Bistum Speyer

Montag, 06. Dezember 2021

Vor 200 Jahren: Erster Bischof und erstes Domkapitel

Bischof Matthäus Georg von Chandelle

Neubeginn nach dem Untergang des Fürstbistums – Bischofsweihe am 9. Dezember 1821 in München

Speyer. Der 9. Dezember 1821 war für das Bistum Speyer ein wahrhaft historischer Tag: Der erste Bischof der nach der Napoleonischen Zeit wiedererrichteten Diözese empfing in München die Bischofsweihe, am gleichen Tag wurde in der Kirche des Klosters St. Magdalena das Domkapitel installiert. Ein Blick auf die Ereignisse vor 200 Jahren verdeutlicht, mit welch großen Schwierigkeiten der Neustart des Bistums verbunden war. Selbst dass Speyer Bischofssitz blieb, war keineswegs selbstverständlich.

Das alte Fürstbistum Speyer, dessen Anfänge bis in die Römerzeit reichten, war Anfang des 19. Jahrhunderts infolge der gewaltigen Veränderungen in ganz Europa nach der Französischen Revolution untergegangen. Doch erhielt Speyer im Gegensatz zu anderen traditionsreichen Diözesen wie Worms oder Konstanz die Chance für einen Neubeginn, wenn auch – nach dem Verlust der rechtsrheinischen Gebiete – mit wesentlich verkleinertem Gebiet. Die Übernahme der später als „Pfalz“ bezeichneten Region durch Bayern 1816 war eine entscheidende Voraussetzung für die Wiedergründung der Diözese. Durch das Bayerische Konkordat, das Papst Pius VII. und König Max I. Joseph am 5. Juni 1817 schlossen, wurde das Bistum Speyer wiedergegründet. Seine Grenzen umschrieb eine päpstliche Bulle vom 1. April 1818, die nach einigem kirchenpolitischen Hin und Her zwischen dem Vatikan und Bayern jedoch erst im September 1821 veröffentlicht werden konnte.

Schwierig gestaltete sich die Suche nach einem geeigneten Bischof für die zur Kirchenprovinz Bamberg gehörende Diözese am Rhein. Der bayerische König, dem laut Konkordat das Nominationsrecht zustand, hatte zunächst den Würzburger Weihbischof Gregor von Zirkel vorgesehen, der jedoch im Dezember 1817 starb. Kandidat Nummer zwei, der Mainzer Bischof Joseph Ludwig Colmar, lehnte altersbedingt ab. Auf Colmars Hinweis auf seinen Generalvikar Johann Jakob Humann, der seit 1817 auch als Apostolischer Vikar für das Bistum Speyer wirkte, ging Max Joseph nicht ein. Am 5. Februar 1818 nominierte der König Matthäus Georg von Chandelle, den 72-jährigen ehemaligen Direktor des erzbischöflichen Regensburger Vikariats in Aschaffenburg, zum Bischof von Speyer. Die päpstliche Bestätigung erfolgte im Mai 1818.

Doch zum Bischof geweiht wurde Chandelle erst dreieinhalb Jahre später, nachdem die Auseinandersetzungen um die Interpretation des Konkordats endlich beigelegt worden waren. Die Weihe empfing der erste Oberhirte des neuen Bistums Speyer am 9. Dezember 1821 in der Hauskapelle der Münchener Nuntiatur durch Nuntius Francesco Serra di Cassano. Chandelle war erkrankt in München angekommen. Daher hatte der König angeordnet, die Konsekration in der geheizten Kapelle vorzunehmen. Am gleichen Tag installierte Humann in der Kirche des Klosters St. Magdalena in der Speyerer Altstadt das neue Domkapitel. Der Mainzer Geistliche war die entscheidende Persönlichkeit bei der Auswahl der neuen Kapitulare, die die Regierung im Namen des Königs mit dem Nuntius vornahm. Chandelle selbst kannte niemanden in seiner neuen Diözese. Die erste Sitzung des neuen Gremiums fand am 12. Dezember 1821 statt. Die Positionen des Dompropst und des Domdekans übernahmen mit Johann Valentin Metz und Franz Donat Werner zwei über Siebzigjährige. Die beiden jüngsten Kapitulare Johannes Geissel und Nikolaus Weis, die im August 1822 ernannt wurden, waren dagegen erst 26 Jahre alt. Beide bestiegen im Lauf des 19. Jahrhunderts selbst den Speyerer Bischofsstuhl.

Für die neue Diözese war es ein äußerst „schwieriger Beginn“, wie der Kirchenhistoriker Ludwig Stamer urteilte. Der Dom war aufgrund von Kriegsschäden nicht zu nutzen, es gab viel zu wenige Priester, die finanziellen Verhältnisse waren schwierig. Da zudem keine geeigneten Wohnungen für den Bischof sowie das Domkapitel vorhanden waren und im mehrheitlich protestantischen Speyer eine antiklerikale Gesinnung zu befürchten war, wollte Bischof Chandelle Aschaffenburg als Bischofssitz durchsetzen. Entsprechende Vorstellungen fanden aber keinen Widerhall. Nach seiner Inthronisation in der Klosterkirche von St. Magdalena am 20. Januar 1822 begab sich der Bischof zunächst wieder nach Aschaffenburg. Die Serie der Sitzungsprotokolle des Bischöflichen Ordinariates, die im Bistumsarchiv Speyer aufbewahrt werden, beginnt bezeichnenderweise mit Regelungen für die Zeit der Abwesenheit des Oberhirten, der schließlich Anfang März 1822 die Verwaltungsgeschäfte übernahm.

Chandelle galt als „persönlich lauter und untadelig“, jedoch auch als ein „Vollblutbürokrat in geistlichen Dingen“, der sich vor allem den weltlichen Behörden gegenüber verpflichtet sah. Er stand damit im Gegensatz zu der die Zukunft bestimmenden jüngeren Theologengeneration, die sich ganz am Papsttum orientierte. Sein Bistum leitete der Bischof vom Schreibtisch aus, mit dem Domkapitel und dem übrigen Klerus verkehrte er nur schriftlich. Auch dass der vom Geist der Aufklärung Geprägte die Wallfahrten nach Maria Rosenberg unterdrückte, trug zu seinem negativen Bild in der Diözese bei. Vorgeworfen wurde Chandelle auch, er unternehme keine Firmreisen und Pfarrvisitationen. Es kam sogar zu Bemühungen, die Resignation des Bischofs zu erreichen oder ihm zumindest einen Koadjutor an die Seite zu stellen.

Um die Kritik an seiner Amtsführung zu entkräften, entschloss sich Chandelle zu einer Firmreise in die Westpfalz, die er am 6. Juni 1826 antrat. Doch die damit verbundenen Anstrengungen waren für den 80-Jährigen zu groß. Nach einigen Stationen musste er wieder nach Speyer zurückkehren, wo er unmittelbar nach seiner Ankunft am 30. Juni 1826 starb. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem damaligen städtischen Friedhof. Die Grabplatte, die sich nach der Aufgabe des Friedhofs zeitweilig im Dom befand, ist heute auf dem Friedhof des Domkapitels bei der Kirche St. Bernhard zu finden. Dagegen wurden die beiden jungen Domkapitulare, die die Amtsführung Chandelles äußerst kritisch begleitet hatten, in Kathedralen beigesetzt: Johannes von Geissel, 1837 bis 1842 Bischof von Speyer, nach seiner Kardinalszeit in Köln in der dortigen Bischofsgruft sowie Nikolaus von Weis, der bis 1869 in Speyer amtierte, als erster Bischof der neuen Diözese Speyer im romanischen Dom.

Text: Thomas Fandel/Foto: Bistumsarchiv

 

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