Bistum Speyer

Freitag, 18. März 2016

„Ich kann nicht glauben, dass es so etwas gibt!“

Einmal pro Woche trifft sich das Ludwigshafener ivita-Team (v. l.): Andrea Krück, Margot Tomaszewska, Andrea Jakobi und Olaf Lütge, es fehlt Christine Degenstein). und diskutiert Unterstützungs- und Lösungsansätze für die Kunden.

„ivita“ hilft seelisch belasteten Menschen, Klinikaufenthalte zu vermeiden – nach einem Jahr schon über 400 Teilnehmer im Programm – Krisenwohnung als Alter-native zum Krankenhaus

Ludwigshafen. “Wir haben viel mehr Menschen erreichen können, als wir für das erste Jahr kalkuliert hatten. Das zeigt mir, dass wir mit unserem Angebot eine echte Lücke füllen“, freut sich Julia Bröhling-Kusterer, Gesamtleiterin des neuen Netzwerkes für seelische Gesundheit „ivita“. Am ersten April kann sie auf das erste Jahr des sozialen Start-Ups am Standort Ludwigshafen zurückschauen.

Ivita hat ein ehrgeiziges Ziel: Menschen in schweren seelischen Krisen so zu unterstützen, dass sie nicht in eine psychiatrische Klinik müssen. „Ich bin von unserem Ansatz zutiefst überzeugt“, sagt Julia Bröhling-Kusterer. „Menschen werden ja nicht umsonst psychisch krank. Ihre Lebenssituation macht sie krank, also auch ihr Umfeld. Wir arbeiten deshalb auch mit dem Umfeld, mit Partnern, Angehörigen, dem Arbeitgeber.“ Wenn Menschen aufgrund von Depressionen, Burnout oder anderen Erkrankungen in eine Klinik gehen, lernen sie dort im besten Fall den Umgang mit der Krankheit. „Aber wenn sie wieder nach Hause gehen, hat sich dort ja nichts verändert. Was sie krank gemacht hat, ist immer noch da.“
Menschen, die zu ivita gehen, bringen schon ab dem ersten Termin die wichtigen Personen aus ihrem Umfeld mit. Es wird immer in so genannten Tandems gearbeitet. „Wir sind immer zu zweit im Gespräch“, erklärt Olaf Lütge, Sozialarbeiter und Regionalleiter von ivita Ludwigshafen. „Wir hören zu, was unsere Kunden uns erzählen, dann gibt es eine Pause, in der wir sozusagen laut denken und sagen, was wir wahrge-nommen haben. Immer wertschätzend, immer auf Augenhöhe.“

Mit diesem Ansatz, den Fachleute „offener Dialog“ nennen, hat ivita großen Erfolg. „Wir haben drei Standorte, Koblenz, Saarbrücken und Ludwigshafen, und eine kleine Zweigstelle in Kaiserslautern. In Koblenz sind wir im Juli vergangenen Jahres an den Start gegangen und in Saarbrücken im Oktober. Wir haben damals geschätzt, dass wir zum einjährigen Bestehen des Pilotstandortes Ludwigshafen insgesamt 200 Menschen im Programm haben. Tatsächlich sind es jetzt schon 405“, freut sich Bröhling-Kusterer. Der Standort Ludwigshafen ist der größte, dort sind 170 Teilnehmer im Programm.

Ivita bedeutet „Integrierte Versorgung, Innnovative Teilhabe Ambulant“. Es ist eine gGmbH und Gesellschafter sind zu je 25 Prozent die Caritasverbände Mainz und Worms, der Diözesan-Caritasverband Speyer und die Barmherzigen Brüder Trier. Bis jetzt hat ivita Versorgungsverträge mit verschiedenen Krankenkassen. In Ludwigshafen sind das die Techniker Krankenkasse, die Securvita und die Betriebskrankenkassen von Daimler und Siemens. In Saarbrücken und Koblenz bietet auch noch die Kaufmännische Krankenkasse KKH ivita an.

„Das funktioniert so, dass die Kassen nach Zustimmung der Versicherten ivita die In-formation geben, dass der Betroffene schon einmal einen stationären Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik hatte“, erklärt Olaf Lütge das Vorgehen. „Wir nehmen dann Kontakt auf und stellen unser Angebot vor. 80 Prozent der Angesprochenen schreiben sich in unser Programm ein.“ Das bedeutet, die Betroffenen kommen zu ei-nem ersten Termin, am besten schon gleich mit einem Angehörigen oder wichtigen Freunden, und erzählen von ihrer Belastung. „Wir machen aber auch Hausbesuche. Wenn die Teilnehmer sich zuhause wohler fühlen, ist das kein Problem“, so Lütge. „Leitgedanke ist die Prävention. Durch regelmäßige Kontakte wollen wir unsere Kun-den stabilisieren und deren eigene Ressourcen zur Krisenbewältigung wecken.“

Zum Angebot von ivita gehört ein multiprofessionelles Team aus Sozialarbeitern, Psychologen, Psychiatriefachpflegern und Krankenpflegekräften. Außerdem stellt ivi-ta die Erreichbarkeit innerhalb einer Stunde in einem Radius von 50 Kilometern rund um den jeweiligen Standort sicher und steht über eine Notfall-Hotline 24 Stunden zur Verfügung. Neben regelmäßigen Kontakten mit den Teilnehmern steht ivita für akute Krisenbegleitung bereit und versucht so, zusammen mit den Betroffenen Klinikau-fenthalte zu vermeiden.

„Wir halten aber auch unsere Krisenwohnung bereit“, erklärt Bröhling-Kusterer. „Wer es zuhause gar nicht mehr aushält und einfach raus will, kann zu uns kommen. Wir haben eine Krisenwohnung und garantieren den Menschen dann rund um die Uhr Unterstützung und Beratung.“ Oft reichten ein paar Tage dort schon, in denen auch intensiv mit dem Umfeld gearbeitet wird, damit der Betroffene wieder zurück nach Hause kann. „Ein durchschnittlicher Klinikaufenthalt dauert 22 Tage. Unser Ziel ist, dass es gar nicht erst soweit kommt, dass das nötig wird.“

Ivita würde gerne expandieren. „Wir führen intensive Gespräche mit weiteren Kassen. Uns wäre natürlich die Aufnahme in die Regelversorgung am liebsten“, hat Bröhling-Kusterer ehrgeizige Pläne. „Unsere Kunden sind sehr froh über unser Angebot. Eine Teilnehmerin hat gesagt ,Ich kann nicht glauben, dass es euch gibt. Mich hat noch nie jemand so unterstützt!‘“

Text / Foto: Caritasverband für die Diözese Speyer

Diese Meldung und weitere Nachrichten des Bistums wurde veröffentlicht auf der Internetseite www.bistum-speyer.de

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