Bistum Speyer

Montag, 06. Juli 2026

Spenden und Engagement machen Sanierung des Ölbergs möglich

Architektin Marta Schiedermaier, Dombaumeisterin Hedwig Drabik, der Vorstandsvorsitzende des Dombauvereins Prof. Dr. Gottfried Jung und Domdekan Dr. Georg Müller (v.l.n.r.) begutachten den aktuellen Stand der Arbeiten © Domkapitel Speyer, Foto: Klaus Landry

Dombauverein ermöglicht unterstützt Restaurierung eines Kleinods

Speyer. Anlässlich seines 30-jährigen Bestehens hat der Dombauverein die Sanierung des Ölbergs auf der Südseite des Doms zu seinem Förderprojekt gemacht. Nach Abschluss der Voruntersuchungen und der Ausschreibung der verschiedenen Gewerke konnte der Verein Spender für die Maßnahme gewinnen, so dass die Arbeiten inzwischen begonnen haben. Das Domkapitel und der Dombauverein informierten nun bei einem Vor-Ort-Termin über den Stand der Arbeiten und die Höhe der eingegangenen Spendensumme.

Der Vorsitzende des Vorstands Dr. Gottfried Jung sagte hierzu: „Wir sind überwältigt von dem Erfolg unserer Jubiläums-Aktion. Mit den Figurenpatenschaften und weiteren Spenden konnten wir bis dato mehr als 95.000 Euro für die Restaurierung des Ölbergs einwerben. Ein gigantischer Erfolg, der einmal mehr von der großen Identifikation der Menschen in der Region mit unserem Dom und dem mit ihm verbundenen baulichen Erbe zeugt. Dem Ölberg als Kleinod der Bildhauerkunst wieder zu einem würdigen Zustand verhelfen zu können, erfüllt uns mit Freude und Stolz.“

„Der Ölberg spielt in der Geschichte und Gegenwart unseres Doms eine wichtige Rolle und zeugt in eindrücklicher Form von unserem Glauben“, sagte Domdekan Dr. Müller. „Durch den Ideenreichtum im Vorstand des Dombauvereins war es möglich, mit einer eindrucksvollen Spendenaktion, die notwendigen Mittel zur Sanierung dieser Monumentalskulptur zu mobilisieren. Es ist sehr bewegend zu sehen, wie viele Menschen bereit sind, sich persönlich für den Erhalt des Ölbergs im südlichen Domgarten zu engagieren. Das Domkapitel ist sehr dankbar für diese Imitative.“

Dombaumeisterin Hedwig Drabik betonte die hohe künstlerische Qualität der Figuren und der Steinplastik. „Sowohl die Figuren aus dem 19. Jahrhundert von Gottfried Renn als auch die Reste der mittelalterlichen Steinskulptur von Hans Seyfer sind von überragender künstlerischer Qualität. Mit einer fachgerechten Reinigung, moderaten Ergänzung und neuer Beleuchtung hoffen wir, den Ölberg wieder etwas mehr ins Bewusstsein zu holen. Dass sich so viele Menschen für seinen Erhalt engagieren, ist ein großartiger Gewinn.“

Planung, Spendenaktion und Beginn der Arbeiten

Das Projekt startete 2024 mit ersten Vorarbeiten. So wurde das Gitter mit Sandsteinsockel um den Ölberg restauriert und so verändert, dass die Stellung eines Gerüstes erleichtert wird.  In einer ersten Phase wurde das steile, schiefergedeckte Zeltdach in die Maßnahme mit einbezogen. Der niedrige untere Abschluss in Form einer dunklen Holzdecke wurde entfernt, um den an der Spitze befindlichen Skulpturen nach oben mehr Raum zu geben. Der umlaufende Holzschwellenkranz wurde mit Trockeneis gereinigt und von dunklen Überzügen befreit. Der Dachbereich soll zukünftig geöffnet bleiben und der Ölberg eine eigene Beleuchtung erhalten.

Im Zentrum der Maßnahmen am Ölberg stehen die Reinigung und Restaurierung der Steinoberflächen der Architektur und der 18 Figuren. Eine Vorreinigung der Pfeiler sowie von Teilen des Sockels wurde bereits mit Heißdampf durchgeführt. Anfang des Jahres 2025 wurde die Figur „Häscher mit Keule“ entnommen und mittels Microstrahlung probegereinigt. Diese Figur beziehungsweise das zufriedenstellende Reinigungsergebnis wurde bei der Mitgliederversammlung des Dombauvereins im März 2025 vorgestellt. Es folgte eine Untersuchung der übrigen Figuren und der sie tragenden Steinskulptur mit Ermittlung der Schäden. Die Figuren zeigen verschiedene Schadensphänomene je nach Position: Vergrünung im Norden, schwarze Krusten oben, Teilverschmutzungen im Süden. Je nach Nähe zum Außenbereich sind die Schäden durch Vandalismus unterschiedlich umfangreich. Entsprechend unterschiedlich ist der Restaurierungsbedarf der einzelnen Figuren. Mit Abschluss der Voruntersuchungen und Probereinigungen an Figuren und Architektur konnte die Maßnahme im Frühjahr 2026 ausgeschrieben werden. Auf Basis der dann ermittelten Kosten suchte der Dombauverein nach Paten für einzelne Figuren.

Seit dem 5. Juni 2026 ist der Ölberg auf der Südseite des Doms vollständig eingerüstet. Derzeit erfolgen in einem ersten Schritt Reinigungsarbeiten mit einem Partikelstrahlverfahren und vorbereitende Arbeiten für die bildhauerischen Ergänzungen. Besonders spannend wird die Veränderung am Engel, der ganz oben auf dem Ölberg zu sehen ist. Der später ergänzte, unpassend gestaltete Kopf wird nach dem von Gottfried Renn gearbeiteten Bozetto, einer genauen Maßstabsgetreuen Vorlage, wiederhergestellt.

Die Reinigungs- und Konservierungsarbeiten an der Felsenlandschaft werden vorbereitet und beginnen ab Juli. Danach folgt als letzter Schritt die Installation der Beleuchtung. Nach Ende der Arbeiten im Oktober ist eine feierliche Vorstellung des sanierten Ölbergs mit Würdigung der Spenderinnen und Spender geplant. Für die Arbeiten an der mittelalterlichen Felsenlandschaft werden weiterhin Spender gesucht. Wer 1000 Euro oder mehr zur Verfügung stellt, wird nach Abschluss des Projekts auf einer Metalltafel am Fuß des Ölbergs entsprechend gewürdigt. Weitere Informationen und Kontakt: https://www.dombauverein-speyer.de/mitgliedschaft-spenden/pate-werden/

Zum Hintergrund: der Speyerer Ölberg

Im südlichen Domgarten liegt der Ölberg, eine steinerne Figurengruppe, die das biblische Geschehen des Gebets Jesu auf dem Jerusalemer Ölberg vor seiner Gefangennahme darstellt. Er bildete ehemals den Mittelpunkt des Domkreuzganges. Einst war dieser Ölberg ein Meisterwerk gotischer Bildhauerkunst und in seiner Zeit berühmter als der Dom selbst. Gestiftet wurde der Ölberg durch den Domherrn Wipert von Finsterlohe, dessen Grabstein im Dom erhalten ist. Er hatte dafür die stattliche Summe von 200 Gulden bestimmt. 1504 beschloss das Domkapitel, einen solchen „zierlichst und andächtigst" zu erbauen. Der Bildhauer Hans Seyfer errichtete das religiöse Monument in den Jahren 1506 bis 1511. Leider wurde der Ölberg 1689 und 1793 bis 1794 durch französische Soldaten schwer beschädigt. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Überreste der gotischen Figuren durch Arbeiten von Gottfried Renn ersetzt worden. Die Fragmente der alten Figuren befinden sich heute im Depot des Doms. Die ursprünglichen, gotischen Figuren waren ausdrucksstarke Meisterwerke hochgotischer Bildhauerkunst, die sich von den heutigen neogotischen Figuren sicher deutlich unterschieden. Zudem erhielt der Ölberg nach seiner Wiederherstellung eine mehr oder minder provisorische Bedachung, die den Ölberg zwar schützt, die Monumentalskulptur aber auch sehr verschattet.

Der Ölberg zeigt eine gestufte Felskuppe. In einer Schraubenlinie führt ein Weg empor. Ihn beschreiten Judas gemeinsam mit den Schergen und ein Hauptmann mit sechs Soldaten. Oben betet Jesus, ringsum zerstreut liegen die schlafenden Jünger, zuoberst befindet sich ein Engel. Auf den Felsen der Kuppe wuchern naturalistisch dargestellte Pflanzen, dazwischen bemerkt man allerlei Kriechtiere, wie Schlagen und Eidechsen sowie Fragmente weiterer Tiere.

Text: Domkapitel, Foto: Klaus Landry

 


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