Bistum Speyer

Montag, 30. September 2019

„Alles kann zu Gott führen“

Diözesanpräses Pfarrer Michael Baldauf nahm in seiner Predigt Hildegard von Bingen in den Blick.

Diözesanpräses Pfarrer Michael Baldauf nimmt Hildegard von Bingen in den Blick – „Sinnenfrohe Spiritualität“ – Kolpingsenioren in Winnweiler

Kaiserslautern / Winnweiler. „Man müsste ihre Liebe zu Gott und den Seelen und ihren klaren Blick über die Zeit haben, um sich mit ihr in die Bilder des Ewigen zu vertiefen.“ Mit diesem Zitat Adolph Kolpings über Hildegard von Bingen resümierte Diözesanpräses Pfarrer Michael Baldauf (Heßheim) seine Predigt über die große Mystikerin beim diesjährigen Seniorentag des Kolpingwerkes in der Pfarrkirche Herz Jesu, Winnweiler.

120 Seniorinnen und Senioren aus der ganzen Diözese Speyer feierten einen bewegenden Gottesdienst, in dessen Mitte Pfarrer Baldauf ganz die Kirchenlehrerin des Mittelalters stellte, die 40 Jahre auf dem pfälzischen Disibodenberg gelebt hat, und deren Gedenktag sich an diesem Tag jährte. Mit am Altar stand Diakon Andreas W. Stellmann, der Diözesanvorsitzende des Kolpingwerkes.

Baldauf verdeutlichte in seiner Predigt: Hildegard von Bingen, eine Universalgelehrte ihrer Zeit, Äbtissin, Dichterin und Komponistin, habe ihre Epoche wesentlich mitgeprägt. Als Zeitgenossin Kaiser Barbarossas sei sie in eine unruhige Zeit hineingeboren worden. Obwohl zum klösterlichen Leben bestimmt, habe die prophetisch begabte Frau hinaustreten müssen in die Öffentlichkeit, um vielen Menschen Weisung und Orientierung zu geben. „Es gibt Vieles, wofür man diese vielseitig begabte und interessante Frau bewundern kann. Aber damit lässt sich noch nicht erklären, weshalb Hildegard von Bingen gerade heute wieder so viele Menschen in ihren Bann zieht“, sagte der Prediger. Es müsse etwas Kostbares sein, das wir Heutigen ganz nötig hätten. Das Stichwort heiße: „Ganzheitlich leben“.

Es scheine so, dass Spezialisten sich die Welt unseres Jahrhunderts unter sich aufgeteilt hätten, und alle verstünden immer mehr von immer kleineren Ausschnitten der Wirklichkeit.  Das Leben selbst scheine sich aufzulösen in einzelne Teilbereiche, die in sich selbst zwar funktionieren, aber kein Ganzes mehr bilden. Wer die Wirklichkeit und sich selbst so funktional erlebe, tue sich gewiss nicht leicht, das Leben anzunehmen, wie es nun einmal ist: „schwer und schön zugleich – voller Armseligkeit und doch unendlich reich – öde und fruchtbar – fremd und heimatlich vertraut – vom Tod umstellt und doch besiegelt mit der Verheißung Gottes.“ Hildegard sei beseelt gewesen von der Gewissheit, dass Gott alles zum Guten führen wird, was wir mit menschlichen Kräften beginnen, denn „Gott ist gut, und alles was in ihm seinen Anfang nimmt, ist gut.“

Mit dieser Zuversicht habe Hildegard Mensch und Welt sehen können, wie sie sind, ohne zu idealisieren, ohne zu verteufeln und - ohne zu moralisieren. Ohne jede Scheu, so der Diözesanpräses, beschreibe sie in ihren Schriften die Triebkräfte, die sie in sich selbst und an anderen wahrnimmt: Hunger und Durst, das Verlangen nach Nähe und Geborgenheit, die Sehnsucht nach Glück und Sinn. Und mit derselben Unbefangenheit benenne sie die dunklen, destruktiven Kräfte, die sich dem Heilwerden und Gelingen des Lebens immer wieder in den Weg stellen. „Alles was ist, darf sein; nichts muss geleugnet oder verdrängt werden, weil alles zu Gott führen kann, wenn ich bereit bin, mich durch die Sehnsucht meines Leibes, meiner Seele, meines Geistes zu Gott führen zu lassen“, so Pfarrer Baldauf wörtlich.

Hildegards Spiritualität sei geradezu sinnenfroh, sie überfordere nicht, sondern nehme Maß am Menschen. Die Benediktinerin habe die Erde geliebt und sei den Menschen zugewandt gewesen. Viele, die zu ihr kamen, hätten in ihr einen Menschen gefunden, der die Spannweite des Lebens kannte und den Mut hatte, zu sagen, was zu sagen ist, „realistisch und solidarisch, kritisch und barmherzig, herausfordernd und ermutigend.“

Hildegard habe die Gabe des Schauens besessen. „Sie sah die Wirklichkeit in aller Schärfe, und sie sah zugleich weiter, tiefer, mehr als andere; sie sah gewissermaßen hinter die Dinge und durch sie hindurch. Das äußere Schauen ging über in das innere, das natürliche in das visionäre. Weil sie den Himmel ebenso liebt wie die Erde, sah sie in jedem Detail der Schöpfung das Ganze, den großen Zusammenhang alles Geschaffenen in der Liebe des Schöpfers – und im Ganzen des Universums zugleich das Einzelne und Besondere.“

Zusammenschauen, was zusammengehört – das habe Hildegard gekonnt, und das mache sie 840 Jahre nach ihrem Tod so aktuell und anziehend. Die Voraussetzung für dieses Schauen sei ein Herz, das weit ist und frei, bereit, die Wirklichkeit zu lieben. „Die Frucht solchen Schauens ist ein Leben, das in aller Armut und Begrenztheit reicher wird, wahrhaftiger und nicht zuletzt – lebendiger“, sagte abschließend der Prediger.

Nach dem Gottesdienst setzte sich das Programm im Bürgerhaus Winnweiler fort: Die Seniorinnen und Senioren wurden von der Seniorenbeauftragten des Diözesanverbandes, Gisela Schroth (Dirmstein), und vom Vorsitzenden der Kolpingsfamilie Winnweiler, Markus Schreiber, begrüßt. Nach dem Mittagessen fand ein kleines Besichtigungsprogramm statt. Im Eiskeller der Craftbeer-Brauerei Schnorres fand eine Bierprobe großen Zuspruch. Anschließend ging vor allem das Singen besser.

Eine Entdeckung war für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Jüdische Museum Winnweiler. Der Hauptschwerpunkt des Museums ist die Geschichte des Judentums in der Nordpfalz, Heimatkunde der Region, das Wirken der Familie Gienanth für die Eisenverarbeitung im Raum Winnweiler und der Wartenberger Maler Ludwig Götz. Weitere Möglichkeiten für die Senioren waren eine Besichtigung der Kreuzkapelle sowie ein gemeinsames Singen im Festhaus. Eine Kaffeetafel beschloss den Diözesanseniorentag 2019. Gisela Schroth dankte im Namen des Kolping-Diözesanverbandes der örtlichen Kolpingsfamilie, namentlich dem Vorsitzenden Markus Schreiber, und Dorothea Fuchs vom Kolpingbüro in Kaiserslautern für die hervorragende Organisation des Seniorentages. Die Veranstaltung endete mit dem gemeinsamen Singen des Kolpingliedes.

Text/Foto: Kolping

Diese Meldung und weitere Nachrichten des Bistums wurde veröffentlicht auf der Internetseite www.bistum-speyer.de

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