Bistum Speyer

Montag, 05. Juli 2021

Tischa B´av: Israelsonntag oder JERUSALEM

Jerusalem - Tempelberg mit dem Felsendom

Impuls zur Kampagne "#beziehungsweise: jüdisch und christlich – näher als du denkst" von Stefan Seckinger

Speyer. Das Bistum Speyer und die Evangelische Kirche der Pfalz mit ihren Gemeinden beteiligen sich in diesem Jahr zusammen mit der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz mit monatlichen Beiträgen an der bundesweiten Jahreskampagne, „#beziehungsweise: jüdisch und christlich – näher als du denkst“. Die Aktion will die Verbundenheit des Christentums mit dem Judentum aufzeigen und daran erinnern, dass es seit 1700 Jahren jüdisches Leben in Deutschland gibt. In 14 verschiedenen Motiven wird im Jahresverlauf der Bezug zum Kirchenjahr hergestellt. Dazu gibt es jeden Monat einen neuen Impuls.

Der Impuls für Juli: Tischa B´av: Israelsonntag – oder JERUSALEM
Am 9. Tag des jüdischen Monats Av (Zeitraum Juli/ August) erinnern Jüdinnen und Juden an die Zerstörung des Jerusalemer Tempels (im Jahr 70 nach Christi Geburt). Analog dazu begeht die evangelische Kirche in Deutschland am 10. Sonntag nach Trinitatis den Israelsonntag.

Bis heute treffen sich im Judentum die Gläubigen an diesem Tag in den Synagogen, stimmen Klagegesänge an und fasten. Sie betrauern nicht nur den Verlust des Tempels, sondern damit ist auch die Diasporasituation verbunden: Die Vertreibung und Zerstreuung des Judentums in der Welt.

Die Suche nach Heimat prägt das Volk Israel nicht erst seit dem sogenannten „Babylonischen Exil“ (6. Jahrhundert vor Christus mit der ersten Zerstörung des Tempels), sondern von Anfang an: Abraham ist ein umherziehender Nomade, in Ägypten erdulden seine Nachfahren Sklaverei und Knechtschaft. Daher gilt Mose als der große Befreier im Alten Testament und Israel – auch und gerade in seiner Messiaserwartung – ist das Volk, dessen herausragendes Thema die Freiheit ist.

Das „Gelobte Land“ bleibt eine Verheißung Gottes an sein erwähltes Volk. Es muss nicht auf bestimmte Landesgrenzen beschränkt werden. Ebenso ist die Erfahrung der Anwesenheit Gottes nicht an den Jerusalemer Tempel oder an die dort aufbewahrte Bundelade beschränkt. „Jerusalem“, „Israel“, „Tempel“ – all das wird somit zum Symbol. Daher ist es meiner Meinung nach fragwürdig, den Tempel einfach wieder aufbauen zu wollen (mit der dazugehörigen Kultpraxis). Überall kann gebetet werden, an jedem Ort zu jeder Zeit können wir Gott persönlich begegnen – will er uns begegnen.

Dennoch ist es ein besonderes Erlebnis, nach Israel zu reisen, den Tempelberg zu besuchen, die Klagemauer zu sehen. Der Glaube braucht Verortung, Heimat. Wir können mit Jerusalem eine chaotische Stadt verbinden – zugleich aber und vor allem tiefe religiöse Sehnsucht. Jedenfalls ist diese „heilige Stadt“ der wichtigste Ort für Juden und Christen. Wer schon einmal dort gewesen ist, weiß, wovon ich rede.

Weiterführende Gedanken/ Impulse:
Der evangelische „Israelsonntag“ könnte auch katholischerseits rezipiert werden. Wie er sich kalenderbedingt nicht mit dem jüdischen Gedenktag deckt (2021 ist der Israelsonntag am 8. August, Tischa beAv am 18. Juli), so ist auch die inhaltliche Ausrichtung eine andere. Es geht der Kirche um den jüdisch-christlichen Dialog, auch um Versöhnungsarbeit. Die Erfahrung von Zerstörung und Vertreibung verpflichtet gerade uns in Deutschland zu Sensibilität, Gedenken und Engagement!

Dass der Tempel zerstört wurde und das Volk vertrieben, hat zwei Seiten: Dadurch wurden viele jüdische Gemeinden gegründet, die Religion verbreitete sich, anstelle des Opferkults bildete sich das rabbinische Judentum. Das Wort Gottes steht nun im Mittelpunkt der gottesdienstlichen Praxis. Wenn bei uns heute Christinnen und Christen eine spirituelle Heimat suchen, stehen sie vor einer Herausforderung, die das Judentum immer schon kennt – und sich zur Chance gemacht hat!

In Psalm 137 heißt es „Wenn ich dich je vergesse, Jerusalem, dann soll mir die rechte Hand verdorren“ – aus der Erfahrung des Exils, der Sehnsucht heraus gesprochen. Im Neuen Testament weint Jesus über Jerusalem (Lk 19,41), kurz darauf wirft er die Händler aus dem Tempel. Am Ende des Sederabends (Beginn des Pessach-Festes) und am Versöhnungstag (Jom Kippur) rufen sich die Gläubigen zu: „Nächstes Jahr in Jerusalem!“ Jerusalem hat also für das Judentum eine fundamentale Bedeutung – doch für uns Christinnen und Christen nicht minder! Am Ende des Films „Schindlers Liste“ erklingt das Lied „Jerusalem aus Gold“. In der christlichen Ableitung „Ihr Mächtigen, ich will nicht singen“ wird die „heilige Stadt Jerusalem“ zum Synonym für das himmlische Jerusalem. Es ist das Ziel unserer Suche nach Heimat (vgl. Phil 3,20).

Autor des Impulses: Dr. Dr. Stefan Seckinger, Hochschulpfarrer in der Katholischen Hochschulgemeinde Kaiserslautern-Homburg

Weitere Informationen zur Kampagne:
Zur bundesweiten Kampagne allgemein:
www.juedisch-beziehungsweise-christlich.de

Veranstaltungsreihe von Bistum und Landeskirche anlässlich des Festjahres
https://www.keb-speyer.de/veranstaltungen/1700-jahre-juedisches-leben/

Alle Impulse zur Aktion:https://www.bistum-speyer.de/aktuelles/beziehungsweise/

Foto: Friedbert Simon - pfarrbriefservice.de

Diese Meldung und weitere Nachrichten des Bistums wurde veröffentlicht auf der Internetseite www.bistum-speyer.de

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