Bistum Speyer

Mittwoch, 04. April 2018

Bordsteinkanten und andere Hindernisse meistern

Reha-Fachberater Gerhard Seither vom Sanitätshaus Römer in Herxheim berät Gretel Wüst.

Das Caritas-Altenzentrum St. Martha bietet seit einigen Jahren regelmäßig gemeinsam mit Polizei und einem Sanitätshaus für Bewohner ein Training mit dem Rollator an

Speyer. Rollatoren sind eine prima Sache. Sie geben Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, Sicherheit und helfen ihnen, schneller voran zu kommen. Aber die „Gehhilfen“ sollten regelmäßig gewartet werden, und auch der Umgang mit Rollatoren sollte geübt werden. Daher findet im Caritas-Altenzentrum St. Martha schon seit Jahren regelmäßig ein Rollatorentraining mit der Polizei statt, denn die Mehrheit der Bewohner nutzt im Alltag einen Rollator, hebt Einrichtungsleiterin Gudrun Wolter hervor.

Erstmals war in diesem Jahr auch Reha-Fachberater Gerhard Seither vom Sanitätshaus Römer in Herxheim mit dabei. Er ist auch sonst regelmäßig im Altenzentrum zu Besuch und kümmert sich um Probleme mit Rollatoren. Am Aktionstag unterzog er nun alle Rollatoren einer gründlichen Inspektion. 

Bei vielen musste er die Bremsen nachstellen. Das sei ganz normal, sagt er, denn durch die Abnutzung werde der Abstand zwischen Bremse und Rad größer und die Räder würden bei angezogener Bremse durchrutschen. „Das ist gefährlich, wenn sich die Senioren auf den Rollator setzen und die Bremse angezogen haben und er dann wegrutscht“, erklärt er. Hin und wieder stellt er fest, dass die Höhe nicht optimal ist. „Die Griffe sollten sich etwa auf Handgelenkshöhe befinden“, erklärt er. Auch wenn das im ersten Moment niedrig scheine, sei es doch wichtig, weil sich die Senioren abstützen könnten, wen sie stolpern sollten. Wichtig sei es, dass die Griffe gleich hoch seien, sagt Seither und misst lieber genau nach. Sonst bekommen die Nutzer über kurz oder lang Probleme mit dem Rücken oder der Hüfte. Sein Tipp: „er ein Rezept für einen Rollator bekommt, sollte sich unbedingt in einem Sanitätshaus persönlich beraten lassen.

Einige Senioren berichten über konkrete Mängel an ihren Rollatoren. „Der macht, was er will“, sagt eine ältere Dame und zeigt auf die wackelnden Räder. „Die Radlager sind kaputt, ich tausche sie aus, wenn ich das nächste Mal komme. Das kostet Sie nichts“, verspricht Seither. Die rutschenden Handgriffe, über die sich eine andere Bewohnerin ärgert, hat er schnell behoben. „Das geht mit Haarlack. Einfach auf die Stange sprühen und die Griffe wieder draufstecken“, erklärt er der staunenden Seniorin. 

Am Ende klebt er eine Plakette auf jedes überprüfte Gerät und gibt freie Fahrt für den Parcours mit Polizeihauptkommissar Matthias Michel. Einen Satz, den er bereits kennt, hört er auch an diesem Tag öfter: „Eigentlich bräuchte ich den Rollator gar nicht, ich kann auch so laufen, aber mit fühle ich mich sicherer.“ Michel findet, dass sich niemand dafür schämen müsse, einen Rollator zu benötigen, im Gegenteil, das Hilfsmittel bringe neue Lebensqualität. 

Leider bekommt er als Polizist der Verkehrswacht auch immer wieder mit, dass Senioren stürzen, wenn sie beispielsweise mit dem Rollator einen Bordstein hinauf oder hinunter gehen. Deshalb hat er einen Parcours aufgebaut, mit dem er schwierige Alltagssituationen nachstellt. Los geht es auf der Rampe hinunter in den Garten zum ersten Hindernis,  einer Tür, die die Senioren öffnen, hindurchgehen und hinter sich wieder schließen sollen. Es erfordert schon ein bisschen Koordination, dass dabei fast immer mindestens eine Hand am Griff des Rollators ist. 

Der Slalomlauf um die Hütchen danach ist da viel einfacher. Doch da die Abstände immer geringer werden, müssen die Senioren immer weiter ausholen, um herumzukommen, ohne den Rollator anzuheben. Weiter geht es in den „Aufzug“, nachgestellt durch ein Rechteck aus Hütchen: Vorwärts hinein, rückwärts hinaus -  Das sei gerade für Rollator-Neulinge nicht so einfach, erklärt Michel, da sie sich beim Rückwärtsgehen nicht abstützen können und sich unsicher fühlen. 

Eine Herausforderung für die Senioren stellen auch Bordsteinkanten nach, simuliert durch eine Palette. Rauf, rüber, runter – das klingt einfacher als es ist. Tatsächlich muss einiges dabei beachtet werden und beim Hinaufsteigen müssen zumindest die Vorderräder des Rollators angehoben werden. „Da machen sich die Unterschiede bei den Rollatoren bemerkbar. Da kommt es auf stark das Gewicht an“, sagt Michel.

Letztlich schaffen alle Teilnehmer den Parcours. Für die wenigen Neulinge am Rollator war es eine größere Herausforderung, andere haben sogar schon zum sechsten Mal daran teilgenommen, aber festgestellt, dass man immer etwas Neues dazulernen kann. Am Ende bekommen alle eine Urkunde.

Text/Foto: Caritasverband der Diözese Speyer

Diese Meldung und weitere Nachrichten des Bistums wurde veröffentlicht auf der Internetseite www.bistum-speyer.de

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