Freitag, 06. Februar 2026
Tragischer Brand vernichtet Kälteiglus auf der Pfarrwiese St. Martin

Brennendes Zelt der Obdachlosen auf der Pfarrwiese St. Martin Kaiserslautern © Kath. Kirchengemeinde Hl. Martin, Kaiserslautern
Kaiserslautern. In der Nacht von Mittwoch, 4. Februar, auf Donnerstag, 5. Februar, vernichtete ein tragischer Brand eines der Zelte für Obdachlose auf der Pfarrwiese St. Martin.
"Kurz vor 1 Uhr nachts hörte ich mehrere heftige Explosionen vor meinem Arbeitszimmer, vermutlich durch brennende Handyakkus verursacht", berichtet Pfarrer Andreas Keller. "Als ich durchs Fenster schaute, sah ich eines der Zelte lichterloh brennen. Ich rief sofort die Feuerwehr und rannte vor Ort, um nach den Menschen zu sehen. Gottlob war keiner zu Schaden gekommen".
Die Brandursache ist unbekannt, aber der Schaden enorm. Die Obdachlosen haben ihre wenigen Habseligkeiten verloren, darunter Fotos ihrer Angehörigen, die für sie unersetzlich sind. "Sechs der zehn Kältiglus sind verbrannt, außerdem nahezu alle Schlafsäcke, Isomatten und die Winterkleidung. Eines der Zelte ist abgebrannt, das andere schwer beschädigt. Allein der Schaden der Zelte und der Iglus beträgt ca. 10.000 Euro, so Pfarrer Keller.
"Die Obdachlosen sind verzweifelt", erzählt der Pfarrer. "Die Kälteiglus auf der Pfarrwiese waren ihre letzte Zuflucht vor Bodenfrost und Kälte."
Wer helfen möchte, ist eingeladen, auf das Konto der Pfarrei zu spenden:
Kath. Kirchengemeinde Hl. Martin
IBAN DE04 5405 0220 0000 6400 60
Sparkasse Kaiserslautern
Stichwort: Obdachlose
Text: Kath. Kirchengemeinde Hl. Martin, Kaiserslautern
Licht in Zeiten der Verunsicherung
Ein Zwischenruf von Prof. Dr. Christopher Wolf, ehrenamtlicher Diözesanleiter des Malteser Hilfsdienst im Bistum Speyer
Speyer, 9. Februar 2026. Wir erleben seit Tagen eine beunruhigende Häufung von Gewaltereignissen: den Blackout nach dem Anschlag in Berlin, den Tod eines Gerichtsvollziehers in Bexbach, der im Dienst angegriffen wurde, den tödlichen Übergriff auf einen Bahnmitarbeiter in einem Regionalzug nach Homburg/Saar und schließlich den Brandanschlag auf Kälteschutzeinrichtungen für obdachlose Menschen in Kaiserslautern. Die vergangenen Tage haben uns im Bistum Speyer schmerzlich gezeigt, wie fragil unser Zusammenleben ist.
Diese Ereignisse stehen nicht für sich. Sie verweisen auf eine Dynamik, die uns als Gesellschaft und als Kirche herausfordert: zunehmende Gewalt gegen Menschen, die für andere Verantwortung tragen, und gegen jene, die besonders verletzlich sind. Es sind Angriffe auf die Schwächsten – und auf diejenigen, die ihnen beistehen.
Beim Brandanschlag in Kaiserslautern haben obdachlose Menschen ihre wenigen und höchstpersönlichen Habseligkeiten verloren und wir Malteser erlitten durch die zerstörten Zelte Schaden.
Als Diözesanleiter des Malteser Hilfsdienstes im Bistum Speyer beschäftigt mich dies nicht nur organisatorisch, sondern auch menschlich und theologisch. Die Frage, wie eine Gesellschaft mit ihren Schwächsten und ihren Helfenden umgeht, ist letztlich eine Frage danach, welche Werte unser Zusammenleben im Kern tragen und prägen.
Die Kraft der Solidarität: Wo Dunkelheit auf Widerspruch trifft
Gleichzeitig erlebe ich – und dafür bin ich zutiefst dankbar – eine beeindruckende Kraft des Guten: spontane Hilfsbereitschaft, die Solidarität der Pfarrei Heiliger Martin in Kaiserslautern, breite Unterstützung aus Stadt, Kirche und Öffentlichkeit. Diese Erfahrung zeigt: Wir werden nicht von der Dunkelheit definiert, sondern von der Hoffnung, die wir gemeinsam weitertragen.
Die Malteser im Bistum Speyer engagieren sich seit Jahrzehnten in der Notfallvorsorge, im Katastrophenschutz und vor allem im sozialen Dienst an den Verwundbarsten unserer Gesellschaft. Unsere Mitglieder, unsere Helferinnen und Helfer stehen dafür ein, dass Menschen in Not nicht allein bleiben. Wir begleiten ältere und isolierte Menschen, unterstützen Wohnungslose, bilden junge Menschen aus und leisten Hilfe dort, wo staatliche Strukturen allein nicht ausreichen. Unser Leitmotiv „…weil Nähe zählt.“ bringt dabei zum Ausdruck, was uns trägt: den Auftrag zur gelebten Nächstenliebe, die Präsenz, Zeit und Mitmenschlichkeit schenkt.
Dass dabei Haupt- und Ehrenamt sowie unsere „Blaulichtfamilie“ Hand in Hand arbeiten, ist ein Wesenselement unserer Stärke – und in diesen Wochen erneut sichtbare Wirklichkeit geworden. Nach dem Brandanschlag konnten – u.a. auch durch die Unterstützung durch die Stadt Speyer - innerhalb kürzester Zeit wieder Schutzträume schaffen. Dass das möglich war, ist dem Zusammenwirken vieler zu verdanken. Dieses Miteinander trägt unseren Dienst – und es schützt Leben.
Das Evangelium dieses Sonntags spricht eine zentrale Wahrheit aus: „Ihr seid das Licht der Welt.“ Licht zeigt seine Kraft nicht im Hellen, sondern dort, wo Dunkelheit beginnt. Für mich bedeutet das: Christlicher Dienst ist kein Rückzugsort vor der Welt, sondern eine gelebte Haltung, die inmitten einer oft brüchig gewordenen Wirklichkeit Bestand hat.
Doch eine solche Haltung verlangt auch Achtsamkeit. Seit Jahren begleitet mich der Gedanke: Wir müssen aufeinander aufpassen. Nur wer füreinander Sorge trägt, kann verlässlich für andere da sein. Das gilt für unsere Verbände, für unsere Pfarreien, für unsere gesamte Diözese.
Helfen, wo Hilfe jetzt gebraucht wird
Damit wir unsere Arbeit für Menschen in Not fortsetzen können – und besonders in Krisensituationen schnell und wirksam handeln können –, sind wir auf Unterstützung angewiesen. Jede Spende hilft uns, zerstörte Strukturen zu ersetzen, obdachlosen Menschen beizustehen und den Schutz der Schwächsten zu gewährleisten.
Gewalt und Erschütterung mögen Schlagzeilen bestimmen – aber unser Auftrag, unsere christliche Hoffnung und das Evangelium weisen weiter. Sie rufen uns dazu auf, Licht zu sein: gemeinsam, entschlossen, mitfühlend – und getragen von der Zuversicht, dass Gottes Nähe auch dort aufscheint, wo Menschen einander beistehen.
Prof. Dr. Christopher Wolf
Diözesanleiter der Malteser im Bistum Speyer
Diese Meldung und weitere Nachrichten des Bistums wurde veröffentlicht auf der Internetseite www.bistum-speyer.de







































