Bistum Speyer

Donnerstag, 02. September 2021

Landesweite Beachtung für nachahmenswertes Projekt

Auch die Küche im Horeb-Treff, der bereits ein Kochkurs mit Kindern stattfand, war Teil des Rundgangs vom Caritas-Vorsitzenden Karl-Ludwig Hundemer, dem Pirmasenser Oberbürgermeister Markus Zwick, der Leiterin des Caritas-Zentrums Pirmasens, Annette Martin, und Staatsminister Alexander Schweitzer (von links)

Staatsminister Alexander Schweitzer informierte sich über die Nachbarschaftsarbeit des Caritas-Zentrums Pirmasens

Hoher Besuch im Horeb-Treff in Pirmasens: Staatsminister Alexander Schweitzer vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung des Landes Rheinland-Pfalz informierte sich über die Nachbarschaftsarbeit des Caritas-Zentrums Pirmasens und seiner Kooperationspartner.

Der Horeb-Treff, das Quartiersmanagement-Projekt der Caritas im Pirmasenser Stadtteil Horeb wird in Zukunft landesweit Beachtung finden, kündigte Staatsminister Alexander Schweitzer bei seinem Besuch an. Denn das Projekt sei nachahmenswert und er werde  künftig vielen im Land von diesem tollen Projekt in Pirmasens erzählen, versprach Schweitzer. 

„Was hier funktioniert an Nachbarschaftsarbeit, an Quartiersarbeit, das funktioniert auch in Mainz und in Landau“, konstatierte Schweitzer, der sich für seinen Besuch in der Pirmasenser Einrichtung viel Zeit nahm. Hier werde bereits vieles umgesetzt, sei vieles auf den Weg gebracht, dass wichtig beim Thema Armutsbekämpfung sei. Dies werde in Rheinland-Pfalz auf neue Füße gestellt, kündigte der Minister an. Er war sich vor diesem Hintergrund mit den Vertretern der Stadt Pirmasens und der Caritas einig, dass solche Projekte keiner zeitlichen Beschränkung unterliegen dürfen. Dass eine Finanzierung über einen Projektzeitraum hinaus ohne Hilfe des Bundes nicht möglich sein wird, auch darüber herrschte Einigkeit. 

Beim Antrittsbesuch beim neuen Staatsminister im vergangenen Jahr hatte Karl-Ludwig Hundemer, der Vorsitzende des Caritas-Verbandes für die Diözese Speyer, auf das im November 2020 unter schwierigen Corona-Bedingungen gestartete Projekt in Pirmasens aufmerksam gemacht. Er habe Schweitzer von positiven Projekten der Caritas berichtet, zum Beispiel von der Arbeit in Sozialräumen, wie auf dem Horeb in Pirmasens, sagte Hundemer. Der Staatsminister habe sofort gefragt, ob er sich dieses Projekt mal anschauen dürfe. Bereit tags darauf sei ein Termin vereinbart worden.

Der Minister war sichtlich angetan vom Projekt. Was er sah und hörte, bestätigte Schweitzer in seiner Auffassung: „Man kann Quartiersmanagement nicht in eine Gemeinde hineinfinanzieren, wenn es vor Ort niemanden gibt, der sagt, das ist etwas, was zu uns passt“. Man brauche Träger mit Kompetenz, wie am Horeb die Caritas. Die Örtlichkeit, also der zentrale Anlaufpunkt im Quartiersmanagement,  sei ein weiterer wichtiger Faktor, konstatierte Schweitzer. Auch da passt alles beim Horeb-Treff.  Das bestätigte auch Annette Martin, die Leiterin des Caritas-Zentrums in Pirmasens: „Für die Menschen auf dem Horeb gab es hier in diesen Räumen bis auf ein Jahr Unterbrechung schon immer die Caritas mit ihren Angeboten“.

Bevor der Horeb-Treff einzog, war in der Pirmasenser Klostergasse das Caritas-Zentrum ansässig gewesen. Die Lage sei ideal, ergänzte Bärbel Nelke, die gemeinsam mit Björn Heinrich den Horeb-Treff leitet. Die Klostergasse ist die direkte Verbindung vom Horeb in die Innenstadt. Wer vom Horeb in die Stadt gehe, komme zwangsläufig am Horeb-Treff vorbei. Das erleichtere die Kontaktaufnahme. Gerade in der Startphase, als es Corona-bedingt Kontaktbeschränkungen gab, konnten über die geöffneten Fenster trotzdem Kontakte geknüpft werden.

Auf vier Säulen steht der Horeb-Treff, erläuterte Annette Martin: Er soll Treffpunkt sein für die Menschen vom Horeb. Den Menschen, die den Horeb-Treff aufsuchen, wird Unterstützung geboten. Hier wird bürgerschaftliches Engagement ermöglicht. Eine ganz entscheidende Säule sei zudem die Vernetzung, unterstrich Martin. Eine enge Verzahnung gibt es mit der Stadt Pirmasens. „Wir sind für die Menschen vom Horeb die Schnittstelle zur Stadt“, erläuterte sie. Viele Menschen wüssten gar nicht, welche Hilfsmöglichkeiten für sie bestehen. Ein Quartiersmanagement-Projekt wie der Horeb-Treff möchte als niedrigschwelliges Angebot, den  Menschen helfen, den Weg zur für sie passenden Hilfe zu finden.

Angelegt ist das Projekt auf drei Jahre. Das Budget beträgt 270.000 Euro und wird zu 90 Prozent aus Bundesmitteln im Rahmen des Förderprogramms „Sozialer Zusammenhalt“ bezuschusst. Ziele des Programmes sind die Wohn- und Lebensqualität sowie die Nutzungsvielfalt in den Quartieren zu erhöhen. Alle Bevölkerungsgruppen sollen integriert werden und der Zusammenhalt in der Nachbarschaft soll gestärkt werden. Diese Ziele werden mit dem Horeb-Treff verfolgt, verdeutlichten Martin und Nelke. „Wir sind einfach ein Bindeglied in einem großen Zahnrad, um unseren Horeb noch ein bisschen schöner zu machen“, sagte Annette Martin.

Die Leiterin des Pirmasenser Caritas-Zentrums erläuterte, dass sich das Projekt vornehmlich an die 2700 Menschen richtet, die im Stadtteil Horeb leben. In dem Quartier ist der Anteil der älteren Bürger sehr hoch, weshalb  Seniorinnen und Senioren eine Schwerpunkt-Zielgruppe sind. Dazu kommt, dass am Horeb eine große Zahl Geflüchteter lebt, es viele Kinder gibt – in der Grundschule beträgt der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund 80 Prozent – und dass hier viele Menschen leben, die ihren Lebensunterhalt aus Transferleistungen wie Hartz IV beziehen. Auch sie alle hat der Horeb-Treff im Blick.

Angebote für sie entwickeln, aus den Rückmeldungen, die kommen weitere Angebote kreieren -  das ist die Aufgabe, der sich das Horeb-Treff-Team stellt. Neben Bärbel Nelke und Björn Heinrich sind das aktuell zehn ehrenamtlichen Helfer und Petra Baschab, die ihren Bundefreiwilligendienst absolviert. Ob Kochkurs für Kinder, gemeinsame Aufräumaktion in der Stadt, Spaß beim Hula-Hoop oder beim gemeinsamen Säubern des zum Treff gehörenden Gartens. Der Lese-Club für Kinder hat zwischenzeitlich eröffnet und aktuell startet ein internationales Frauen-Café, dass Frauen mit Migrationshintergrund einen geschützten Raum bietet, um sich zu treffen und auszutauschen. Es sei wichtig, den Menschen zu helfen, sagte Werner Kilb, einer der zehn Ehrenamtlichen, der selbst in diesem Stadtteil lebt.

Die Stadt Pirmasens habe abseits von Zahlen, die sie immer in der Spitzengruppe zeige, wenn es zum Beispiel um Arbeitslosigkeit oder Kinderarmut gehe, eine positive Entwicklung genommen. Auch dank der Quartiermanagement-Projekte in der Stadt, sagte der Pirmasenser Bürgermeister Markus Zwick (CDU). Diese tragen dazu bei, dass sich die Menschen mit ihrem Quartier identifizieren, dass ihr Selbstvertrauen steige. Es dürfe nicht passieren, dass man den Menschen ihren Stolz nehme. Man müsse die Menschen mitnehmen und ihnen das Gefühl vermitteln, dass sie mehr können, als ihnen die Gesellschaft, der Arbeitsmarkt manchmal zutraue, bestätigte der Minister und sieht im Horeb-Treff eine Einrichtung, die das möglich macht.

Text und Fotos: Andrea Daum für den Caritasverband für die Diözese Speyer

Diese Meldung und weitere Nachrichten des Bistums wurde veröffentlicht auf der Internetseite www.bistum-speyer.de

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