bei den Deutschkenntnis. „Das Projekt bedeutet für mich sehr viel. Es ist ein Ausgangspunkt, der mir neue Hoffnung und eine zweite Chance gibt. Ich setze mich hier ein, um meine Träume verwirklichen zu können“, berichtet der 30-jährige Ali Hassan Barre aus Somalia. Damit spricht er auch für die anderen Projektteilnehmer wird deutlich. Er ist seit zwei Jahren in Deutschland und studierte unter anderem bereits mehrere Jahre in Libyen Medizin. Seit Heimatland musste er wegen des Krieges verlassen, auch in Libyen fühlte er sich nicht mehr sicher und kam deshalb nach Europa, schildert er. „Es gilt, unseren Grundsätzen mit Vernunft und Humanität zu dienen. Das Projekt ist interessant und wichtig als Start in Deutschland. Es ist gut, gemeinsam mit anderen Flüchtlingen darauf zu hoffen nach dem Praktikum eine Chance zu bekommen“, beschreibt Basra Mahamed Ali, 26 Jahre, ebenfalls aus Somalia. Die Mutter von fünf Kindern arbeitete vor etwa zehn Jahren als Krankenpflegerin in Somalia und kam 2013 nach Deutschland.

Sie und die anderen Teilnehmer sind bis zum Dezember jeden Wochentag vier Stunden auf verschiedenen Stationen des St. Marien- und St. Annastiftskrankenhauses eingesetzt. Dazu erhalten sie durch den Bildungsträger AAW an drei Nachmittagen theoretischen Unterricht, an zwei Nachmittagen führt der CJD einen berufsbezogenen Sprachkurs durch. Nach erfolgreicher Absolvierung sollen die Teilnehmenden im Dezember den Abschluss Pflegeassistenz und das Sprachniveau B2 erreichen. Eine gute Grundlage für den erfolgreichen Einstieg in eine Ausbildung mit Zukunft, sind sich alle Verantwortlichen einig. Je nach Schulqualifikation gibt es für sie die Möglichkeit, die einjährige Ausbildung Krankenpflegehilfe oder dreijährige Ausbildung Gesundheits- und Krankenpflege an der Pflegeschule des St. Marien- und St. Annastiftskrankenhauses anzuschließen. Alternativ beginnt ab Januar ein Projekt mit dem Ziel Hauptschulabschluss, danach ist dann die einjährige Ausbildung Krankenpflegehilfe möglich.

„Hier können sich die Praktikanten durch den jeweiligen Unterricht sprachlich und fachlich weiterentwickeln und dies dann gleich in der Praxis umsetzen. Die Teilnehmer meistern mit deutschsprachigen Kollegen ihren Alltag auf Station, was ebenfalls entscheidend zu ihren Sprachkenntnissen beiträgt“, schildert Michele Berger, Projektmitarbeiterin des St. Marien- und St. Annastiftskrankenhauses. Die 30-jährige Gesundheits- und Krankenpflegerin ist als Praxisanleiterin für den Praxisteil zuständig, vertieft im Unterricht Gelerntes am Patientenbett, kümmert sich um Krankmeldungen oder die wichtigen Weiterbildungen in Brandschutz und Hygiene. Ihre enge Betreuung der Projektteilnehmer ist ein wesentlicher Baustein dafür, dass die Projektteilnehmer ihr Praktikum im Alltag gut absolvieren können. Gefragt ist sie auch, wenn es durch kulturelle und religiöse Verschiedenheiten zu Missverständnissen kommt.

Jeanette Pandza, Geschäftsführerin Operativ der Agentur für Arbeit Ludwigshafen: „Eine zeitnahe und nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt ist unser Ziel. Gerade im Bereich der Pflege bieten sich sehr guten Beschäftigungschancen. Durch die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten erwerben die Teilnehmenden die notwendigen Kompetenzen und stehen den Unternehmen der Region im Anschluss an das Projekt als Pflegeassistenz zur Verfügung.“ Der AAW e. V. ist ein privater Bildungsträger mit seinem Hauptsitz in Landau/Pfalz, der vor allem für die Bundesagentur für Arbeit und die Jobcenter tätig ist und dabei als gemeinnützig anerkannter Bildungsträger mit seinen Bildungsveranstaltungen, Projekten und Beratungen einen kompetenten Beitrag zur beruflichen Qualifizierung leistet, berichtet Sandro Müller, stellvertretender Geschäftsstellenleiter. „In den Bereichen der beruflichen Weiterbildung führt der AAW e. V. eine Vielzahl von unterschiedlichen Seminaren, Lehrgängen, Vorträgen, Beratungen und sonstigen Bildungsveranstaltungen durch.“ Das CJD (Christliches Jugenddorfwerk Deutschlands, gemeinnütziger e.V.) Ludwigshafen ist als Bildungsträger im Bereich Berufsvorbereitung, berufliche Bildung, Migration und Integration aktiv, erklärt Regine Meyer, Abteilungsleitung im Verbund Rhein-Pfalz/Nordbaden des CJD und ergänzt: „Die Besonderheit dieses Projektes zur beruflichen Integration von Menschen mit Migrationshintergrund liegt für uns in der engen Zusammenarbeit von Agentur für Arbeit, dem St. Marien- und St. Annastiftskrankenhaus als Arbeitgeber und ausbildendem Krankenhaus, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und den Bildungsträgern AAW und CJD.“ „Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ist das Kompetenzzentrum für Migration und Integration in Deutschland. Hieran anknüpfend wurde das Bundesamt auch mit der Durchführung der bundesweiten berufsbezogenen Deutschförderung aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF-BAMF-Programm) beauftragt“, so Patrik Rauber, Außendienstmitarbeiter Europäischer Sozialfonds (ESF) und Berufsbezogene Deutschsprachförderung, Referat 322 des Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Das Projekt „Förderung von Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf in Ausbildung und Beruf“ wird im Hinblick auf den berufsbezogenen Deutschunterricht über dieses ESF-BAMF-Programm finanziert.

Zusätzlich wird das Projekt durch Spender unterstützt. Dies ermöglicht unter anderem die intensive Begleitung im praktischen Einsatz. „Migration und Flucht ist eine gesellschaftliche Herausforderung, die uns alle angeht – Familien, Vereine, Kommunen, Unternehmen. Dem wollen wir mit den sozialen Projekten, die die BASF unterstützt, Rechnung tragen und zu besseren Voraussetzungen für eine gute Lebenswelt in unserer Nachbarschaft beitragen. Und vor allem möchten wir die Menschen und Initiativen unterstützen, die sich der Herausforderung mit viel Engagement und guten Ideen stellen“, sagt Beate von Borcke, Spenden & Sponsoring, BASF SE.

Projekt konkret

6. bis 8. Juni 2016
Theorieteil

9. Juni bis Dezember 2016
Praktischer Einsatz
Montag-Freitag, 8.00-12.00 Uhr
Stationen des St. Marien- und St. Annastiftskrankenhaus

Theoretischer Unterricht
dreimal wöchentlich, nachmittags
durchgeführt vom AAW im St. Annastiftskrankenhaus

ESF-BAMF berufsbezogener Sprachkurs
zweimal wöchentlich, nachmittags:
durchgeführt vom CJD im St. Annastiftskrankenhaus

Ziel
Abschluss Pflegeassistenz und Sprachniveau B2

Weiterer Weg nach Projekt
Einjährige Ausbildung Krankenpflegehilfe oder dreijährige Ausbildung Gesundheits- und Krankenpflege (je nach Schulqualifikation)

Alternativ ab Januar Projekt mit Ziel Hauptschulabschluss, danach einjährige Ausbildung Krankenpflegehilfe, danach die Möglichkeit zur dreijährigen Ausbildung

Text: Katja Hein

Diese Meldung und weitere Nachrichten des Bistums wurde veröffentlicht auf der Internetseite www.bistum-speyer.de

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